13. August - Vorarlberg - Rennbericht

Highlander: Kontrolliert abfahren

Von Johannes Heumann


| Foto: Hihglander

13.08.2017  | 

Der August ist der Monat der langen Radrennen, und so ging es zum Highlander Radmarathon nach Hohenems ins schöne Vorarlberg. Die Anreise ist relativ problemlos von Nürnberg in drei Stunden erledigt, und so nutzte ich den Samstag, um etwas am Bodensee zu entspannen - mit einem leckeren Schoko-Eisbecher.
Danach ging es über Bregenz nach Hohenems.
 
Hier ist die Landschaft geprägt von grünen Bergen auf der einen Seite, und die Ebene hin zum Bodensee, wirklich immer wieder schön hier.  Ich war etwas angespannt, denn die letzten drei, vier Wochen habe ich nicht mehr so konstant trainiert: Umzug und lernen für die Uni kosteten das Training. Würde ich die große Runde überhaupt schaffen?
 
Naja, es muss, hilft ja nichts, vor allem weil in zwei Wochen der Ötztaler ansteht.  Aufgrund des frühen Starts am Sonntag um sechs Uhr ging ich bereits kurz nach neun schlafen. Um 4:40 klingelte der Wecker. Das ist selbst für den geübten Radmarathonfahrer doch sehr früh. Also aufstehen, und erstmal das Wetter kontrollieren. 
 
Es war schon relativ warm, und die Wettervorhersage mit 24 Grad perfekt. Beim Frühstück nochmal richtig Kohlehydrate und Zucker tanken: zwei Brötchen mit Marmelade und zwei Stück Kuchen plus heiße Schokolade. Dann ab zum Start.
Es war noch recht dunkel, sodass man unbeleuchtete Teilnehmer auf dem Weg zum Start schlecht erkannte, und es zu der einen oder anderen brenzligen Situation kam.  Um 5/40 Uhr am Start angekommen, grüßte schon gefühlt das ganze Teilnehmerfeld, und es hieß erst einmal hinten anstellen.
 
Da frag ich mich immer, wann die Leute denn eigentlich aufstehen? Und ich will auch nicht noch ewig herumstehen, bevor es losgeht. Nach der Segnung durch den Pfarrer ging es los - halb im Blindflug, denn es war noch recht düster. Ich versuchte ich mir auf den ersten flachen Kilometern meinen Weg nach vorn zu bahnen. Das war relativ schwierig, da ich erst zwei Minuten nach der Spitze überhaupt die Startlinie überquerte.
 
In Folge dessen hatte sich das Feld schon in kleine Gruppen zerlegt. Ich versuchte an meiner Schwelle zu fahren, aber nicht zu viel zu geben. Nach etwa sieben Kilometer ging es in Dornbirn rechts weg auf das Bödele. Auch hier versuchte ich im unteren Teil nochmals Tempo zu machen, machte ab der Mitte etwas langsamer, und genoss die Aussicht auf das noch schlafende Vorarlberg und den ruhigen Bodensee.
 
Oben auf dem Bödele hat man einen wahnsinnigen Ausblick in die Berge, jedes Mal wieder toll und fast der Höhepunkt der Strecke. Nach der rasanten Abfahrt und der Fahrt durch den Bregenzerwald, wo man eine Gruppe braucht (sonst kommt man meiner Meinung nach nie an;-), stand der Hochtannberg-Pass an. Ein relativ netter Berg, den in einem guten Rhythmus fahren kann.
 
Es ging in eine kurze Abfahrt, und danach rechts nach Lech und Zürs am Arlberg. Während man in Lech noch ein paar Wanderer sieht, denkt man in Zürs, hier ist die Welt zu Ende: Alle Hotels leer, kein Mensch auf der Straße. Jedoch war der starke Duft der Kiefern ein tolles Erlebnis für die Nase.
 
Es galt allerdings nicht in Gemütlichkeit zu verfallen, denn auf dem Flexen-Pass stand die erste Zwischenzeit an, und damit für mich der Vergleich zum Vorjahr. Ich war etwas enttäuscht: Nur eine Minute nur schneller. Dann hieß es die Abfahrt bis nach Klösterle in minimal 13 Minuten zu bewältigen - nicht schneller! Das war die Auflage des Veranstalters, da der Arlbergtunnel gesperrt ist, und somit auf der Passstraße ein höheres Verkehrsaufkommen.
 
In Klösterle angekommen, stand schon eine größere Gruppe vor der Zeitschleife, um endlich weiterfahren zu können, wegen der Zeitauflage. Mit dieser Gruppe fuhr ixh dann 40 km weiter bis zur Streckenteilung. Ich dachte einfach geradeaus weiter, dann bist du in einer Stunde im Ziel. Aber mein Marathon-Teufelchen sagte, komm, bieg rechts ab, so schlimm wird’s nicht, außerdem der Ötztaler!
 
Das war dann Argument genug, um abzubiegen.  Es ging steil bergan nach Raggal, etwa fünf Kilometer. Ich konnte hier noch gut drücken und die Beine fühlten sich prima an. Nach einer kurzen zwischen Abfahrt ging es dann ins Faschina-Joch. Sehr steil, meine Beine wollten nicht mehr, ab etwa der Hälfte des Anstiegs. Ich fuhr dann mit neun Km/h der Passhöhe entgegen. Um mich herum war aber auch keiner sonderlich schneller, und so zog sich die Kette aus Radfahrern langsam nach oben.
 
Dann wieder eine kurze Abfahrt, und mit Schwung in den letzten Anstieg, das Furka-Joch, etwa fünf Kilometer und 400 Höhenmeter. Das schöne hier: Man sieht die Passhöhe die ganze Zeit, aber man kommt ihr nicht merklich näher. Die Straße nimmt jede Kurve mit, sodass man fast am verzweifeln ist, ob die Straße wirklich dort oben endet.
 
Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich dann oben - und ab hier geht es die letzten 40 Kilometer nur noch bergab, sehr eng und technisch. Hier muss man schon nochmal sehr konzentriert sein, und auch auf entgegen kommende Autos achten, die aber immer Platz gemacht haben.
 
Die letzten 15 Kilometer sind dann ein Flachstück; es rollt quasi wie von selbst.  Nach 6:43 h war ich dann im Ziel; alles in allem eine ganz gute Zeit, 14 Minuten schneller als letztes Jahr. Aber mit ordentlich brennenden Beinen - ich war zufrieden soweit.
 
Der Highlander ist für mich eine tolle Veranstaltung: super organisiert, die Verpflegungsstationen sind top - eine schöne Gelegenheit, um Vorarlberg ein weing kennenzulernen.  Jetzt versuche ich mich gut zu erholen - in zwei Wochen steht der Ötztaler an.
Bís dann!
Euer Johannes
 
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