So viele Teilnehmer und so schnell wie nie

Tag der Rekorde beim 37. Ötztaler Radmarathon

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Schöne Aussicht beim Ötztaler Marathon | Foto: Ötztal Tourismus

27.08.2017  |  „A so a schener Tag“ freute sich Snowboard-Weltmeister Benjamin Karl nachdem er beim 37. Ötztaler Radmarathon ins Ziel gekommen war. Dass sich auch Wintersportler hervorragend auf dem Rad bewegen können, zeigte der Niederösterreicher mit einer fantastischen Zeit von 8:45,31 Stunden. „Für meinen ersten Ötztaler lief es nicht schlecht. Bis zum Jaufenpass fuhr ich mit Leo Hillinger, Paco Wrolich und Rene Haselbacher, dann habe ich das Tempo erhöht und kam gut nach Sölden“, sagte der Spitzensportler.
 
Tausende Hobbysportler und Amateure bestritten heute die 37. Auflage des Ötztaler Radmarathons. Dass er zu den schwersten Wettbewerben seiner Art zählt, fühlten heute gleich 4.331 Teilnehmer aus 40 Nationen am eigenen Leib. Bei den Herren kam es vor vielen Zuschauern zu einem italienischen Doppelsieg, bei den Frauen setzte sich erneut eine Schweizerin durch. Zwei Tage nach der Premiere des Profirennens PRO Ötztaler 5500 standen heute für die Hobbyfahrer und Amateure 238 Kilometer mit 5.500 Höhenmeter auf dem Programm. Erneut waren die vier hohen Pässe Kühtai, Brenner, Jaufen und Timmelsjoch wieder die Scharfrichter!
 
Bei elf Grad Außentemperatur und bewölktem Wetter wurde das Rennen um 6:45 Uhr in Sölden gestartet. Vom Wetter war alles dabei: Bis zum Brenner Pass herrschte Sonnenschein, dann verdunkelten sich die Wolken und es kam nur kurz zu leichtem Regen. Insgesamt spulten die Teilnehmer die Distanz bei trockenen Straßen ab.
 
Während der Großteil der Hobbyfahrer die Strapazen gemächlicher angingen, legten die Spitzenfahrer gleich ein enormes Tempo bis zum Kühtai hin. Dort konnte sich der Italiener Christian Barchi solo an die Spitze setzen. Über den Brenner bis zum Jaufenpass blieb er in Führung, ehe seine Flucht am Fuße des vorletzten Passes auf Südtiroler Seite von rund 50 Fahrern vereitelt wurde. Bei der Abfahrt vom Jaufenpass attackierten fünf Fahrer. Der Ausreißversuch des Quintetts endete nach St. Leonhard am Fuße des Timmelsjochs. Ab Moos begann dann ein richtiges Ausscheidungsrennen. Übrig blieben am 2.509 Meter hohen Timmelsjoch zwei Italiener: Stefano Cecchini und Enrico Zen, der Gewinner von 2015.
 
Kreuzigers Trainingspartner gewinnt

Auf den letzten vier Kilometern vor dem Ziel in Sölden attackierte der 40-jährige Cecchini aus der Stadt Lucca in der Toskana und feierte mit einer Zeit von 6:56,34 Stunden seinen ersten Triumph beim Ötztaler. Im Ziel wurde der Trainingspartner von Roman Kreuziger (Orica-Scott), der am Freitag den PRO Ötztaler 5500 gewann, von seinem zweijährigen Sohn Oskar empfangen. „Ich war sprachlos im Ziel. Mein Team hat super zusammengearbeitet. Es ist ein Traum, dass ich das schönste Amateurrennen der Welt gewinnen konnte!“ Zweiter wurde Enrico Zen aus der Provinz Vincenzo mit 6:56,53 Stunden, gefolgt vom besten Deutschen, dem Ausdauertalent Robert Petzold (6:59,50 Stunden).

Als bester Österreicher belegte Christian Oberngruber aus Oberösterreich mit 7:06,28 Stunden den siebenten Platz. Unmittelbar hinter Ex-Radprofi Jörg Ludewig (9. Platz) und vor Vorjahressieger Bernd Hornetz aus Deutschland (11. Platz) schaffte es der Tiroler Patrick Hagenaars noch in die Top-Ten. „Das Rennen war heuer extrem schnell. Ich habe mir alles gut eingeteilt und bin zum Glück noch gut über das Timmelsjoch bekommen“, sagte der Sportler aus Brixen im Thale.
 
Tag der Rekorde

Bereits in den frühen Morgenstunden fiel der erste: mit 4.331 Teilnehmern rollten so viele Radfahrer wie noch nie über die Startlinie. Der bisherige Teilnehmerrekord lag bei 4.293 Startern. Auch Tagessiegerin Laila Orenos setzte heute ein deutliches Zeichen und geht auf Rekordjagd. Nachdem sie in den letzten drei Jahren siegreich war und im Vorjahr mit 7:42,29 Stunden einen neuen Streckenrekord aufstellen konnte, bewältigte sie die 238 Kilometer heute mit einer Zeit von 7:50,44 Stunden. Damit gibt es drei Frauen, welche den Ötztaler Radmarathon unglaubliche vier Mal für sich entscheiden konnten: Laila Orenos, Edith van den Brande und Anna Corona. Bei den Herren gelang dies bisher nur einem; Ekkehard Dörrschlag gewann zwischen 1986 und 1989 vier Austragungen des Ötztalers. Die Deutsche Christina Rausch belegt mit nur 2:16 Minuten Rückstand Platz zwei. Wie im Vorjahr belegte die Tirolerin Daniela Pintarelli, die mit ihrem künftigen Gatten Andi Traxl das Ziel erreichte, den dritten Platz (7:55,29h). Ab dem Jaufenpass lag Orenos in Führung, doch am Timmelsjoch hätte sie sich fast verspekuliert: „Ich bekam dort Krämpfe und bin eingebrochen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mit dem Tempo noch gewinnen kann!“
 
Ex-Radprofis beeindruckt

Und nach dem Rennen wurde fleißig gefuttert: Über eine Tonne Nudeln und über 9000 Kuchenstücke verspeisten die über 4.000 Teilnehmer, wobei jeder im Laufe des Marathons rund 12,5 Liter Flüssigkeiten aufnahm. „Es ist schon gewaltig, was jeder Teilnehmer hier leistet“, sagte Mastermind Ernst Lorenzi. Jeder Starter verbrauchte heute im Durchschnitt 9.000 Kalorien. „So gequält habe ich mich selten zuvor. Das ist ohne Untertreibung eines der härtesten Rennen der Welt“, keuchte der Burgenländer Ex-Radprofi und Tour de France Teilnehmer Rene Haselbacher im Ziel. Gemeinsam mit Paco Wrolich finishte er in 9:07 Stunden. Eine starke Vorstellung bot auch Euro- und Championsleague-Macher Martin Kallen (9:13h), der von Jakob Falkner (Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden) begrüßt wurde. „Also neun Stunden Radfahren über diese Berge ist sicher anstrengender als neun Stunden Fußball spielen“, scherzte der Schweizer. 

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