"Die herbstzeitlose Velo-Parade" durch die Hügel des Kraichgaus

Tretro: Treff der Rad-Heroen in Sinsheim

Von Klaus Angermann

Foto zu dem Text "Tretro: Treff der Rad-Heroen in Sinsheim"
Mit 90 Jahre alten Opel-Z-3-Rennern am Start: Klaus-Peter Thaler (l.) und Freunde | Foto: Tretro

23.09.2017  |  (rsn) - Von A bis Z waren sie gekommen, die Heroen vergangener Radsportzeiten, zur 3. "Tretro" in Sinsheim, der 52 Kilometer langen Rudi-Altig-Nostalgie-Fahrt durch die Weinhügel des Kraichgaus. Kein Rennen, sondern eine von Sonne begleitete herbstzeitlose Velo-Parade auf Oldtimern, von denen keiner nach 1985 das Licht der Radsportwelt erblickt haben durfte.

Und alle  - von Altig, Willi bis Zabel, Erik - die oft ergrauten Meister
von einst, von Straße, Bahn und Gelände erschienen auf ihren alten Rädern, in ihrer alten, bunten Rennkleidung: Wolfshohl, Bugdahl, Clausmeyer, Thaler, die Bölts, Kummer, "Eule" Rutenberg, Dietzen, Lötzsch, Haritz, Link, Van Eijden, Durst, Walter, Wagner, Renner, Ommer, Oleknavicius...

Veteran der Veteranen aber war ein 85jähriger: Paul Maué aus Schopp in der Pfalz, imponierend rüstig noch immer, der Deutsche Amateurmeister des Jahres 1954. 

Internationale Farbe bekam die Tretro,
Italiens legendärer Eroica nachempfundene, aber kleinere Deutschland-Ausgabe, erneut durch Lucien Didier, Luxemburgs Ex-Meister und Hinault-Gefährte, sowie durch Eduard Rapp, den ehemaligen UdSSR- und 1000-Meter-World-Champion, der jetzt in Süddeutschland lebt. 

Die"Farben“ der Rad-Amazonen repräsentierte, allen voran, Deutschlands erfolgreichste Rennfahrerin Hanka Kupfernagel. Weltklasse im Cross, auf Straße und Bahn, war es für die charmante Thüringerin "Ehrensache, beim Idealisten Jockel Faulhaber und seiner Tretro dabei zu sein“.

Herrliche Bilder weckten herrliche Erinnerungen,
aber auch sentimentale: So, als Madame José Gaul, die Witwe von Luxemburgs Legende Charly Gaul und Tochter Fabienne begrüßt wurden; so, als Monique Altig in bewegenden Grußworten an ihren vor einem Jahr verstorbenen Mann, Deutschlands Rad-Idol, erinnerte, und sich freute, “daß Rudi in euren Herzen immer noch lebendig ist und bleibt.“ 

Das "Hauptfeld“ der Tretro stellten rund 130 Velo-Fans, die, aus allen Teilen Deutschlands kommend, auch ihre Kleidung dem Alter ihrer Zweiräder angepasst hatten. Und diesen war der Stolz anzusehen, wieder einmal an eine "andere“ Epoche erinnern zu können.

Wir Gäste staunten über betagte, bestens gepflegte Modelle
der Marke Opel Flitzer und Opel ZR 3 (von 1926 und 1927); über ein Wander gar von 1922, "Spätlesen“ von Dürkopp, Redl, Rabeneck, Bauer und Diamant; über Exponate von Mercier, Peugeot, Gazelle, Moser, Raleigh, Basso, Pinarello, und, und, und...

Den Vogel aber schoss erneut ein französisches Clement-Rad ab, Jahrgang 1893, also 124 Jahre alt, gefahren von seinem stolzer Besitzer Kanta Haguma, einem Japaner, der in Sinsheim lebt.

Ich kann die Rad-Juwelen nicht alle aufführen,
sondern nur sagen: kommt doch selbst einmal nach Sinsheim, Sportsfreunde! Zur nächsten Tretro am 18. Septemer 2018 - zum Teilnehmen oder zum Zuschauen.

Während die Veteranen im gemütlichen Plausch-Tempo unterwegs waren, fast vier Stunden, begleitet von fünf Motorädern, vom Servicewagen Hans Holczers, einem "Voiture Balai“ für Erschöpfte, und mit einer Verpflegungs- und Erholungspause im malerischen Eppingen, gab es am Ziel der Tretro, auf dem Museumsplatz in Sinsheim, für die "Daheimgebliebenen“ jede Menge sportlicher Unterhaltung.

So durch die Hochradfahrer von "um 1900“
vom RV 1888 Opel Rüsselsheim und aus Karlsruhe. Durch einen Derny-Schrittmacher-Altmeister aus Nürnberg, der mit seinem Leichtmotorrad geräuschvoll an die "kleine Schwester“ der schweren Maschinen der Steherrennen erinnerte. Und an ihre glorreiche Vergangenheit, die nur noch bei Sechstagerennen und in alten Radsport-Hochburgen wie Nürnberg und Erfurt gepflegt wird.

Ein Höhepunkt des Tretro-Rahmenprogramms waren die Auftritte des Kunstrad-Weltmeisters von 1996, Jens Schmitt aus Winternheim. Mit seiner Tour-de-France-Darstellung, Humor und Artistik ("Didi, die Tour-Sau“), könnte er sicher auch in Las Vegas begeistern...

Und dann bietet ja noch das einzigartige Technik-Museum
jede Menge Bestaunenswertes, mit seinen gigantischen Flugzeugen und glitzernden Auto-Oldtimern und last but not least mit seiner illustren Radsport-Ausstellung.

Für Radsport-Liebhaber ist sie eigentlich ein Muss, für jeden anderen Sport-Interessierten eine Bereicherung: Radsportgrößen, Idole der Epochen - dargestellt - von A bis Z - in "Jockels Rennradsammlung“. Eine schönere habe ich noch nicht gesehen...

 

 

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