Aktiv gegen Übergewicht und Diabetes

Schwitzen statt sitzen: Sport nicht nur als Zuschauer erleben...

Von Julia Hommrich

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| Foto: benScruton.com

08.06.2018  | 

Wenn am kommenden Donnerstag das erste Spiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 angepfiffen wird, sitzen Millionen Fans vor dem Bildschirm. Aber Deutschlands Bürger sind zwar sportbegeistert, aber eher passiv: Knapp die Hälfte der Erwachsenen bezeichnet sich als Sportmuffel oder Antisportler.

Die Folge: Zwei von drei Männern und jede zweite Frau sind übergewichtig, knapp ein Viertel ist sogar adipös, also schwer übergewichtig. Rund 15 Prozent der Kinder in Deutschland haben Übergewicht, über sechs Prozent sind adipös. Das sind mehr als doppelt so viele wie Anfang der 1990er Jahre.

Adipositas ist zur häufigsten chronischen Erkrankung im Kindes- und Jugendalter geworden und zugleich ein hoher Risikofaktor für die Entstehung eines Diabetes Typ 2. Daran leiden bereits jetzt 6,7 Millionen Menschen in der Bundesrepublik.

Wäre „Sitzen“ eine Sportart, hätte Deutschland auch in dieser Disziplin gute Chancen auf einen Weltmeistertitel. „Im Durchschnitt sitzen wir 7,5 Stunden täglich”, sagt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von "diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe" und niedergelassener Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf:

„Zwei Drittel der Menschen hierzulande bewegen sich im Alltag nicht einmal eine Stunde pro Tag.” Nur jeder fünfte Erwachsene erreiche die WHO-Empfehlung von mindestens 2,5 Stunden körperlicher Aktivität pro Woche.

Dabei beginne der Bewegungsmangel schon im Kindesalter, so Kröger: „Nur etwa jedes vierte Kind beziehungsweise Jugendlicher erreicht die WHO-Empfehlung, sich 60 Minuten am Tag zu bewegen.”

Neben Bewegungsmangel hat auch der Verzehr hochkalorischer Lebensmittel einen hohen Anteil an der Entstehung von Übergewicht und Diabetes Typ 2: Im Zug der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft werben unter anderem Coca-Cola, McDonald's und Ferrero für ihre kalorienreichen Produkte.

„Der Werbe-Etat der verführenden Lebensmittel-Industrie ist während der Fußball-WM besonders hoch”, betont Kröger. Gerade Kinder und Jugendliche konsumieren gerne Lebensmittel, die in Zusammenhang mit der WM und ihren Idolen, den Sportlern, beworben werden.

Verbraucher unterschätzen jedoch, wie viele Kalorien sie und ihre Kinder damit zu sich nehmen, erklärt Jens Kröger: „Ein klassisches Fast-Food-Menü mit 0,3 Liter Coca-Cola plus ein Big Mac enthält 1023 Kalorien. Dafür müsste ein erwachsener Mann - 50 Jahre alt, 180 cm groß, 90 Kilogramm - 13 Mal seinen Grundumsatz aufwenden, um diese Kalorien innerhalb einer Stunde wieder abzuarbeiten."

Das heißt konkret: 27 300 Schritte zurücklegen oder 85 Minuten Fußball spielen. Eine Frau - 50 Jahre alt, 165 cm groß, 65 Kilogramm - müsste 19 Mal ihren Grundumsatz aufwenden: 36 855 Schritte laufen, oder 110 Minuten Fußball spielen.

Welche Programme, Motivations-Anker und politische Maßnahmen aus der „Sitz-Falle“ führen, erläutern Experten auf der Presse-Konferenz „Sportmuffel-Weltmeister Deutschland?!“ am 12. Juni in Berlin. Dort wird auch Agata Mongioví-Bonafé, Sängerin und ehemalige Teilnehmerin der TV-Show „The Biggest Loser“, berichten, wie sie 48 Kilo abnahm, und damit auf Diabetes-Medikamente verzichten konnte.

Die Deutsche Diabetes-Hilfe (diabetesDE)
ist eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die Menschen mit Diabetes, Diabetes-Berater, Ärzte und Forscher vereint. Sie schafft Öffentlichkeit für das Thema, und vertritt die Interessen der Menschen mit Diabetes. Gegründet wurde die Deutsche Diabetes-Hilfe von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD). Die Selbsthilfe ist innerhalb von diabetesDE durch die selbstständige Selbsthilfe-Organisation Deutsche Diabetes-Hilfe - Menschen mit Diabetes (DDH-M) vertreten.

Julia Hommrich ist Pressesprecherin der Deutschen Diabetes-Hilfe.
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