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Ladys Week auf Mallorca

Mallorca. Auf der Küstenstraße durch Alcúdia. Die ersten britischen Touristen tragen kurze Hosen, Sandalen und nicht einmal mehr ein Oberhemd. Es ist recht warm an diesem Tag im späten Frühjahr. Recht warm, aber noch lange nicht so warm, dass die Spanier ihre Pullover und langen Jacken ausziehen würden.

An der Küstenstraße von Alcúdia im Nordosten der Insel überquert ein britisches Paar Mitte dreißig die Straße. Die Sonne lacht. Knapp zwanzig Grad, sanfter Wind aus Meeres-Richtung. Die Rennradgruppe beginnt zu grinsen, je näher sie an das Pärchen heranrollt. Genauso wie die spärlich bekleideten britischen Touristen gehören Rennradgruppen an solch einem Tag zum Straßenbild von Alcúdia. Die Radler sind im Frühjahr nichts Ungewöhnliches, zu Tausenden tummeln sie sich während der sonnigen Frühjahrswochen auf den Straßen Mallorcas. Manchmal wirken sie in der grünenden Landschaft der Insel in ihren bunten Trikots Mal wie ein deplatzierter Farbklecks in einem Gemälde.

Das britische Pärchen gleicht einem dicken Pastelltupfer. Fröhlich schreitet es über die Küstenstraße Alcúdias. Leichter Sonnenbrand hat sich bereits rund um die Nase ausgebreitet, die freie Haut der Oberkörper ist ordentlich gerötet. Ein erstes Indiz auf den Sommer, wenn sich die krebsroten Gäste an den Stränden der Balearen häufen und die Luft von einem Duft bestimmt wird, der an eine Mischung zwischen Fish & Chips und Currywurst erinnert.

Die Frauen auf den Rennrädern tragen ein Lächeln auf den Lippen, das Häme verrät. Genau so einen Urlaub, wie ihn das britische Paar verlebt, wollten sie vermeiden. Dann blicken sie doch lieber mit ironischem Genuss zu dem Pärchen hinüber, das überdeutlich zur Spezies der Pauschaltouristen gehört. Heitere Späße, auch so etwas gehört bei den „Ladys Weeks“ dazu, die der kleine Radsportreiseveranstalter Mallorca Sportiv in diesem Frühjahr ausgeschrieben hat. Lustige Unterhaltungen, feine Ironie und manche Spitze sind Teil der Kommunikation. Und just diese kommunikativen Elemente sind ein wichtiges Merkmal dieser Reise, die der Sportreise-Veranstalter aus dem Westerwald für Frauen und nur für Frauen anbietet. „Wir wollten einen neuen Weg gehen“, sagt Klaus Botsch, der Geschäftsführer von Mallorca Sportiv. Vor gut zwei Jahren hatte er die Idee, sein Sportreise-Programm zu erweitern und ein Angebot für sportive Damen zu integrieren. „Wir wollten uns für Frauen öffnen“, sagt Botsch, der erstmalig im vergangenen Jahr seine erste „Ladys Week“ ins Programm aufnahm.

Das Konzept der „Ladys Weeks“ sieht vor, dass Frauen im Rahmen einer Rennradreise geführte Touren in Gruppen unternehmen, die ausschließlich aus weiblichen Teilnehmern bestehen. „Dazu kommt ein Rahmenprogramm, das von der Technikschulung über Trainingslehre bis hin zu einem speziellen mallorquinischen Abend weitere Abwechslungen bietet“, sagt Botsch.

25 Frauen sind an diesem Tag unter der mallorquinischen Frühjahrssonne unterwegs. In drei Gruppen fahren die Mädels zwischen 25 und 50 Jahren über die Insel. In Gruppen, die sich nach Leistungsstärke unterscheiden und von verschiedenen Tourenguides geführt werden. „Mir ist vor allem wichtig, dass die Gruppen eine gewisse Größe nicht überschreiten“, sagt Botsch, der immer wieder aufs Neue erschrocken ist, wenn Gruppen mit bis zu 30 Personen an ihm vorbeifahren. Als Tourenguide steuert er mit der Hobbygruppe und an diesem Vormittag einen Abstecher auf den schönen Marktplatz von Pollença unternimmt. Gemütlich sitzt er mit seinen „Ladys“ im Sonnenlicht und betrachtet das bunte Treiben auf dem belebten Platz in der Altstadt. „Heute fahren wir 65 Kilometer“, sagt Botsch über seinen Caffé con Leche hinweg in die Runde. Seine Begleiterinnen nicken zustimmend. „Kein Problem“, bedeuten ihre Gesten.

Probleme sind ohnehin selten in den Reisegruppen, die sich für die diesjährigen „Ladys Weeks“ angemeldet haben. „Es geht unter Frauen einfach wesentlich lockerer zu“, sagt Brigitta Neuhaus. Die PR-Managerin aus Traunstein genieße es ohne den Druck unterwegs zu sein, der viele männlich dominierte Radgruppen häufig bestimmen würde. Den anderen Frauen geht es ähnlich.„Ich bin hierher gekommen, um einen Wellness-Aspekt zu haben“, erklärt Claudia aus Frankfurt, „und wenn ich mit Männern eine Radtour mache, habe ich den nur sehr selten“. Dann sei häufig der Stress Begleiter bei den Radtouren.

Ohne großen Druck radeln die Frauen in einer „Ladys Week“ mehr als 400 Kilometer über die blühende Insel. Die Tourguides führen sie vorbei an tausenden Schafen, blühendem Mohn und saftigen Wiesen durch die bezaubernde Landschaft Mallorcas, die im Frühjahr so ruhig und sorglos daliegt. Mühelos meistern die Frauen die vielen kleinen Anstiege, die täglich vor ihnen liegen. Selbst diejenigen, die zuhause kaum Rad fahren oder nicht einmal ein Rennrad besitzen, klettern die kleinen und größeren Berge der Insel hinauf. „Es herrscht einfach eine lockere Atmosphäre in der Gruppe“, erklärt Klaudia Reiseck, warum es sich so leicht dahin pedalliert in den Gruppen der „Ladys Weeks“. Wie viele ihrer Mitstreiterinnen versprüht die Bayerin mit ihrer witzigen Art eine permanente Fröhlichkeit, die typisch ist für die radelnden Frauengruppen. Zur Not helfen sich die Damen eben auch mit einer üppigen Portion Galgenhumor über die letzten Anstiege hinweg.

Bisweilen wächst sich der Humor im Peloton der Damen auch zu ironischen Giftpfeilen aus, die an diesem Tag das britische Pärchen treffen. „Schaut’s einmal herüber“, murmelt eine der Frauen belustigt in die Runde, worauf alle in der Gruppe die Köpfe drehen und beinahe ins Straucheln kommen. „Aha“, sagt sie grinsend, „ Kapitän Rothaut trägt seinen Bauch zum Strand“.
(vb)

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