Profi-Radsport

Toskana - Romantik-Tour durch den Garten Italiens

Zypressen und Zikaden, roter Mohn und knallgelbe Sonnenblumen, Pinien und Olivenbäume, feine Weine und Pasta. Bergdörfer dämmern im Schleier der Jahrhunderte. Mildes Licht streichelt einsame Weingüter. Die Toskana verzaubert mit sanften, malerischen Landschaften und kulinarischen Genüssen. Doch Italiens Reich der Sinne hat noch mehr zu bieten: Kultur und Erholung. Einzigartige Kunststädte und goldfarbene Sandstrände ziehen jedes Jahr Zehntausende von Touristen aus aller Welt magisch an. Ideale Voraussetzungen für eine Kultur- und Romantik-Tour durch den Garten Italiens.

Die Toskana, die historisch gewachsene Region Mittelitaliens, ist in zehn Provinzen eingeteilt. Etwa 3,5 Millionen Einwohner verteilen sich auf knapp 23.000 Quadratkilometer. Die Region umfasst Teile des Apennin, das Toskanische Berg- und Hügelland, die Küstenniederungen der Maremmen und die Toskanischen Inseln (unter anderem Elba). An der Küste des Tyrrhenischen Meeres liegen die viel besuchten Seebäder Viareggio, Forte dei Marmi und Marina di Massa. Die feinen Sandstrände sind 100 bis 200 Meter breit und fallen sanft ins Meer ab. Gleich hinter dem „Sand-Band“ finden sich hübsche Schlender-Promenaden, Vergnügungslokale und Sportanlagen, Villen und Pensionen, die von duftenden Pinienhainen umgeben sind. Im Landesinneren liegen viele einzigartige Kunststädte, entweder auf Hügeln und Bergkuppen, wie Siena, Volterra, San Gimignano und Arezzo, oder in fruchtbaren Becken, wie Florenz, Pistoia, Lucca und Pisa.

Kunst und Kultur im Überfluss

Die historisch und kunstgeschichtlich bedeutenden Städte sind meist etruskischen Ursprungs, so zum Beispiel Florenz am Arno. Wie ein riesiger roter Ballon schwebt die fast 600 Jahre alte Domkuppel über der toskanischen Hauptstadt. Domplatz, der Palazzo Pitti mit seinen sieben Museen, feinstes Juwelierhandwerk auf der Ponte Vecchio, die weltberühmte Gemäldegalerie Uffizien – keine andere Stadt ist so reich an Kunstschätzen. Eine Reise wert sind auch das geschäftige Lucca, die Geschlechtertürme von San Gimignano, das malerische Volterra oder Pisa mit seinem berühmten schiefen Companile, dessen 294 Stufen allerdings längst nicht mehr erklommen werden dürfen. Siena ist hingegen für viele die schönste Stadt im ganzen Land: Türme und Zinnen, rostrote Backsteinhäuser, hohe Palazzi in engen Treppengassen, der schwarzweiß gestreifte Dom. Größtes Ereignis: der alljährlich am 2. Juli und 16. August stattfindende „Palio“, ein Pferderennen mit prunkvollem Umzug in historischen Kostümen und viel Musik. Rund um die Stadt goldene Weinberge. Im Süden gedeiht auf roter Erde der berühmteste Tropfen der Gegend, der Brunello di Montalcino. Im Norden wird der rubinrote Chianti Classico angebaut.

Hier im Norden liegt auch Panicaglia, der Standort und Ausgangspunkt unserer Touren durch die bezaubernde Landschaft der Toskana. Wir bewegen uns auf sanften Hügeln, die von Zypressenreihen, Weinhängen und Olivenhainen gesäumt sind.

Die Hauptstraßen weisen ein gutes Profil auf, nur die Fahrbahnoberfläche der Nebenstraßen ist nicht immer optimal. Deshalb empfiehlt es sich, eine Reifenbreite von mindestens 23 Millimetern zu wählen.

Unsere sechs Touren durch die Toskana sind zwischen 90 und 120 Kilometer lang. Auf einer Gesamtlänge von 674 Kilometern sind insgesamt 11.275 Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen.

Durch das Mugello, Casentino und Chianti

Wir starten in Panicaglia und fahren ins Mugello, einer ursprünglichen, waldreichen Zone der Toskana, dem so genannten „Vorgarten von Florenz“. Der Mugello ist das Land der einfachen Leute, der Wald- und Bergarbeiter, der Handwerker und Bauern, die diese unbequeme Region seit Jahrhunderten bewohnen und bearbeiten. Vorbei an alten verfallenen Gehöften und kleinen verwinkelten Dörfern durchqueren wir das Sieve-Tal und kommen nach Borgo San Lorenzo, dem Hauptzentrum des Mugello. Von der 1351 errichteten Stadtmauer stehen heute nur noch zwei Portale. Im Zentrum lohnt sich die Besichtigung der romanischen Kirche San Lorenzo mit dem sechseckigen Glockenturm. Über Pratovecchio und Chiusi della Verna geht es auf traumhaften Straßen in südöstlicher Richtung weiter durch die Mugello-Hügel hinein ins Casentino mit seinen vielen kleinen schmucken Städtchen. Das erste Etappenziel ist Caprese Michelangelo, der Geburtsort des weltberühmten Malers. Oberhalb des Ortes befindet sich ein Schloss aus dem 14. Jahrhundert, das heute ein kleines Museum mit den Werken Michelangelos beherbergt. Gegenüber das casa del podestà („Haus des Bürgermeisters“), welches auch das Geburtshaus von Michelangelo ist. Auf der etwa 118 Kilometer langen Etappe werden circa 2200 Höhenmeter zurückgelegt. Am nächsten Tag, auf der zweiten Etappe verlassen wir von Caprese Michelangelo aus für einen kurzen Abschnitt die Toskana und fahren auf herrlichen, einsamen Passstraßen, an den Ortschaften Anghiari, San Secondo und Cortona vorbei, durch die Region Umbrien. Am Tagesziel, in der von Mauern umgebenen Ortschaft Montepulciano, hat uns dann die Toskana wieder. Auf dieser 121 Kilometer langen Strecke sind etwa 1900 Höhenmeter zu absolvieren.

Auf dem Weg von Montepulciano, über Radiconfani und Abbadia San Salvatore nach Pitigliano, dem südlichsten Punkt unserer Tour, streifen wir den höchsten Berg der Toskana, den erloschenen Vulkan Monte Amiata. Seine eher karge Umgebung strahlt eine intensive, unverwechselbare, beinahe unwirkliche Schönheit aus. Insgesamt werden wir auf dieser 118 Kilometer langen Etappe 2100 Höhenmeter hinter uns lassen.

Von Pitigliano aus führt uns die nächste Tour durch eine sehr reizvolle Landschaft – an Roccalbegna und Cinigiano vorbei – nach Montalcino. Der wunderschöne Ort mit seinen malerischen Gässchen und urgemütlichen Weinstuben ist bekannt für den teuersten Rotwein der Region, den Brunello di Montalcino. Am Ende dieser anspruchsvollen, 114 Kilometer langen Tour haben wir etwa 2100 Höhenmeter hinter uns gebracht.

Bevor wir zum Ausgangspunkt unserer Tour zurückkehren, durchqueren wir am folgenden Tag von Montalcino aus ein weiteres, weltberühmtes Weinanbaugebiet, das Chianti. Über Trequanta, Rapolano und Castelnuovo nach Radda in Chianti empfiehlt es sich, Oberlenker zu fahren und es ruhiger angehen zu lassen, denn in dieser Bilderbuchlandschaft gibt es viel zu sehen. Mit Weingärten und Olivenbäumen überzogene Hügel säumen unseren Weg, viele von ihnen gekrönt von Châlets, Schlössern und Burgen. Eine traumhafte, 93 Kilometer lange Strecke mit 1175 zu passierenden Höhenmetern.

Tags darauf geht es dann von Radda in Chianti über Greve in Chianti, Incisa und Sieci wieder zurück. Nach 110 Kilometern bei 1080 Höhenmeter erreichen wir Panicaglia, den Ausgangspunkt unserer kleinen Toskana-Rundfahrt.

Organisierte Rennrad-Touren

Die Toskana-Tour kann alleine, zu zweit, am besten jedoch organisiert in der Gruppe erradelt werden. Die Etappen sind so geplant, dass sie in etwa dasselbe Niveau aufweisen. Auch wenn diese Rundfahrt nicht so anspruchsvoll ist wie etwa eine Alpentour, so ist die Hügellandschaft der Toskana sportlich keineswegs zu unterschätzen. Es gibt nur wenige flache Rollstrecken im Verlauf der sechs Etappen. Die Anstiege sind entweder lang und gleichmäßig oder kurz und steil; sie sollten mit kleinster Übersetzung von mindestens 39/23 gefahren werden. Als kleine „Entschädigung“ bringen die Anstiege kurvenreiche Abfahrten mit sich, die für puren Fahrspaß sorgen.

Die Erlebnistouren werden im allgemeinen Mitte Oktober angeboten, denn der Oktober ist die ideale Zeit, um in dieser Region aufs Rennrad zu steigen. Wenn es nördlich der Alpen allmählich ungemütlich wird, herrschen hier nahezu optimale Bedingungen bei trockenen, warmen, aber nicht mehr heißen Temperaturen.

Verschiedene Veranstalter organisieren attraktive Wochen-Tourenprogramme mit Vollservice (Touren-Guide, Mechaniker, Begleitfahrzeug mit Verpflegung, Werkzeug, Zusatzausrüstung, Ersatzmaterial, Streckenkarten, GPS-Navigationssysteme, Shuttle-Service, After-Tour-Lunch). Die Unterkunft erfolgt in sportgerecht ausgestatteten Hotels mit Halbpension. Das Gesamtpaket für eine Wochentour kostet je nach Veranstalter zwischen 1075 und 1225 Euro. Das Begleitteam kann allerdings nur einen individuellen Service bieten, wenn die Gruppengröße auf 14 Teilnehmer beschränkt ist. Deshalb sollte man frühzeitig buchen, in der Regel sechs Wochen vor Beginn der Reise.
(rh)