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Es gibt leichtere Routen, um vom Mittelmeer an die baskische Atlantikküste zu gelangen, doch schöner und abwechslungsreicher ist eine Fahrt quer durch die Pyrenäen - auf den Spuren der Tour de France.
Als die Pyrenäen im Jahre 1910 während der Tour zum ersten Mal befahren wurden, galten die Passriesen noch als unmenschlich, mörderisch und kaum bezwingbar. Ein Abenteuer war es allemal: Die Wege durch die Gebirgszüge waren noch nicht ausgebaut und es kam durchaus mal vor, dass auch Bären die Route der Fahrer kreuzten.
Heute sind die Pyrenäen touristisch erschlossen wie die Alpen, ohne jedoch viel von ihrem wilden Reiz eingebüßt zu haben. Der Zustand der Passstraßen hat sich erheblich verbessert und natürlich auch das Radmaterial, was aber nichts daran ändert, dass viele Berge hier den Radrennfahrer stärker fordern als in den Alpen. Die Wegstrecken sind zwar nicht so lang, doch dafür in Auf- und Abfahrt oft steiler und schmaler.
Um viele der Pässe, die von der Tour de France befahren wurden, ranken sich dramatische Geschichten, die zum Mythos der Tour maßgeblich beitrugen. Doch abgesehen von der Tour-Historie ist es für jeden Radsportler ein großes Erlebnis, diese noch sehr ursprüngliche und im Vergleich zu den Alpen äußerst kontrastreiche Landschaft mit ihren erhabenen Höhen und den vielen saftig grünen Tälern hautnah zu erkunden.
Die Pyrenäen - Kontrastreiche Landschaft mit majestätischen Höhen
Die Pyrenäen erstrecken sich auf 435 Kilometer von der Biscaya im Atlantischen Ozean bis zum Golfe du Lion im Mittelmeer. Entlang des Gebirges verläuft die Grenze zwischen Spanien und Frankreich, im Osten liegt Andorra. Charakteristisch für das junge Faltengebirge ist ihre geschlossene Erhebung mit einheitlichem Kamm und hohen Pässen. Von den hohen Zentralpyrenäen (Maladeta im Pico de Aneto, 3404 m) setzen sich die niedrigeren und besser passierbaren West- und Ostpyrenäen durch zwei Einschnitte ab: im Westen Somport (1632 m), im Osten Col de Puymorens (1915 m). Die Hauptdurchgänge liegen an den niedrigen Enden des Gebirgszuges, im Westen bei Hendaye/Irún, im Osten bei Cerbère/Portbou sowie im Col du Perthus (271 m).
Das immerfeuchte Klima der Pyrenäen geht am Südfuß des Gebirges in das sommertrockene Mittelmeerklima über. Oberhalb der Waldgrenze (2400 bis 2500 m) gedeihen Zwergsträucher und alpine Matten. Die Schneegrenze steigt vom Westen (2700 m) zum Zentralkamm (3100 m) an und sinkt im Osten nur gering ab.
Von Perpignan nach St. Jean de Luz ...
Um diese wilde und raue Landschaft in ihrer Vielfältigkeit genießen zu können, bietet sich eine besonders schöne Durchquerung der Pyrenäen mit der Route von Perpignan (Mittelmeer) nach St. Jean de Luz (Atlantik) an.
Wir starten in Amélie-les-Bains, einem alten Kurbad aus der Römerzeit, und fahren ins etwa 70 Kilometer entfernte Perpignan. Die herrliche Prologstrecke dient zum Warmfahren für das stramme Programm der nächsten Tage. In Perpignan angekommen, nutzen wir die Zeit für einen kleinen Bummel durch die ehemalige Hauptstadt der Grafen des Roussillon und der Könige von Mallorca. Es ist eine sehr lebendige Handelsstadt, die ihre beachtliche Größe der Ausfuhr von Obst, Frühgemüse und Wein zu verdanken hat. Sehenswert hier sind der Palais des Rois de Majorque, die kontinentale Residenz des Hauses von Mallorca (1276-1344), der mit Palmen und Magnolien bepflanzte Place Arago, der Palais de la Deputation, ein "Abgeordnetenpalast“ aus dem 15. Jahrhundert, die Cathedrale St-Jean (1324-1509), der Place de la Victoire mit dem Castillet-Torbau sowie das katalanische Volkskundemuseum Casa Pairal.
... der Tour de France auf der Spur
Sechs anspruchsvolle, atemberaubend schöne Etappen über 634 Kilometer mit gut 20.000 Höhenmetern im Aufstieg liegen nun vor uns, bevor wir im baskischen St. Jean de Luz, einem kleinen Fischereihafen südlich von Biarritz, ein erfrischendes Bad im Atlantik nehmen können. Auf dem Weg dorthin erfahren wir all die großen Pyrenäen-Pässe der Tourgeschichte: Tourmalet, Aubisque, Aspin, Peyresourde und Soulor. Sie werden jedes Jahr von der Tour überquert, und da alle Pässe wie auf einer Perlenschnur aufgereiht liegen, kann man sie in einem Zug quer durch die Pyrenäen befahren. Reizvoll sind freilich auch die kleinen Pässe, welche die Cols miteinander verbinden. Sie sind verkehrsarm und haben ein optimales Profil. Die meisten Pyrenäenberge bieten zudem ein traumhaft schönes Panorama, da meist schon ab mittleren Höhen kaum mehr Wald den Blick versperrt.
Etappe 1: Von Perpignan nach Ax les Thermes
Die erste Etappe auf unserer ganz persönlichen Tour de France führt uns auf schmalen, einsamen Straßen von der Mittelmeerregion hinauf in die Pyrenäen. Von Perpignan über Prades geht es empor zum relativ unbekannten Col de Jau (1506 m), wobei gleich 1200 Höhenmetern zu bewältigen sind. Der zunächst wildromantische Charakter des Passes wird im oberen Abschnitt zunehmend kehren- und waldreicher mit immer weniger Aussicht. Schöner und spektakulärer wird die Strecke dann, wenn es den Col de Pailheres (2001 m) hinaufgeht. Engste Serpentinen wechseln sich ab mit weiten Kehren in einer baumlosen Berglandschaft. Der Pass wurde 2003 zum ersten Mal von der Tour befahren. Wenn wir in Ax les Thermes ankommen, haben wir 153 Kilometer und 3650 Höhenmeter zurückgelegt.
Etappe 2: Von Ax les Thermes nach Cabannes
Eine kurvenreiche Straße führt durch den Wald von Ax-les-Therme nach Bonascre (1375 m), einem Skiort auf einem Plateau hoch über dem Tal der Ariege. Erst in Bonascre selbst tritt der Wald zurück und es öffnet sich ein Rundblick, den wir aber aufgrund der vielen hochstehenden Hotel-Anlagen nicht recht genießen können. Die Bergankünfte der Tour 2001und 2003 motivieren trotzdem zur Auffahrt, zumal man die ununterbrochen auf die Strasse gepinselten Namen der großen Tour-Helden vor Augen hat.
Auch das Plateau de Beille (1780 m) war schon mehrmals Bergankunft bei der Tour de France und die Auffahrt über 16 Kilometer und 1245 Höhenmeter ist lohnenswert. Schon bald verlassen wir den Wald und haben bei etwa 1400 Metern Höhe ein herrliches Panorama. Oben auf dem Plateau befindet sich nur ein großer Parkplatz und eine kleine Langlaufstation. Wenn wir Cabannes erreichen, haben wir 121 Kilometer und 2750 Höhenmeter hinter uns gebracht.
(rh)
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