Profi-Radsport

Von Cabannes nach St. Jean de Luz

Durch die Pyrenäen vom Mittelmeer zum Atlantik Teil II

Etappe 3: Von Cabannes nach Aulus les-Bains

Wir starten von Cabannes aus und fahren durch kleine Örtchen bis nach Tarascon. Von hier aus geht es mit 8 bis 10 Prozent Steigung hinauf zum Col de Port (1249 m), einem klassischen Pyrenäenpass. Die Strecke bietet zunächst nur wenig Ausblicke. Erst auf den letzten 200 Höhenmetern haben wir eine grandiose Sicht und schöne Kehren. Wir fahren vom Col de Port ab und nehmen beim Col de Caougnous (947 m) den kurzen aber heftigen Anstieg (425 hm auf 3,6 km) zum Col de Péguère (1375 m) in Angriff. Für die Anstrengung werden wir mit einem atemberaubenden Panorama belohnt.

Vom Péguère zum Col du Portel (1465 m) erradeln wir nunmehr eine etwa drei Kilometer lange Straße auf einem Bergrücken mit beidseitiger Aussicht. Vom Portel fahren wir nach Biert ab und befinden uns wieder auf der Straße des Col de Port. Von Massad geht es bei meist 8 bis 10 Prozent Steigung hinauf zum Col de Agnes (1580 m), ein wenig bekannter, aber schöner Pyrenäenpass: abwechslungsreich mit wenig Verkehr und toller Aussicht. Nach insgesamt 135 Kilometern und 3450 Höhenmetern haben wir unser Etappenziel Aulus les-Bains erreicht.

Etappe 4: Von Aulus les-Bains nach Luchon

Von Aulus les-Bains aus erklimmen wir den Col de Latrape (1120 m), einen kleinen moderaten Pass, auf dessen Südseite der Weg nach Guzet-Neige abzweigt. Auch die Skistation Guzet-Neige (1620 m) war früher des Öfteren Bergankunft bei der Tour. Ein kurzer Abstecher zur Station (520 hm bei 10 % Steigung) wird mit einem herrlichen Rundblick belohnt. Über Seix geht es hinauf zum Col de la Core (1395 m), einem Passanstieg, der nur selten von der Tour befahren wird; erst im Jahre 2003 wurde er wieder überquert. Auf 15 Kilometern überwinden wir knapp 900 Höhenmeter. Dabei zieht die Straße ziemlich gleichmäßig mit 6 bis 8 Prozent aufwärts, in der oberen Hälfte immer an einem Bergrücken entlang. Von weitem schon sehen wir die Passhöhe.

Wir durchqueren Castillon-en-Couserans und Audressein und fahren hinauf zum Col du Portet d' Aspet (1069 m). Auf der Strecke passieren wir einen Gedenkstein, welcher an den italienischen Rennfahrer Fabio Casatelli erinnert, der bei der Abfahrt der Tour 1995 tödlich verunglückte. Bei der Auffahrt durchqueren wir immer wieder kleine hübsche Pyrenäendörfer mit schmucken Kirchtürmen. Rund 1200 Höhenmeter auf etwa 18 Kilometer brauchen wir bis zum Superbagneres de Luchon (1800 m), eine Bergankunft, die schon mehrmals von der Tour befahren wurde. Es ist ein Anstieg mit vielen Kehren, der weite Rundblicke erlaubt. Ein Blickfang ist das schon von weitem sichtbare "Grand Hotel Superbagneres". In Luchon angekommen, haben wir 147 Kilometer und 4100 Höhenmeter bewältigt.

Etappe 5: Von Luchon nach Luz-Saint-Sauveur

Mit dem Col de Peyresourde (1569 m), einem klassischen Tour-Berg, beginnt der schönste Teil der Pyrenäenroute. Von Luchon aus führt die Strecke kurven- und kehrenreich höher. Ab Garin flankieren nur noch vereinzelte Bäume die Straße und wir haben freie Sicht auf die Wiesenmatten der umliegenden Berge mit ihren kleinen Dörfern. Der Gipfelhang wird in drei Traversen genommen. Auf der Passhöhe erkennen wir in Richtung Westen bereits den Anstieg zum nächsten Pass, den Col de Val Louron-Azet (1580 m). Auf diesen Pass steigt die schmale Straße mit durchschnittlich 10 Prozent etwas steiler an. Oben angekommen, lässt sich wiederum weiter westlich der rampenartige Anstieg zum Pla d' Adet Soulan (1680 m) erkennen. Die Passhöhe erlaubt einen imposanten Rundblick auf die Gipfel der Pyrenäen. Von Arreau aus sehen wir schon weit oben den Col d’Aspin (1489 m), zu dem sich eine kurvenreiche Straße hinaufwindet.

Von St.-Marie-de-Campan geht es dann weiter zum höchsten und legendärsten Pyrenäenpass, dem Col du Tourmalet (2115 m). 1910 wurde er zum ersten Mal bei der Tour ins Programm aufgenommen. Die Strecke verläuft zunächst monoton geradlinig nach oben und führt an einigen kleinen Ansiedlungen vorbei. Ab Artigues öffnet sich die Straße dann und windet sich mit etwa 10 Prozent Steigung bis La Mongie hinauf. Danach geht es über baumlose Almmatten in weiten Kehren zum Gipfel hinauf. Die ersten Kilometer der Abfahrt sind atemberaubend in einen steilen Wiesen- und Geröllhang gelegt. Wir erreichen Luz-Saint-Sauveur und haben dabei das Pensum von 142 Kilometern und 3950 Höhenmetern geschafft.

Etappe 6: Von Luz-Saint-Sauveur nach St. Jean de Luz

Wir starten in Luz-Saint-Sauveur und fahren über Argeles Gazost nach Arrens Marsous. Von hier aus geht es hinauf zum Col de Soulor (1475 m). Danach kommt ein spannender Übergang zum Aubisquepass (1709 m). Die enge Straße führt ohne größere Randbegrenzungen mitten durch einen steilen Hang, um uns herum eine Hochgebirgslandschaft. Auf der Abfahrt passieren wir Lauruns und steigen empor zum Col de Marie-Blanque (1035 m), einem reizvollen kleinen Pass, der in die West-Pyrenäen führt. Der untere Abschnitt ist dreigeteilt und ein wenig steiler. Vom baumfreien Zwischenplateau aus blicken wir auf das Tal der Gave d'Ossau, bevor uns der letzte mittelsteile Teil der Stecke in den Wald zur Passhöhe führt. Vorsicht ist im ersten Teilstück der Abfahrt geboten, die 15 Prozent Gefälle aufweist.

Von Arette aus klettern wir hinauf zum Col de Soudet (1540 m). Wir passieren mehrere Rampen mit bis zu 15 Prozent Steigung, die aber immer durch flachere Abschnitte unterbrochen sind. Je höher wir kommen, um so beeindruckender die Aussicht, die kaum durch Vegetation behindert wird. Der Tour-Tross 2003 fuhr vom Soudet gleich Richtung St. Engrave ab. Zu empfehlen ist jedoch ein kleiner Abstecher zum Col de la Pierre Saint Martin (1735 m). Hier erwartet uns eine karstige Landschaft mit herrlichem Fernblick.

Nach einem kleinen Zwischenanstieg (277 hm mit bis zu 12 % Steigung) von Laugibar zum Cote de Larrau (630 m) geht es in reizvoller Umgebung weiter zum Col de Bagarguy (1327 m), dem härtesten Pyrenäenpass auf unserer Route. Die Straße steigt stetig mit 16 Prozent an und wird nur kurzzeitig von flacheren Abschnitten unterbrochen. Die Streckenführung im Wiesenhang und die Aussicht aber sind grandios und jede Mühe wert. Von Carrefour aus geht es weiter hinauf zum Col de Burdincurutcheta (1135 m), dem letzten Pass auf der Pyrenäendurchquerung. Das Hochgebirge weist nur wenig Vegetation auf, so dass uns ein atemberaubendes Panorama auf die umgebende Berge bis zur Talabfahrt begleitet, ein traumhafter Abschluss der Pyrenäenberge. Wenn wir unseren Zielort St. Jean de Luz an der Atlantikküste erreichen, haben wir 136 Kilometer und 2150 Höhenmeter zurückgelegt.
(rh)

Routenbeschreibung nach alpenrennradtouren.de von Gerd Balser