Profi-Radsport

Großereignis mit Startschwierigkeiten

Die Vuelta

Einige Jahre später als die Vorbilder in Italien und Frankreich startete in Spanien das Vorhaben, eine große nationale Rundfahrt ins Leben zu rufen. 1935 ist es dann endlich so weit. Wieder sind es die Medien, die das Rennen ermöglichen. Auch in Spanien ist es eine Tagesszeitung, die die Veranstaltung durchführt. Die erste Rundfahrt führte über 14 Etappen, von denen immerhin mehr als zehn länger als 250 Kilometer waren. Noch gehörte die Spanienrundfahrt nicht zu den Toppereignissen im Rennsportkalender und so nahmen vor allem einheimische Sportler am Rennen teil. Ausgerechnet ein Belgier aber war es, der die erste Vuelta für sich entscheiden konnte. Gustave Deloor konnte im Jahr darauf seinen Erfolg wiederholen. Einer der ersten spanischen Radsportstars – Julián Berrendero - konnte in diesem Rennen das erste Mal auf sich aufmerksam machen. In der Biographie dieses Rennfahrers spiegelt sich die tragische Geschichte seines Heimatlandes in den folgenden Jahren wider. 1937 war der Bürgerkrieg ausgebrochen, der das Land verwüstete und die Gesellschaft gespaltete. An Radrennen mochte zu dieser Zeit erst einmal niemand denken. Berrendero wurde während des Bürgerkriegs eingezogen, gefangen genommen und verbrachte mehrere Monate in unterschiedlichen Konzentrationslagern. Dass er jemals wieder ein Rennrad besteigen würde, hätte sich der junge Mann in jener Zeit sicher nicht vorstellen können. Doch als die Spanienrundfahrt 1941 wieder ausgetragen wurde, war auch er wieder dabei. Und mehr als das: Er gewann das Rennen und wiederholte im Jahr darauf seinen Erflog noch einmal.

Nach weiteren zwei Jahren Pause fand die nächste Vuelta im Jahr 1945 statt. Sie stand ganz im Zeichen des wohl besten spanischen Sprinters aller Zeiten, Delio Rodriguez, der am Ende in der Gesamtwertung ganz oben stand. Bei seinen fünf Teilnahmen an der Rundfahrt gelangen ihm sagenhafte 39 Etappensiege. Doch die Erfolge des spanischen Sprinters konnten die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten im Spanien der Nachkriegszeit nicht überdecken. Wegen der anhaltend schwierigen sozialen Lage sowie der politischen Isolierung des Franco-Regimes konnte die Vuelta zwischen 1948 und 1954 nur ein einziges Mal ausgetragen werden. Erst danach beginnt die eigentliche Erfolgsgeschichte der Rundfahrt. Immer mehr Radsportstars aus ganz Europa machten sich auf den Weg auf die iberische Halbinsel, um die inzwischen dreiwöchige Rundfahrt zu bestreiten. So hießen die Sieger der Jahre 1962 bis 1965 Rudi Altig, Jacques Anquetil, Raymond Poulidor und Rolf Wolfshohl. Obwohl sich auch Bernard Hinault und Eddy Mercks in die Siegerliste eintrugen, haftete der Spanienrundfahrt lange der Makel der Unprofessionalität an. Die Straßenbeläge waren vielen Profis zu schlecht oder zu schmutzig, gefährliche Unfälle in zumeist unbeleuchteten Tunneln brachten die Vuelta ein Zeit lang derart in Verruf, dass die Sportchefs der großen Fahrer die Rundfahrt oftmals aus deren Kalender strichen. Erst als mit Pedro Delgado und Miguel Indurain Spaniens große Sporthelden über die Landstraßen fuhren, erwachte die Vuelta zu neuer Blüte. Die schwierigen Bergankünfte bei oftmals mörderischen klimatischen Bedingungen im Spätsommer haben dafür gesorgt, dass die Vuelta dem Giro d’Italia den Rang als Nummer zwei unter den großen Rundfahrten zeitweise abgelaufen hat.

In den letzten Jahren wurde die Spanien Rundfahrt immer mehr zur Angelegenheit der einheimischen Fahrer. So ging der Gesamtsieg von 1998 bis 2004 ausschließlich an spanische Radprofis. Einzig Jan Ullrich, der die Vuelta im Jahr 1999 für sich entscheiden konnte, durchbrach die spanische Dominanz. Vor allem Roberto Heras, der seine Heimatrundfahrt in den letzten Jahren drei Mal gewinnen konnte, sorgte für Furore. Auch die 2005er Auflage wäre an Heras gegangen, wenn er nicht des Dopings überführt worden wäre. So wurde der Russe Denis Menchov zum Gesamtsieger ernannt und der spanischen Übermacht vorerst ein Ende gesetzt.

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