Niederländerin gewinnt Belgien-Rundfahrt

Van Vleuten stürmt an Muur und Bosberg allen davon

Von Felix Mattis aus Geraardsbergen


Annemiek Van Vleuten (Niederlande) hat zum zweiten Mal nach 2014 die Lotto Belgium Tour gewonnen. | Foto: Cor Vos

09.09.2016  |  (rsn) - Ihr Comeback-Sieg im Prolog der Lotto Belgium Tour war bereits beeindruckend. Doch Annemiek Van Vleuten (Nationalteam Niederlande) hat auf der schweren Schlussetappe der viertägigen Rundfahrt in Geraardsbergen über zahlreiche Hellinge der Flandern-Rundfahrt noch einmal einen draufgesetzt. Die 33-Jährige erreichte das Tagesziel nach 97 Kilometern 1:04 Minuten vor einer rund 25-köpfigen Verfolgergruppe, die von der Italienerin Marta Bastianelli (Alé Cipollini) ins Ziel geführt wurde. Dritte wurde die Belgische Meisterin Kaat Hannes (Lensworld-Zannata).

"Ich bin wieder überrascht, denn ich habe mich in den letzten beiden Tagen nicht ideal gefühlt. Aber es waren auch nicht meine Etappen, flach und für Sprinter", sagte Van Vleuten, die nach ihrem schweren Sturz bei den Olympischen Spielen in Rio hier in Belgien ihr Comeback gab und mit dem zweiten Tagessieg nach dem Prolog nun auch den Gesamtsieg feiern durfte. "Mein Nationaltrainer hat gesagt, ich solle mich zurückhalten und mir alles für den letzten Tag aufheben, um dort in den Anstiegen Vollgas zu geben. Das habe ich gemacht."

Van Vleuten hatte 16 Kilometer vor Schluss bei der zweiten und letzten Passage der berüchtigten Mauer von Geraardsbergen beinahe alle Kontrahentinnen abgeschüttelt. Einzig die Italienerin Elisa Longo Borghini (Wiggle-High5) kam mit der Niederländerin über die Kuppe an der Kapelle auf dem Oudeberg, doch auch sie konnte kurze Zeit später am Bosberg, dem letzten Helling des Tages, nicht mehr folgen.

"Sie war sehr stark, aber ich habe mich heute auch nicht gut gefühlt. Ich bin sehr müde nach einer harten Saison und einer stressigen Zeit nach den Olympischen Spielen", sagte die Flandern-Siegerin von 2015, die das Ziel schließlich in der großen Verfolgergruppe erreichte, die nach dem Bosberg aus mehreren kleineren Gruppen zusammenlief, und in der auch die Gesamtführende Marianne Vos (Rabo-Liv) als Vierte das Ziel erreichte.

Bei der ersten Muur-Passage knapp 35 Kilometer vor dem Ziel hatte Vos noch als Einzige neben Longo Borghini das Tempo von Van Vleuten mitgehen können. Beim zweiten Mal aber hatte sie dem Antritt ihrer Landsfrau nichts mehr entgegenzusetzen. "Die erste Runde ging ganz gut, aber ich glaube das war etwas zu viel. Deshalb bin ich dann explodiert und musste in der zweiten Runde mein eigenes Tempo hochfahren", sagte sie.

Hinter Van Vleuten und Longo Borghini formierte sich zunächst eine vierköpfige Gruppe mit Janneke Ensing (Nationalteam Niederlande), Emma Johansson (Wiggle-High5), der Gesamtzweiten Lucinda Brand (Rabo-Liv) und Lisa Brennauer (Canyon-SRAM). In diesem Quartett hatten allerdings nur Brand und Brennauer Interesse an der Verfolgung der Spitzenreiterinnen, und so kam bald Begleitung von hinten heran - erst eine Gruppe mit Claudia Lichtenberg und ihrer Teamkollegin, der Gesamtvierten Lotte Kopecky (beide Lotto-Soudal), und dann auch eine weitere mit Vos.

"Die Gruppe wurde immer größer, denn es gab keine echte Verfolgung. Alle haben verständlicherweise auf mich geschaut, aber ich war auch nicht stark genug, um die Lücke zu schließen. Lisa Brennauer hat mir gut geholfen, aber das war es auch schon", so Brand.

Als die Verfolgerinnen nach dem Bosberg Longo Borghini einholten, nahmen sie an einer Kreuzung einen falschen Abzweig, weil ein Streckenposten die richtige Richtung nicht angezeigt hatte. "Wir hatten gerade Elisa eingeholt und fuhren Vollgas, aber der Ordner stand einfach nur in der Mitte der Straße und hat nichts angezeigt. Es ging nur links oder rechts und ich bin nach links gefahren, aber rechts wäre richtig gewesen", erzählte Brand. "Glücklicherweise haben sie sofort geschrien und wir konnten umdrehen."

Der Vorfall kostete nur einige Sekunden, und so waren sich Brand und Longo Borghini in den Interviews nach dem Rennen einig: "Annemiek war ohnehin die Stärkste heute." Das war die 33-Jährige tatsächlich, wie schon die erste Passage der Muur gezeigt hatte, als sie und Longo Borghini schon ohne richtige Attacke die Konkurrenz in Probleme brachte. "Wir sind nur mit gutem Tempo hochgefahren, aber da sah ich schon, dass einige Probleme haben. Also dachte ich mir: Okay, beim nächsten Mal mache ich es hart", so Van Vleuten.

Bevor auf den beiden jeweils 17 Kilometer langen Schlussrunden rund um Geraardsbergen über Muur und Bosberg der Schlagabtausch um den Gesamtsieg begann, hatte zunächst die Schwedin Alexandra Nessmar (Lares-Waowdeals) das Rennen als Solistin geprägt. Sie überstand auch die erste der beiden Muur-Runden noch vor dem Feld und sammelte so genug Bergpunkte, um sich die Sonderwertung am Rundfahrtende zu sichern.

Tagesergebnis:
1. Annemiek Van Vleuten (Nationalteam Niederlande)
2. Marta Bastianelli (Alé Cipollini) + 1:04
3. Kaat Hannes (Lensworld-Zannata) + 1:04
4. Marianne Vos (Rabo-Liv) + 1:04
5. Elise Delzenne (Lotto-Soudal) + 1:04
6. Lucinda Brand (Rabo-Liv) + 1:04
7. Emma Johansson (Wiggle-High5) + 1:04
8. Lotte Kopecky (Lotto-Soudal) + 1:04
9. Valerie Demey (Topsport Vlaanderen) + 1:04
10. Emilia Fahlin (Alé Cipollini) + 1:04

Gesamtwertung:
1. Annemiek Van Vleuten (Nationalteam Niederlande)
2. Marianne Vos (Rabo-Liv) + 1:04
3. Lucinda Brand (Rabo-Liv) + 1:10
4. Lotte Kopecky (Lotto-Soudal) + 1:16
5. Lisa Brennauer (Canyon-SRAM) + 1:23
6. Elise Delzenne (Lotto-Soudal) + 1:32
7. Emma Johansson (Wiggle-High5) + 1:37
8. Marta Bastianelli (Alé Cipollini) + 1:41
9. Elisa Longo Borghini (Wiggle-High5) + 1:43
10. Emilia Fahlin (Alé Cipollini) + 1:43

Zusammenfassung der Schlussetappe im Video (Englisch):

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