Spanier gewinnt 103. Lüttich-Bastogne-Lüttich

Valverde widmet vierten "Doyenne"-Sieg seinem Freund Scarponi


Alejandro Valverde (Movistar) freut sich über seinen vierten Sieg bei Lüttich-bastogne-Lüttich. | Foto: Cor Vos

23.04.2017  |  (rsn) - Nach seinem vierten Triumph bei Lüttich-Bastogne-Lüttich dachte Alejandro Valverde (Movistar) zuerst an seinen gestern unter tragischen Umständen ums Leben gekommenen Kollegen Michele Scarponi. Der Spanier konnte im Interview seine Tränen nicht zurückhalten und widmete den Sieg bei der 103. Auflage des ältesten Eintagesrennens der Welt dem 37-jährigen Italiener, der am Samstagmorgen bei einer Trainingsausfahrt in seinem Heimatort von einem Kleintransporter an einer Kreuzung überfahren wurde und sich dabei tödliche Verletzungen zuzog.

“Dieser Sieg ist für Michele Scarponi. Er war ein guter Freund. Es schmerzt, daran zu denken, dass er gegangen ist. Ich werde ihn vermissen“, sagte Valverde in Ans im Ziel des 258 Kilometer langen Klassikers, bei dem er sich nach einer taktisch cleveren Vorstellung im Sprintduell gegen Daniel Martin (Quick-Step Floors) durchgesetzt hatte. Der Ire war bereits am Mittwoch beim Flèche Wallonne Zweiter hinter Valverde geworden. Der Sieger kündigte zudem an, sein Preisgeld Scarponis Familie - Ehefrau Anna und den Zwillingen - zu überlassen.

Rang drei ging mit drei Sekunden Rückstand an den Polen Michal Kwiatkowski, Vierter wurde der für das deutsche Sunweb-Team fahrende Australier Michael Matthews, Rang fünf belegte Valverdes Landsmann Ion Izagirre (Bahrain-Merida), der Vorjahreszweite Michal Albasini (Orica-Scott) aus der Schweiz landete diesmal auf Position sieben. Rafal Majka erfüllte die Vorgabe seines Teams Bora-hansgrohe: Der Pole kam auf Platz zehn ins Ziel, sein österreichischer Mannschaftskollege Patrick Konrad beendete "La Doyenne“ nach einer staken Vorstellung auf Platz 20. Dagegen war Paul Martens (LottoNL), der einzige deutsche Starter, über Rang 101 enttäuscht.

Zwei Tage vor seinen 37. Geburtstag krönte Valverde das bisher beste Frühjahr seiner Karriere mit seinem elften Saisonsieg. Dabei wartete er kaltblütig bis zum Schlusskilometer ab, als Martin im letzten Anstieg in Ans den kurz zuvor enteilten Italiener Davide Formolo (Cannondale-Drapac) gestellt hatte, um dann vor der letzten Kurve zu seinem Konkurrenten aufzuschließen und diesen auf der Zielgeraden zu übersprinten.

“Das Team war fantastisch, wir haben exzellente Arbeit abgeliefert“, sagte Valverde, der mit seinem vierten Lüttich-Sieg nun mit dem Italiener Moreno Argentin gleichgezogen hat und nur noch einen Erfolg von Rekordhalter Eddy Merckx entfernt ist. Valverde: "Am letzten Anstieg hat Dan Martin sehr hart attackiert, aber ich konnte im richtigen Moment zu ihm aufschließen, um dann bis zur Ziellinie zu sprinten.“ Dem erneut machtlosen Martin und den anderen Konkurrenten blieb nur noch der Kampf um die Plätze zwei und drei.

"Wir sind ein großartiges Rennen gefahren und wurden von einem Besseren geschlagen“, zollte der zweitplatzierte dem Sieger seinen Respekt. An seiner persönlichen Leistung hatte Martin im Gegensatz zum Mittwoch diesmal nichts auszusetzen. "Da war ich mit mir unzufrieden, weil ich einen Fehler gemacht habe, aber heute bin ich sehr glücklich mit der Art, wie ich gefahren bin“, sagte Martin und fügte an. "Es ist nie frustrierend, von einem Stärkeren geschlagen zu werden.“

Ähnlich fiel Kwiatkowskis Bilanz aus. "Gratulation an Alejandro. Ich hoffe, er wird nicht so bald zurücktreten, damit wir noch eine Chance haben, ihn zu schlagen“, so der 26-Jährige, der im März Mailand-Sanremo, das erste der fünf Monumente gewonnen hatte und deshalb urteilte: "Ich bin mit meiner Klassikerkampagne zufrieden.

Ehe der dritte und letzte der drei Ardennenklassiker am Morgen in Lüttich bei nur fünf Grad gestartet wurde, gedachte das Feld mit einer Schweigeminute des toten Michele Scarponi. Seine Astana Teamkollegen, darunter der weinende Jakob Fuglsang, bildeten die erste Reihe und trugen als Zeichen ihrer Trauer schwarze Armbinden.

Nach 15 Kilometern bildete sich die Gruppe des Tages, die aus Bart De Clercq (Lotto Soudal), Nick van der One (Roompot), Tiago Machado (Katusha-Alpecin), Anthony Perez und Stéphane Rossetto (beide Cofidis), Mekseb Debesay (Dimension Data), Aaron Gate (Aqua Blue System) und Fabien Grellier (Direct Energie) bestand. Mehr als 13 Minuten gestand das von Movistar angeführte Feld den acht Ausreißern zu. Vergeblich versuchte Olivier Pardini (Veranclassic) über mehr als 60 Kilometer, noch zur Spitzengruppe aufzuschließen, die gut zusammenarbeitete - auch als mit Debesay an der Côte de Pont (Km 168) ein kletterstarker Fahrer überraschend früh herausgefallen war.

Nachdem im Feld lange taktiert wurde, erhöhte Quick-Step Floors am Col du Rosier - mit 4,4 Kilometern der längste der insgesamt zehn Anstiege - deutlich die Schlagzahl, wobei der Rückstand auf 6:30 Minuten zurückging. In der nächsten Steigung, dem Col du Maquisard, initiierte der Franzose Pierre Latour (Ag2R) eine starkbesetzte Verfolgergruppe, in der noch Gianluca Brambilla (Quick-Step Floors), Cesare Benedetti (Bora-hansgrohe), Alessandro De Marchi (BMC) Carlos Betancur (Movistar) sowie Omar Fraile und Nathan Haas (Dimension Data) dabei waren.

An der berühmten Côte de La Redoute (2 Km, 8,9 Prozent) wurde die Attacke vom Feld, in dem sich auch die beiden deutschen Teams Sunweb und Bora-hansgrohe an vorderen Positionen zeigten, neutralisiert. Zugleich ließ zunächst Perez seine Begleiter an der Spitze stehen und erhielt am Gipfel der Côte de La Roche-aux-Faucons, dem vorletzten Anstieg, Unterstützung durch Rossetto. Während die restlichen Mitglieder der Ausreißergruppe vom immer weiter schrumpfenden Feld wieder eingefangen wurden, verteidigte das Cofidis-Duo zäh einen knappen Vorsprung.

An der Côte de La Roche-aux-Faucons sorgte zudem Sergio Henao (Sky) mit seiner Tempoverschärfung für eine weitere Verkleinerung der Favoritengruppe, ehe auf Initiative von Roman Kreuziger (Orica-Scott) insgesamt acht Fahrer davonzogen - darunter auch Konrad sowie der Belgier Tim Wellens (Lotto Soudal), der den Anschluss an Rossetto schaffte, der wiederum mittlerweile ohne seinen Mannschaftskollegen Perez unterwegs war. In die Côte de Saint-Nicolas, die sechs Kilometer vor dem Ziel das vorletzte Hindernis das Tages bildete, nahm das neue Spitzenduo allerdings nur zehn Sekunden auf die Verfolger mit, die von Quick-Step angeführt wurden.

Als Wellens und Rossetto kurz darauf eingefangen waren, und Sergio Henao die Attacke von Davide Villella (Cannondale-Drapac) neutralisiert hatte, zog dessen Teamkollege Formolo an der Kuppe auf und davon. Der Italiener erarbeitete sich einen knappen Vorsprung auf die Verfolger, ehe Martin in Ans im letzten, nicht benannten Anstieg des Tages mit einem gewaltigen Antritt die Lücke schloss. Doch der aufmerksame Valverde reagiert sofort, fuhr zu dem Lüttich-Bastogne-Lüttich-Sieger von 2013 vor und auf der Zielgeraden schließlich an Martin vorbei, um seinen vierten Sieg nach 2006, 2008 und 2015 zu feiern.

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