Profi-Radsport

Tosatto siegt - Barbero ausgeschlossen

31.05.2001 -

Montebelluna (dpa) - Der Italiener Matteo Tosatto, ein Gewitter und eine kleine Steigung kurz vor dem Ziel haben den erwarteten Massensprint beim 84. Giro d`Italia verhindert. Drei Kilometer vor dem Ziel der 12. Etappe in Montebelluna hatten sich drei Fahrer abgesetzt, von denen Tosatto nach 139 km den Spurt leicht gewann und Mario Cipollini und Danilo Hondo die Show stahl.

Der Cottbuser verlor auch sein violettes Trikot des Punktbesten an den Italiener Massimo Strazzer, der den Sprint des Hauptfeldes 13 Sekunden hinter Tosatto gewann und vorher in der Zwischenwertung «Intergiro» gepunktet hatte.

Der Italiener Dario Frigo konnte einen Tag vor der womöglich vorentscheidenden «Königsetappe» sein Rosa Trikot auf der verregneten Bummel-Etappe nur um eine Sekunde vor dem Tages-Dritten Gilberto Simoni (Italien) verteidigen. Olympiasieger Jan Ullrich (Merdingen), der sich langsam für das Giro-Zeitfahren einrollt, ging auf der regennassen und gefährlichen Abfahrt in Richtung Ziel kein Risiko ein und verlor Boden auf die Spitze. «Natürlich ist es traurig, dass Danilo das Trikot verlor, aber kein Beinbruch. Die Etappe war heute sehr gefährlich und bot viele Risiken. Zum Glück sind wir gut durchgekommen. Morgen wird es für alle schwer», sagte Telekom- Teamchef Rudy Pevenage.

Vor dem Start erschütterte die erste Doping-Affäre den Giro. Sergio Barbero aus dem Lampre-Team des Mitfavoriten Simoni wurde von seiner Teamleitung aus dem Rennen genommen. Der 32-Jährige war Anfang Mai bei der Tour de Romandie nach dem neuen Urin-Testverfahren der Einnahme des Blut-Doping-Mittels EPO überführt worden. «Die B-Probe steht zwar noch aus, aber wir haben diese Entscheidung getroffen», sagte Lampre-Manager Giuseppe Saronni. Nach dem Schweizer Roland Meier vom Coast-Team und dem Dänen Bo Hamburger waren zwei weitere Doping-Fälle bekannt geworden. Neben Barbero soll es sich um den Franzosen Laurent Chotard handeln.

Die nächsten Tage haben es sportlich in sich. Als nächstes steht die «Königsetappe» über 225 km und fünf Berge bevor. Der Passo Pordoi muss zwei Mal erklommen werden und bildet die Zielankunft in 2239 Metern Höhe. Der Passo di Fedaia schockt davor mit zum Teil 18 Prozent Steigung. Am folgenden Tag geht es über 163 km zwischen Cavalese und Arco etwas gemächlicher zu, immerhin stehen aber auch zwei Bergwertungen auf dem Programm. Am Sonntag soll dann Ullrichs Stunde im Zeitfahren von Sirmione nach Salo schlagen.

Der 55,5 km-Parcours am Gardasee, ein traditioneller Anziehungs-Punkt für deutsche Italien-Urlauber, soll einen ersten ernsthaften Tour-Test bilden. Fünf Wochen vor dem Start der 88. Frankreich-Rundfahrt hat der Zeitfahr-Weltmeister von 1999 zumindest das Podest im Blick. Allerdings bekommt es der Telekom-Kapitän, der seine Bronchitis inzwischen überwunden hat, am Gardasee mit hochkarätiger Konkurrenz zu tun. «Sein Sieg würde mich nicht überraschen», hatte Pevenage schon vor einer Woche gesagt.

Dario Frigo, der Mann im Rosa Trikot ist ein starker Zeitfahrer, und auch der aktuelle Zeitfahr-Weltmeister Sergej Gontschar (Russland) hat seit Giro-Beginn nichts anderes im Kopf als den Sieg in Salo. Ex-Weltmeister Abraham Olano, der bei einer großen Rundfahrt noch nie einen so starken Eindruck wie jetzt beim Giro hinterließ, meldet ebenfalls Ansprüche an. Der Spanier flößt den Einheimischen sogar Angst bei der Frage nach dem Gesamtsieg ein, auch wenn von Marco Pantani am Freitag der Generalangriff erwartet wird. Olano hat in einem Spezialtraining in der Sierra Nevada im April versucht, seine Kletter-Schwächen abzubauen.

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