Giro-Titelverteidigung oder Tour-Angriff?

Dumoulin lässt sich nicht in die Karten schauen

Foto zu dem Text "Dumoulin lässt sich nicht in die Karten schauen"
Tom Dumoulin (Sunweb) bei der Siegerehrung als Giro-Gesamtsieger 2017 in Mailand. | Foto: Cor Vos

30.11.2017  |  (rsn) - Chris Froome (Sky) wird am Start stehen, aber wer noch? Nach der Streckenpräsentation des Giro d'Italia 2018 in Mailand ist die wohl interessanteste Frage: Gegen wen wird Froome mit seinem Team Sky im kommenden Mai um den Gesamtsieg kämpfen? Fabio Aru (UAE Team Emirates) wollte zwar auch am Mittwoch nicht offiziell bestätigen, dass er den Giro fährt, die Gazzetta dello Sport berichtete darüber aber trotzdem bereits vergangene Woche als Fakt. Sein Landsmann Vincenzo Nibali (Bahrain-Merida) erklärte unlängst ebenfalls, er sei noch nicht sicher. Und Titelverteidiger Tom Dumoulin (Sunweb)? Der Niederländer weiß es, sagt es aber nicht.

"Wir haben am 5. Januar unsere Teampräsentation und werden unsere Rennprogramme dort bekanntgeben", sagte Dumoulin laut cyclingnews.com mit Blick auf die Mannschaftsvorstellung von Sunweb, die allerdings bereits am 4. Januar in Berlin stattfindet. "Wir haben die Entscheidung schon so ziemlich getroffen, aber haben jetzt nochmal einen Monat Zeit darüber nachzudenken, jetzt wo wir den gesamten Giro-Parcours gesehen haben."

Nach der Präsentation der Tour de France-Strecke für 2018 hieß es, Dumoulin werde im kommenden Juli nach Frankreich kommen, um Froome herauszufordern und dessen fünften Tour-Sieg zu verhindern. Allerdings mussten Experten auch erkennen, dass der zeitfahrunfreundliche Tour-Parcours ihm alles andere als auf den Leib geschneidert ist. 31 hügelige Kilometer Einzelzeitfahren stehen dort an, beim Giro werden es 44,2 Kilometer sein - aufgeteilt auf zwei Tage.

"Die Strecke ist schön, ein guter Mix von allem, aber nicht perfekt für mich", erklärte Dumoulin nun in Mailand mit Blick auf die Italien-Rundfahrt und gab zu: "Ich kann nicht wirklich sagen, dass die Tour oder der Giro für mich perfekt ist. Der Giro ist nicht perfekt, weil er zu wenig Zeitfahrkilometer hat, und bei der Tour ist es dasselbe. Es ist schwer zu sagen, welcher Kurs mir besser liegt."

Die Entscheidung fälle man grundsätzlich abhängig davon, wo Dumoulin größere Siegchancen habe. Das sei jedoch unabhängig von den am Start stehenden Kontrahenten, betonte der Niederländer. "Ich schaue nicht auf andere Fahrer, wenn ich Entscheidungen über irgendein Rennen treffe", erklärte er in Mailand. Ohne auf die Kontrahenten zu schauen dürfte es aber schwer werden, die Entscheidung zu treffen, bei welcher Grand Tour die Siegchancen größer sind, zumal Dumoulin ja selbst bemerkte, dass es schwer zu sagen sei, welcher Kurs ihm besser liege.

Doch egal worauf die Entscheidung begründet ist: Durch Froomes Giro-Start dürften die Siegchancen all seiner Kontrahenten bei der Tour de France gestiegen sein. Das Double aus Italien- und Frankreich-Rundfahrt ist schließlich seit Marco Pantani 1998 niemand mehr gelungen. "Froome hat aber gezeigt, dass er bei der Vuelta sogar in besserer Form war als bei der Tour. Bei ihm weiß man nie", meinte Dumoulin jedoch. "Ich habe nicht unbedingt das Gefühl, dass meine Chancen bei der Tour größer werden, wenn Froome den Giro fährt. Es ist nicht unbedingt der richtige Moment für mich, zur Tour zu gehen nach dem Giro-Sieg."

Je nachdem, wie man seine Aussagen deutet, können beide Szenarien 2018 möglich sein: ein Giro-Start oder ein Tour-Start - oder sogar beides, wie Froome? Dumoulin will sich erst Anfang Januar in die Karten schauen lassen.

Die Giro-Strecke 2018 im Video:

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