Salbutamol-Test könnte zu einer Sperre führen

Froomes Tour-und Vuelta-Titel in Gefahr?

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Chris Froome (Sky)| Foto: Cor Vos

13.12.2017  |  Aigle (dpa/rsn) - Jetzt auch Chris Froome? Im Urin des viermaligen Tour-de-France-Gewinners ist eine signifikante Überdosis des Asthma-Mittels Salbutamol festgestellt worden. Am 7. September war Froome auf dem Weg zu seinem ersten Vuelta-Sieg wie jeden Tag zuvor als Träger des Roten Trikots getestet worden. Der 32 Jahre alte Brite wies auf jener 18. Etappe das Doppelte der erlaubten und von der Welt-Anti-Dopingagentur WADA als Grenzwert festgelegten Menge von 1000 Nanogramm pro Milliliter ng/ml auf.

Tags zuvor hatte der Brite auf einer schweren Bergetappe nach Los Machucos 1:46 Sekunden auf den Tagessieger Stefan Denifl, 1:18 Minuten auf Alberto Contador sowie jeweils 42 Sekunden auf Vincenzo Nibali und Ilnur Zakarin eingebüßt. Nibalii und Zakarin belegten im Schlussklassement die Plätze zwei und drei. Wie der Ex-Profi Michael Rasmussen twitterte, hätten Froome und sein Team sich wohl deshalb für "eine kleine Extradosis Salbutamol" entschieden. So jedenfalls vermutete der seit einigen Jahren als Journalist tätige Däne, der 2007 im Gelben Trikot aus der Tour genommen worden war und später ein umfangreiches Dopinggeständis ablegte.

Tatsächlich könnte es für Froome eng werden - unabhängig davon, ob Rasmussens Spekulation zureffen sollte oder nicht. Es drohen die Aberkennung des Vuelta-Sieges und eine Sperre, die seine angekündigten Starts beim Giro d'Italia (ab 4. Mai) oder bei der Tour (ab 7. Juli) gefährden könnte. Der Radsportweltverband UCI wollte sich zum laufenden Verfahren nicht weiter äußern. In einem vergleichbaren Fall war der ehemalige italienische Sprintstar Alessandro Petacchi 2008 für ein Jahr gesperrt worden. Sein Landsmann Diego Ulissi war 2014 mit 1920 ng/ml Salbutamol für neun Monate aus dem Verkehr gezogen worden.

Froome wurde laut UCI den Regeln gemäß nicht vorläufig suspendiert. Der 32-Jährige muss zunächst erklären, warum der Grenzwert so deutlich überschritten wurde. Der Brite, der seine Vorbild-Funktion im Anti-Dopingkampf immer offensiv vertreten hat und aufkommende Verdächtigungen wegen seiner Dominanz vehement von sich wies, hatte im September die Vuelta gewonnen. Zwei Monate zuvor hatte er zum vierten Mal die Tour für sich entschieden.

Der derzeit beste Rundfahrer der Welt und sein Rennstall Sky bestätigten die Nachricht und verwiesen auf Froomes Asthma-Erkrankung. Laut Sky bedeute der Test nicht, dass Regeln gebrochen worden seien. Sky und sein Manager Dave Brailsford waren in diesem Jahr massiv in die Kritik geraten, nachdem eine ominöse Medikamenten-Lieferung an Bradley Wiggins 2011 nicht geklärt werden konnte. In dem Paket, das vom damaligen Frauentrainer Simon Cope von Manchester nach Frankreich gebracht wurde, soll sich ein - überall frei erhältlicher - Hustenlöser befunden haben. Die britische Anti-Doping-Agentur UKAD hatte ihre Untersuchungen nach 14 Monaten kürzlich aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Die UCI bestätigte am Mittwoch eine gemeinsame Recherche der beiden Zeitungen The Guardian und Le Monde. Froome und sein Team waren bereits am 20. September, als er im WM-Zeitfahren in Bergen Dritter geworden war, über den positiven Test informiert worden.

Froome erklärte nun, dass es bekannt sein, "dass ich Asthma habe, und ich weiß genau, wie die Regeln lauten. Ich benutze einen Inhalator, um meine Symptome zu behandeln, und ich weiß, dass ich jeden Tag getestet werde, wenn ich das Trikot des Führenden trage". Die Sky-Teamleitung verwies auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Ernährung.

Seine Asthma-Beschwerden hätten sich bei der Vuelta verschlimmert, "also folgte ich dem Rat des Mannschaftsarztes, meine Salbutamol-Dosierung zu erhöhen", meinte Froome in einer Team-Mitteilung weiter. "Wie immer habe ich mit größter Sorgfalt darauf geachtet, dass ich nicht mehr als die zulässige Dosis verwendet habe." Er werde „zusammen mit dem Team alle Informationen, die sie (die UCI) benötigt, zur Verfügung stellen."

Das bronchienerweiternde Salbutamol gilt als das Asthma-Mittel mit der höchsten anabolen Nebenwirkung. Es beeinflusst auch den Muskelauf- und den Fettabbau.

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