Von Boonen bis Zubeldia

Zehn Fahrer, die 2018 im Peloton fehlen werden

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Tom Boonen | Foto: Cor Vos

21.12.2017  |  (rsn) - Auch nach der Saison 2017 haben zahlreiche Profis ihre Karriere beendet. Wir stellen die zehn bekanntesten Fahrer vor, die im Jahr 2018 nicht mehr im Peloton zu sehen sein werden.

Martin Elmiger (BMC): Nach 17 Profijahren war für den Schweizer der Zeitpunkt gekommen, um sein Rad an den berühmten Nagel zu hängen. Elmiger, der seine Karriere 2001 bei Post Swiss begann und im Anschluss fünf Jahre lang für das Phonak-Team unterwegs war, fuhr seine größten Erfolge im Ag2r-Trikot von 2007 bis 2012 ein. 2007 gewann er die Tour Down Under, drei Jahre später sicherte er sich die Gesamtwertung der Vier Tage von Dünkirchen. Seinen letzten Triumph feierte Elmiger bei den Schweizer Meisterschaften 2014, als er das Straßenrennen gewann - es war sein vierter Titel nach 2001, 2005 und 2010. Nach vier Jahren bei IAM schloss Elmiger sich wegen der Auflösung des Rennstalls zur Saison 2017 der BMC-Mannschaft an und war in den Frühjahrsklassikern als Helfer von Greg Van Avermaet unterwegs. Künftig wird sich der mittlerweile 39-jährige Elmiger vor allem um seine Firma für Lichtwerbung kümmern, die er mit seiner Frau aufgebaut hat.

Thomas Voeckler (Direct Energie): Auch der ein Jahr jüngere Franzose blickt auf 17 Profijahre zurück, die Voeckler allesamt im Rennstall von Manager Jean-René Bernaudeau absolvierte. Berühmtheit erlangte der unermüdliche Kämpfer durch die Tour de France, als er bei den Austragungen 2004 und 2011 insgesamt 20 Tage lang das Gelbe Trikot trug. Vor sechs Jahren sicherte er sich zudem den vierten Platz in der Gesamtwertung, im Jahr darauf gewann Voeckler noch das Bergtrikot. Dazu kamen insgesamt vier Etappensiege, die ihn zum unumschränkten Liebling der Franzosen machten. Nach insgesamt 40 Profisiegen und 20 GrandTours-Teilnahmen beendete der Direct Energie-Kapitän - standesgemäß - nach der diesjährigen Tour de France seine Karriere. Dem Radsport bleibt der Elsässer als Kommentator für Eurosport Frankreich erhalten.

Tom Boonen (Quick Step-Floors): Mit dem 37-jährigen Belgier verabschiedete sich bereits im April ein Mann, der in den vergangenen zwölf Jahren die Frühjahrsklassiker gemeinsam mit dem Schweizer Fabian Cancellara dominiert hatte. Vier Mal gewann Boonen Paris-Roubaix, je drei Mal die Flandern-Rundfahrt und Gent-Wevelgem sowie gleich fünf Mal den E3 Preis Harelbeke. Dazu kamen sechs Etappensiege bei der Tour de France und der Weltmeistertitel im Jahr 2005. Weit über 100 Siege fuhr "Tommeke", wie er von seinen Landsleuten genannt wurde, in seiner langen Karriere ein. Boonen fiel aber auch durch einige Exzesse auf, die ihn in große Schwierigkeiten brachten. 2008 und 2009 etwa wurde er positiv auf Kokain getestet. Da die Tests aber nicht unmittelbar vor oder nach einem Wettkampf durchgeführt worden waren, blieb Boonen von einer Sperre verschont und kam mit geringen Geldstrafen davon. Der Traum-Abschied blieb aus. Bei seinem allerletzten Auftritt bei seinem Lieblingsrennen Paris-Roubaix musste Boonen sich am 9. April mit Rang 13 begnügen.

Adriano Malori (Movistar): Mit nur 29 Jahren musste der Italiener seine Karriere beenden. Schuld daran sind Sturzfolgen von der Tour de San Luis 2016, bei dem Malori sich lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen hatte. Anfang 2017 probierte es der Movistar-Profi mit einem Comeback, das allerdings nicht erfolgreich war. So entschied sich Malori, der 2013 die Bayern-Rundfahrt gewonnen hatte, im Jahr darauf einen Etappensieg bei der Spanien-Rundfahrt feierte und 2015 bei der WM im Einzelzeitfahren die Silbermedaille holte, seine Karriere zu beenden. Er wird künftig als Trainer beim italienischen Radsportverband tätig sein.

Jurgen Van den Broeck (LottoNL-Jumbo): Mit 14 Profijahren auf dem Buckel entschied sich auch Jurgen Van den Broeck dazu, seine Karriere zu beenden. Der Belgier war jahrelang der beste Rundfahrtspezialist seines Landes und landete zwei Mal bei der Tour de France unter den besten Fünf. 2010 wurde er Fünfter, rückte aber wegen der Dopingsperren gegen den damaligen Zweiten Denis Menchov und den Sieger Alberto Contador sogar noch auf den dritten Platz vor. Zwei Jahre später konnte er das Ergebnis durch einen vierten Gesamtrang bestätigen. Zuvor war Van den Broeck Siebter beim Giro 2008 geworden und Achter der Vuelta 2011. Nach der Tour 2012 lief dann aber nicht mehr viel zusammen. Von den folgenden acht GrandTours musste er fünf vorzeitig beenden, eine Spitzenplatzierung gelang dem häufig von Verletzungen geplagten Flamen aus Herentals nicht mehr. Auch zwei späte Teamwechsel blieben wirkungslos. Sowohl bei Katusha (2016) als auch bei LottoNL-Jumbo im Jahr darauf blieb er glücklos. Im Mai 2017 schließlich wurde sein Zweijahresvertrag mit dem niederländischen Rennstall im "beiderseitigen Einvernehmen" aufgelöst. Van den Broeck fehlte schlichtweg die Motivation, um im Alter von 34 Jahren nochmals einen erfolgreichen Neustart hinzulegen.

Andrew Talansky (Cannondale-Drapac): Lange Zeit war der 29-Jährige die große US-Hoffnung für die GrandTours, vor allem nach seinem Gesamtsieg beim Critérium du Dauphiné 2014. Doch Talansky konnte sein großes Talent bei dreiwöchigen Rundfahrten nur einmal so richtig unter Beweis stellen, nämlich als er 2016 Fünfter der Vuelta a Espana wurde. Immer wieder warfen ihn Krankheiten und Verletzungen zurück, dennoch ließ Talansky sein Können regelmäßig aufblitzen. 2017 gewann der New Yorker eine Etappe der Kalifornien-Rundfahrt und wurde Dritter der Gesamtwertung. Vor allem bei der Tour de France lief es aber nicht wie gewünscht, Rang zehn der Ausgabe von 2013 blieb sein bestes Resultat bei vier Teilnahmen. Dennoch kam im September Talanskys Entschluss, sich nach zehn Jahren vom Profiradsport zurückziehen, für die meisten Beobachter überraschend. Nur vier Wochen später kündigte er an,sich künftig dem Triathlon zu widmen.

Christophe Riblon (Ag2r): Relativ unspektakulär verlief die Karriere des 36-jährigen Franzosen. Seine gesamte Profikarriere absolvierte Riblon bei Ag2r und fuhr in dieser Zeit nur fünf Siege heraus. Unvergessen machte sich der Rundfahrtspezialist mit zwei Triumphen bei der Tour de France. 2010 gewann Riblon auf der 14. Etappe die Bergankunft in Ax-3-Domaines, drei Jahre später siegte er an der legendären Alpe d`Huez. In den letzten vier Jahren seiner insgesamt 13-jährigen Laufbahn legte Riblon sich vor allem für seine Kapitäne wie Romain Bardet ins Zeug.

Tyler Farrar (Dimension Data): Der Sprinter feierte vor allem in den ersten Jahren seiner Karriere, die er 2006 bei Cofidis begann, große Erfolge. Farrer gewann zwischen 2009 und 2011 eine Etappe der Tour, zwei beim Giro und drei bei der Vuelta. Dazu kamen zwei Siege bei den Hamburger Cyclassics (2009/10). Doch seit 2012 gelangen dem US-Amerikaner nur noch fünf Siege, der letzte datierte aus der Saison 2014. In den vergangenen Jahren übernahm Farrar vornehmlich Helferaufgaben, zuletzt bei Dimension Data im Sprintzug von Mark Cavendish. Nach seiner 14. Profisaison entschloss sich der 33-Jährige im Herbst zum Rücktritt. Neben seinen 29 Siegen wird Farrar auch wegen eines skurrilen Ereignisses bei der Tour Down Under 2016 in Erinnerung bleiben, als er nach einem Sturz die letzten zehn Kilometer der Etappe auf dem Rad eines Zuschauers absolvierte.

Alberto Contador (Trek-Segafredo): Nach 15 Jahren verabschiedete sich der Spanier im Alter von 34 Jahren aus dem Profiradsport. Contador hat sich in der Zeit ein imponierendes Palmares erarbeitet. Er gewann je zwei Mal die Tour de France und den Giro d`Italia, die Spanien-Rundfahrt entschied er sogar drei Mal für sich. In seiner Abschiedssaison 2017 wollte Contador nochmals einen Angriff auf den Gesamtsieg bei der Tour de France und der Vuelta a Espana starten, scheiterte jedoch trotz beeindruckenden Auftritten mit seinem Vorhaben. Immerhin konnte sich der Trek-Kapitän mit einem Etappensieg auf der vorletzten Etappe der Spanien-Rundfahrt von seinen Fans verabschieden. Neben den zahlreichen sportlichen Erfolgen steht beim mittlerweile 35-jährigen Madrilenen aber auch der positive Test auf Clenbuterol bei der Tour 2010, in dessen Folge eine zweijährige Sperre stand und die Aberkennung weiterer Gesamtsiege beim Giro und der Tour. Nach seinem Karriereende will sich Contador vor allem um sein Continental-Team Polartec-Kometa kümmern, das als Talentschmiede von Trek-Segafredo erfolgreich sein will.

Haimar Zubeldia (Trek-Segafredo): Auf nicht weniger als 20 Jahre im Peloton kann der stille Baske zurückblicken. Zubeldia war nicht so erfolgreich wie Contador, dennoch einer der besten spanischen Rundfahrtspezialisten seiner Generation mit insgesamt 29 GrandTour-Teilnahmen. 2002 gewann er das Critérium du Dauphiné und 2010 die Tour de l`Ain. Bei der Tour de France war Zubeldia ein Muster an Beständigkeit, was fünf Platzierungen unter den besten Acht eindrucksvoll belegen. Bei der 16. und letzten Teilnahme stellte sich Zubeldia in den Dienst von Contador, so wie er nach seinem Wechsel von Euskaltel zu Astana im Jahr 2009 vornehmlich als zuverlässiger Helfer in Einsatz war. Das letzte Rennen seiner Karriere bestritt der 40-jährige Zubeldia Ende Juli in seiner baskischen Heimat bei der Clasica San Sebastian.

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