Profi-Radsport

Pantani will Italiens NOK wegen Doping-Verdächtigungen verklagen

19.09.2000 - Sydney/Rom (dpa) - Italiens Radsportidol Marco Pantani will Funktionäre des Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni) wegen der Doping-Verdächtigungen gegen ihn verklagen.

Dies erklärte der umstrittene Radprofi nach seiner Ankunft in Sydney am Montag gegenüber der «La Gazzetta dello Sport». Bis zum Rennen am 27. September werde er still halten. «Nach den Olympischen Spielen aber werde ich mit einer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft eine Klärung der Vorwürfe erwirken», sagte der Tour- und Giro-Sieger von 1998, der seit Jahren des Blut-Dopings bezichtigt wird.

Die Anzeige soll sich gegen Pantanis «Intimfeinde» beim Coni Sandro Donati und Pasquale Bellotti richten. Die beiden Mitglieder der Wissenschafts- und Antidoping-Kommission des Coni hatten in einem informellen Brief an den Coni-Generalsekretär Pagnozzi vor den Spielen von «verdächtigen Unregelmäßigkeiten bei Pantanis Blutwerten» berichtet. Diese deuteten auf Blutdoping mit dem künstlichen Hormon EPO hin. Pantani geriet so vor den Spielen erneut unter Dopingverdacht, obwohl er bei keiner Kontrolle in den vergangenen Monaten als Dopingsünder aufgeflogen war.

«Ich habe sogar mehr als die vorgeschriebenen Dopingtests absolviert und dennoch lässt man mich nicht in Ruhe», klagte Pantani, der sich mittlerweile verfolgt fühlt. Das Vorgehen des Coni zeuge von «Unfähigkeit» und sei nicht korrekt, meinte der Radprofi. «Es ist an der Zeit, dass einer gegen die Leute vorgeht, die diese Attacken reiten», sagte der «Pirata» an die Adresse des Coni-Präsidenten Gianni Petrucci.

Italiens Olympia-Chef verweigerte in Sydney jeglichen Kommentar zur neuesten «Pantani-Affäre». Rückendeckung bekam Pantani in Sydney allerdings vom Präsidenten des Internationalen Radsportverbands (UCI), Hein Verbruggen. «Was mit Pantani passiert, ist absolut nicht korrekt und inakzeptabel», sagte Verbruggen der «La Gazzetta dello Sport». Der Italiener werde «immer mehr verunsichert». Pantani werde angegriffen, weil «man das Image des gesamten Radsports treffen will», erklärte Verbruggen. «Ich frage mich, wie das italiensche NOK Leute wie Bellotti und Donati als Funktionäre in seinen Reihen akzeptieren kann», meinte Verbruggen.

Obwohl der Olympia-Kurs des Straßenrennens nicht auf einen Bergfahrer wie Pantani zugeschnitten ist, hatte der Italiener auf einen Start bestanden. Im Oktober muss sich der Glatzkopf, der 1999 vom Giro wegen vermeintlichen Blut-Dopings suspendiert worden war, vor einem ordentlichen Gericht im italienischen Forlì wegen «Sport- Betrugs» verantworten. Pantani wird Blut-Doping bei einem Rennen 1995 vorgeworfen.

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