Aldag: “Höllenschmerzen - aber man schafft es“

Leidenstour: Craddock kämpft sich auch durchs Teamzeitfahren

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Lawson Craddock (EF-Drapac) kämpft sich weiter durch die Tour de France. | Foto: Cor Vos

10.07.2018  |  Sarzeau (dpa) - Die "Tour der Leiden" - für den verletzten Lawson Craddock (EF-Drapac) ist das Motto der Frankreich-Rundfahrt bittere Realität. Die altgedienten Ex-Profis Rolf Aldag, Jens Voigt und Jörg Jaksche können da mitfühlen.

"Sportlich ist es natürlich wenig sinnvoll, in seiner Lage weiterzufahren. Aber ich verstehe ihn", sagte Dimension-Data-Sportchef Aldag zu Craddock, der seit seinem Sturz zum Auftakt der 105. Tour de France trotz Schulterbruchs und einer Gesichtsverletzung weiter fährt. Vor Beginn der 4. Etappe liegt der 26-Jährige abgeschlagen auf dem letzten Platz des Gesamtklassements.

"Als Profi willst du immer weiterfahren, da müssen sie dich schon vom Rad holen. Du hast dich monatelang vorbereitet, die ganze Welt schaut zu. Die Fahrer sind im Tour-Tunnel", sagte Aldag. Bei Telekom und T-Mobil hielt der jetzige Chef des Teams um Mark Cavendish an der Seite von Jan Ullrich zweimal mit gebrochenen Rippen durch: "Höllenschmerzen - aber man schafft es."

Jörg Jaksche, einst beim Team CSC Nachfolger von Tyler Hamilton, der 2003 mit einem gebrochenen Schlüsselbein eine Bergetappe gewann und Vierter im Tour-Gesamtklassement wurde, hatte selbst leidvolle Erfahrungen. "Ich bin mit angebrochener Hand Lüttich-Bastogne-Lüttich gefahren - und gar nicht mal so schlecht. Ich musste und wollte als frisch gekürter Paris-Nizza-Sieger antreten", sagte der Ex-Profi der Deutschen Presse-Agentur. "Die Profis kämpfen auch um ihre Verträge und wollen deshalb auch nicht absteigen, selbst in auswegloser Situation wie Craddock jetzt."

Jaksche sieht im grenzwertigen Craddock-Auftritt allerdings auch ein Risiko für dessen Kontrahenten. "Er ist sicher auch eine Gefahr für die anderen. Er reagiert anders, später, gehemmter - das kann im großen Fahrerfeld problematisch werden", sagte Jaksche. "Wenn er noch einmal fällt, ist er weg."

Jens Voigt, während der laufenden Tour wie in den vergangenen Jahren TV-Experte beim US-Sender NBC, findet «gut, was Craddock macht». Voigt sieht die Sache etwas anders als seine Ex-Kollegen: "Trotz seiner Verletzung - er wurde sicher optimal medizinisch versorgt - kann er zum Rennen richtig beitragen. Im Teamzeitfahren hat er durchgewechselt. Er wird hoffen, in zehn Tagen schmerzfrei zu sein, um dann die Tour zu beenden", sagte Voigt, der 2010 mit Rippenbrüchen und Schürfwunden bis Paris durchhielt.

Craddocks Sportlicher Leiter Andreas Klier benannte die augenblicklichen Probleme seines Fahrers - abgesehen von den großen Schmerzen. «Er kommt nicht gut in die Kurven und kann dort nicht richtig beschleunigen», sagte der Ex-Profi, der versicherte: "Unser Teamarzt und der Osteopath entscheiden zusammen mit Lawson, wie weit es geht".

Am Dienstag jedenfalls stand Craddock in La Baule wieder am Start des vierten Tagesabschnitts .

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