Buhrufe und Pfiffe gegen Froome und Team Sky

Madiot: “Der Radsport hat ein Glaubwürdigkeitsproblem“

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Team Sky dominiert auch 2018 die Tour de France. | Foto: Cor Vos

22.07.2018  |  Carcassonne (dpa) - Die Daumen nach unten, laute Buhrufe für das britische Sky-Team und sogar kleine Schubser gegen Chris Froome: Das Verhältnis zwischen Publikum und der britischen Star-Trupe bleibt äußerst angespannt.

Vor dem Start in die entscheidenden Etappen in der Pyrenäen schlägt Froome und seinem derzeit führenden Co-Kapitän Geraint Thomas eine in dieser Form ungekannte Welle der Antipathie entgegen. "Buhs sind okay, aber berühren oder gar stoßen und damit das Rennen beeinflussen - das geht gar nicht», sagte Thomas, seit der Bergankunft in La Rosière im Gelben Trikot unterwegs. Der Waliser hatte die vergangene Tour nach seinem Sieg im Auftaktzeitfahren von Düsseldorf im "Maillot Jaune" begonnen. Diesmal hat er die Chance, sie in Gelb sogar zu beenden.

Von grenzenloser Begeisterung wird die Tour 2018 jedenfalls nicht begleitet. Marc Madiot, Teamchef von Groupama-FDJ, hat eine Euphorie-Flaute diagnostiziert. "Da muss man nur die Zuschauer an der Strecke fragen. Der Radsport und die Tour de France haben ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wir spüren, dass die Begeisterung zurückgegangen ist. Es ist für Fans völlig unzulässig, die Fahrer zu attackieren, aber die Leute haben ein Recht, verbal zu demonstrieren", erklärte Madiot im französischen Fernsehen.

Froomes nicht sehr befriedigend gelöste Salbutamol-Affäre hat das seit langem schwelende Misstrauen gegen Topleistungen der britischen Super-Equipe weiter beflügelt. Wenn Thomas behauptet, dass "99 Prozent des Pelotons" clean seien, mag das eine steile These sein. Aber handfeste Gegenbeweise fehlen bisher - auch bei dieser Tour.

Froome, der nach seinen Siegen bei Tour und Vuelta 2017 und dem Giro-Triumph im Mai seinen vierten Grand-Tour-Erfolg in Serie anstrebt und damit zu einem einzigartigen Rekordhalter würde, lag bei seiner Kontrolle im vergangenen September weit über dem erlaubten Limit. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der Weltverband UCI halfen ihm aber trotzdem in den Sattel, nachdem der Tour-Veranstalter die Rote Karte gezeigt hatte.

"Die erzählen uns monatelang, dass es ein Problem mit Froome gibt, aber dann wird wie von Zauberhand einige Tage vor dem Tour-Start alles geklärt, alles ist geregelt", kritisierte Madiot die Vorgehensweise von WADA und UCI.

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