Von der öffentlichen Anteilnahme überwältigt

Vogel: “Ich möchte ins Leben zurück“

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Kristina Vogel gibt eine Pressekonferenz im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn. Foto: Annegret Hilse

12.09.2018  |  Berlin (dpa) - Die querschnittsgelähmte Kristina Vogel ist von der Anteilnahme an ihrem Schicksal überwältigt. “Ich hätte niemals gedacht, dass das so eine Welle schlägt. Das war berührend, das war herzzerreißend und hat mir positive Energie gegeben“, sagte die 27 Jahre alte Erfurterin am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn. “Ich habe vor Freude geweint, als ich aus dem Koma erwacht bin und gemerkt habe, welche Anteilnahme es auf der ganzen Welt gibt“, so Vogel, die sich nach ihrem Spiegel-Interview erstmals öffentlich äußerte.

Seit zweieinhalb Monaten wird die Olympiasiegerin, die seit ihrem Trainingssturz vom 26. Juni vom siebten Brustwirbel abwärts gelähmt ist, in der Berliner Spezialklinik behandelt. Am Wochenende fährt sie zum ersten Mal nach dem Unfall für ein paar Tage nach Hause nach Erfurt. “Ich möchte ins Leben zurück“, sagte Vogel den etwa 80 Journalisten. Ihre Reha will sie in Marzahn bis Weihnachten fortsetzen und danach in ihr neu gebautes Haus in Erfurt umziehen.

Seit dieser Woche dürfe sie “schon wieder richtig Sport machen“, sagte Vogel. “Ich war gestern schon beim Rollstuhltraining. Der Ehrgeiz ist geweckt.“ Sehr dankbar sei sie ihrer Familie, ihrem Lebensgefährten Michael und der Bundespolizei, die ihr alle Kraft gegeben hätten. “Michael hat die ersten Nächte auf dem Stuhl nebenan geschlafen“, erzählte sie. “Ich hab' durch ihn einen sicheren Halt. Ich weiß: Er ist immer für mich da.“ Athletensprecherin des Weltverbandes UCI wolle sie “auf alle Fälle“ bleiben.

Zu einer möglichen zweiten Karriere als Paralympics- Sportlerin wollte sie sich nicht konkret äußern, die zweimalige Olympiasiegerin und elfmalige Weltmeisterin deutete aber an: “Vielleicht hole ich meine zwölfte Goldmedaille woanders.“ Ihr Manager Jörg Werner betonte, es sei nicht zwingend, dass Kristina Vogel im aktiven Sport bleibe. Sie habe “viele andere Möglichkeiten.“

Durchhaltewillen, Entschlossenheit und Optimismus werden der in Kirgisistan geborenen Sportlerin helfen, auch ihr neues Leben im Rollstuhl zu meistern. Materiell kommen Spenden und Versicherungszahlungen dazu. Eine Sport-Versicherung zahlt 150.000 Euro, bei einer Spendenaktion ihres Chemnitzer Erdgas-Teams unter dem Motto #staystrongkristina sind rund 120 000 Euro zusammengekommen.

Bereits 2009 hatte Vogel einen schweren Trainingssturz erlitten. Der damals 18-Jährigen hatte ein Kleinbus die Vorfahrt genommen. Sie lag zwei Tage im Koma, erlitt zahlreiche Brüche am Brustwirbel, an der Hand, am Arm, am Kiefer und verlor fast alle Zähne. Es folgten unzählige Operationen und Reha-Maßnahmen. Noch heute sind die Narben in ihrem Gesicht zu sehen.

Vielleicht sei dieser Unfall die “Vorbereitung auf jetzt“ gewesen. “Die Kraft, die ich 2009 dadurch erlangt habe, die hat mir nun geholfen“, erzählte sie neun Jahre später.

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