Münsteraner muss für Professur kürzer treten

Westmattelmanns emotionaler Abschied beim Münsterland Giro

Von Christoph Adamietz

Foto zu dem Text "Westmattelmanns emotionaler Abschied beim Münsterland Giro"
Daniel Westmattelmann (Lotto-Kern Haus) in seiner Paradedisziplin, dem Zeitfahren | Foto: ROTH

04.10.2018  |  (rsn) – Noch eine Spur emotionaler als für Sieger Max Walscheid (Sunweb) war der Sparkassen Münsterland Giro (1.HC) am Mittwoch für Daniel Westmattelmann (Lotto-Kern Haus). Der 30-jährige Lokalmatador stand bereits zum elften Mal bei seinem Heimrennen am Start – es war zugleich seine letzte Teilnahme. Denn der Zeitfahrspezialist wird in wenigen Tagen das Rad an den Nagel hängen.

“Bis zur Teampräsentation habe ich noch nicht so richtig realisiert, dass es mein letztes Heimrennen ist, aber als meine Eltern und viele alte Weggefährten vor der Bühne standen, musste ich schon etwas mit den Emotionen kämpfen“, erklärte Westmattelmann gegenüber radsport-news.com.

In Münster führte das Rennen direkt an seiner Wohnung vorbei. "Und ich konnte meinen Arbeitsweg zum Schlossplatz in neuer Rekordzeit bewältigen. Auf den Zielrunden konnte ich auch nochmal die einmalige Stimmung in Münster aufsaugen und wurde im Ziel von Freunden und meiner Familie mit offenen Armen empfangen“, so der Münsteraner, der mit 13 Minuten Rückstand das Ziel erreichte – was an diesem Tag Nebensache war.

Dass bei seinem Abschied ausgerechnet sein ehemaliger Teamkollege Walscheid gewann, freute Westmattelmann dabei ganz besonders. "Wir haben gemeinsam auf dem Rad viel erlebt. Max hat sich den Erfolg hart erarbeitet“, sagte er.

Westmattelmann Entscheidung mit dem ambitionierten Radfahren aufzuhören, hat vor allem berufliche Gründe. “Nachdem ich im Frühjahr meine Promotion abgeschlossen habe, konnte ich vermehrt geschäftsführende Tätigkeiten an der Uni übernehmen und unterstütze seitdem meinen Chef bei der Betreuung der Doktoranden. Da ich eine Professur anstrebe, möchte ich mich nach meinem Karriereende stärker der Wissenschaft und den damit verbundenen Tätigkeiten widmen. Das bedeutet für mich, dass ich in den nächsten Jahren häufiger im Ausland unterwegs sein werde. In den letzten Jahren konnte ich Sport und Beruf noch gut unter einen Hut bekommen, aber um meine nächsten Karriereziele erreichen zu können, muss ich im Sport deutlich kürzer treten“, erklärte der an der Uni Münster beschäftigte Westmattelmann.

Mit in die Entscheidung spielte aber hinein, dass sich der Allrounder noch immer nicht in Gänze von seinem schweren Sturz im Vorjahr erholt hat, als er beim Bundesliga-Rennen in Cottbus von einem Begleitmotorrad angefahren wurde. "Obwohl der Sturz mittlerweile über ein Jahr her ist, habe ich immer noch Probleme mit dem Rücken, da die Schrauben und Platten nicht mehr entfernt werden und somit zwei Wirbel steif bleiben. Gerade bei der DM im Zeitfahren war das für mich der limitierende Faktor. Daher glaube ich trotz einjähriger Reha-Maßnahmen nicht, dass ich zu 100 Prozent wieder an die alten Leistungen hätte anknüpfen können“, berichtete der Vierte der Zeitfahr-DM von 2014.

Seine beiden letzten Rennen wird Westmattelmann beim Bundesliga-Abschluss am Bilster Berg und dem Zeitfahrwettbewerb Chrono des Nations bestreiten, ehe er ab 2019 “neue Ziele“ verfolgt. Seinem aktuellen Team Lotto-Kern Haus, bei dem er “fünf wunderbare Jahre“ hatte, könnte Westmattelmann noch mit seiner Expertise verbunden bleiben. "Gerade im Zeitfahrbereich werde ich das Team gerne weiterhin unterstützen, denn es wäre ja sehr schade, wenn das Know-How, das ich mir mühsam mit Sven Faber und Max Walscheid beim TWZK erarbeitet habe, ungenutzt bliebe“, sagte er abschließend.

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