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"Ich habe großen Mist gebaut."
(Rückkehrer Patrik Sinkewitz zu seiner Dopingvergangenheit)
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17.06.2001 -
Berlin (dpa) - Willy Voet, rechtskräftig verurteilter ehemaliger Festina-Betreuer, stellt alle Toursieger der vergangenen Jahre an den Doping-Pranger. «Mir ist kein Toursieger bekannt, der ohne Doping gewonnen hat. Ich bin zwar seit drei Jahren weg, aber zu meiner Zeit waren nicht weniger als 95 Prozent der Fahrer gedopt, und die Vorfälle beim Giro zeigen: Es geht weiter so», sagte der Belgier, der 1998 als Drogen-Kurier, -Beschaffer und persönlicher Pfleger Richard Virenques im Mittelpunkt des Tour-Skandals stand und danach zwei «Enthüllungsbücher» schrieb.
Die alt bekannten, massiven Anschuldigungen, pauschal auch an das Team Telekom gerichtet, wies Aloys Berg, Chef der Uni-Klinik Freiburg und damit oberster medizinischer Betreuer der Fahrer um Jan Ullrich zurück: «Systematisches Doping gibt es bei Telekom nicht.» Auch Wilhelm Schänzer, Leiter des Anti-Doping-Labors in Köln, wandte sich in einer Diskussions-Runde im ZDF-Sportstudio gegen Vorverurteilungen: «Wir müssen mit Beweisen arbeiten, nicht mit Vermutungen.»
Schänzer geht wie Ex-Profi Tony Rominger (Schweiz) davon aus, dass sich die Zahl der angeblich 64 Ermittlungsverfahren gegen Fahrer, bei denen die Polizei im Zuge der Doping-Razzia beim Giro d`Italia fündig wurde, verringern wird. «Wenn bei 60 Fahrern Medikamente gefunden wurden, heißt das nicht, dass sie gedopt haben», sagte Schänzer und spielte dabei auch auf Ullrich an, dessen Asthma-Erkrankung von einem Lungenfacharzt - so Berg - attestiert ist und Kortison-Gaben somit nicht gegen Doping-Bestimmungen verstoßen.
Die «Süddeutsche Zeitung» und der «Spiegel» hatten darauf verwiesen, dass bis zu 80 Prozent aller Leistungssportler an Asthma litten, während im Bevölkerungs-Durchschnitt nur etwa vier Prozent darüber klagten. Darauf spielte auch Voet («Ich habe 30 Jahre Fahrer gedopt») an, als er sagte: «Ullrich sagt, er hat ein Pollen-Problem. Aber die Champions sind immer krank.» Die neue Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer, Sylvia Schenk, kündigte erhöhte Kontrollen im Training an. Ihr Rezept gegen Doping: «Kontrollieren - harte Strafen - Prävention im Jugendbereich.»
Der Olympiasieger aus Merdingen hatte sich gelassen zu möglicherweise bevorstehenden formalen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Florenz geäußert. «Ich bin Asthmatiker. Gegen meine Beschwerden nehme ich Sprays, Tabletten, und wenn es schlimm kommt, Kortison. Das ist kein Problem, steht in meinem Gesundheitspass, ist unserem und dem internationalen Arzt bekannt.» Ullrich hatte in der vergangenen Woche mit Andreas Klöden und Udo Bölts einige Passagen der am 7. Juli beginnenden Tour de France inspiziert und bestritt vor mehr als 20 000 Zuschauern ein 77-Km-Kriterium in Saulgau in Baden Württemberg.
Telekom-Teamsprecher Olaf Ludwig empörte sich über die Anschuldigungen: «Bis heute haben wir aus Italien keinen Brief, kein Fax - gar nichts. Trotzdem wird seit einer Woche auf dem Thema herumgeritten, von «Schwarzen Listen» und «Ermittlungen» gesprochen und geschrieben. Auch wenn sich aufklären wird, dass Doping-Vorwürfe gegen uns nicht haltbar sind, wird etwas hängen bleiben. Es gibt einen Imageschaden für das Team und Ullrich.» Ullrich-Manager Wolfgang Strohband erwägt gerichtliche Schritte gegen die italienischen Behörden wegen Verleumdung.
«Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Die Experten in Italien ermitteln jetzt, ob die Medikamente mit meinem Gesundheitspass übereinstimmen. Wenn das geschehen ist, ist der Sturm im Wasserglas vorbei», schrieb Ullrich auf seiner Homepage. «Bild am Sonntag» präsentierte unter der Überschrift «Doping - Ein Profi packt aus» einen anonymen Bekenner. Der ungenannte deutsche Ex-Profi - Autorenzeile: xxx - hätte «jahrelang, jeden Tag» gedopt, sei die Tour, die Vuelta und den Giro für verschiedene Teams gefahren: «Wer im Geschäft ist, muss lügen, weil es um Millionen geht.»
Am Mittwoch wollen Ärzte in Paris der für die Tour qualifizierten Teams über einen möglichen Boykott beraten. «Wir brauchen verbindliche Richtlinien, welche Medikamente in welchen Mengen transportiert werden dürfen», sagte Gerard Guillaume, Teamarzt bei La Francaise des Jeux. «Diese Forderungen sind natürlich sinnvoll. Aber von der Unterredung der Ärzte weiß ich nichts», sagte am Sonntag Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich.
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