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21.09.2000 - Sydney (dpa) - Sydney war für Jens Fiedler aus Chemnitz nicht die Stadt seiner Träume. Wie im Sprint musste sich der 30-jährige Olympiasieger von Barcelona und Atlanta auch im Keirin Gold «abschminken» und mit der Bronzemedaille zufrieden geben.
Bei der Olympia-Premiere dieses Wettbewerbs blieb dem Weltmeister der vergangenen beiden Jahre zum Abschluss der Bahn-Wettbewerbe im Dunc Gray-Velodrom nur Rang drei hinter Olympiasieger Florian Rousseau aus Frankreich und dem Australier Gary Neiwand. Jan van Eijden (Dudenhofen) wurde direkt hinter seinem Teamkollegen und großen Favoriten Vierter.
Auch wenn er es nicht so zeigte, schmerzte die verpasste Chance mehr als am Vorabend, an dem Fiedler als erster Sprinter überhaupt zum dritten Mal in Folge die Goldmedaille hätte holen können. «Ich bin nicht unglücklich, am Ende haben eben 15 Zentimeter gefehlt. Vielleicht stand ich heute unter zu einem starken Druck. Wenn Gold so nahe ist, braucht die Freude eben etwas länger», sagte Fiedler, der mit seiner Taktik - früher Angriff - wie im Sprint wieder daneben gelegen hatte.
Seine Behauptung «wenn das Rennen eine halbe Runde länger gegangen wäre, hätte ich gewonnen», konnte ihn auch nicht trösten. Trotzdem blieb das Kraftpaket aus Sachsen seinem Ruf als Sonnyboy treu. «Kein Problem - in Athen bin ich wieder dabei, mit dann 34 Jahren geht das locker», erklärte Fiedler, der bei der WM im Oktober in Manchester «auf jeden Fall im Keirin» startet. Die Teilnahme am Sprint steht noch nicht fest.
Fiedler war vielleicht der kleine Wermutstropfen in der Bilanz, dennoch konnte Manfred Böhmer, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), am Donnerstag Positives resümieren. «Wir sind sehr zufrieden und fast wunschlos glücklich. Das gute Ergebnis auf der Bahn macht sicher, dass wir keine Mittel-Kürzungen befürchten müssen. Wir haben aber auch Mängel - besonders im Nachwuchsbereich der Sprinter - registriert. Wir stellen jetzt einen hauptamtlichen Trainer dafür ein», sagte Böhmer. Vor den olympischen Mountainbike- und Straßen-Wettbewerben hat er jetzt sogar das Traum-Ergebnis von Barcelona (vier Mal Gold, je ein Mal Silber und Bronze) im Visier.
Die BDR-Fahrer verabschiedeten aus dem Dunc Gray-Velodrom mit zwei Mal Gold durch den Berliner Robert Bartko (Einzelverfolgung) und im Vierer, je zwei Mal Silber durch Jens Lehmann (Leipzig/ Einzelverfolgung) und Stefan Nimke (Schwerin/1 000 Meter-Zeitfahren) sowie zwei Mal Bronze von Fiedler im Sprint und Keirin.
Die Damen gingen leer aus. Judith Arndt (Frankfurt/Oder) fuhr am Donnerstag haarscharf an der Bronzemedaille im Punktefahren über 25 Km vorbei. Die Sechste in der 3 000 Meter-Einzelverfolgung belegte in ihren ersten Punkterennen Rang vier mit zwölf Zählern. Die Goldmedaille holte sich die Italienerin Antonella Belluti. Silber ging an die Olympiasiegerin in der Verfolgung, Leontien Zijlaard (Niederlande) vor der Russin Olga Slussarjewa.
Bei der Olympia-Premiere im Zweier-Mannschaftsfahren, das genauso läuft wie eine Jagd beim Sechstagerennen, hatte das deutsche Paar Guido Fulst (Berlin)/Olaf Pollack (Cottbus) mit der Vergabe der Medaillen erwartungsgemäß nichts zu tun. Das Duo mit dem Vierer- Olympiasieger Fulst belegte über die 240 Runden (60 Km) Rang sechs. Die erste Goldmedaille für Australien auf der Bahn holte sich das umjubelte Team Scott McGrory/Brett Aitken mit 26 Punkten vor Belgien (Etienne de Wilde/Matthew Gilmore) mit 22 Zählern und Italien (Silvio Martinello/Marco Villa/15). Die Halle stand Kopf. Eine Enttäuschung waren die Sechstage-Stars Bruno Risi/Kurt Betschart aus der Schweiz, die nur Rang elf belegten.
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