Profi-Radsport

Ex-Festina-Chef steht mit Anschuldigungen allein

21.06.2001 -

Berlin/Paris (dpa) - Bruno Roussel steht mit seinen Anschuldigungen alleine. Die am 20. Juli 1997 beteiligten Jan Ullrich und Richard Virenque und ihr Umfeld leugnen einen «verkauften» Ausgang der 14. Etappe der Tour de France. Nur der ehemalige Sportdirektor des Festina-Teams blieb bei den in seinem Buch veröffentlichten Vorwürfen und legte nach.

In den ARD-Tagesthemen sagte der wegen Beteiligung an dem Doping-Vergehen während der Tour 1998 rechtskräftig verurteilte Nachwuchs-Autor Roussel: «Es gibt zwei Zeugen für den Vorfall.» Der Franzose hatte behauptet, Ullrich habe vor vier Jahren den Etappensieg an Virenque für 100 000 Francs (29800 Mark/15200 Euro) «verkauft».

Richard Virenque, vor vier Jahren in Courchevel Etappensieger von Ullrichs Gnaden, erklärte in französischen Zeitungen: «Es geht nur darum, mich weiter zu zerstören und um kostenlose Werbung für Roussels Buch. Ich war damals einfach besser.» Der nach seinem späten Doping-Geständnis bis 15. August gesperrte Virenque will «auf dem schnellsten Weg ein Team finden, um wieder fahren zu können». «Schwachsinn - nicht zu beweisende Anschuldigungen», lautete die Kurzfassung des Ullrich-Dementis. Der Olympiasieger aus Merdingen, in seiner Tour-Vorbereitung erst durch Doping-Unterstellungen aus Italien, dann durch die Roussel-Vorwürfe aus dem Rhythmus gebracht, absolviert zurzeit Trainingsrunden in den Pyrenäen und Alpen.

«Richard ist wie vor den Kopf gestoßen von den Behauptungen. Es ist ein Netz von Lügen, simple Rache, weil Roussel in der Doping- Affäre verurteilt wurde und nicht Richard Virenque», sagte Virenque- Anwalt Eric Hemmerdinger im Gespräch mit den Tagesthemen. «Das ist kompletter Unsinn. Jan und ich sind bei der Tour angetreten, um zu gewinnen. Wenn er Virenque den Sieg überlassen hat, dann deshalb, weil der im Anstieg mehr Arbeit gemacht hat und deshalb ein moralisches Anrecht auf den Erfolg hatte», sagte Ullrichs damaliger Team-Kollege und Vorgänger als Toursieger, Bjarne Riis, in einem Interview mit dem Internetanbieter «Sport1». Telekom-Teamsprecher und Ex-Profi Olaf Ludwig sagte: «Ich schließe aus, dass Geld geflossen ist.»

Geld spiele bei einem solchen «Gentleman`s Agreement» normalerweise keine Rolle, räumte auch Roussel in einem Interview mit der französischen Zeitung «La Voix du Nord» ein. Das Blatt zitierte Roussel: «Normalerweise heißt es: Das Gelbe Trikot für mich, die Etappe für Dich. Aber damals war Ullrich noch ein junger Fahrer.» Praktiken der Großzügigkeit - unabhängig von Geldzahlungen oder nicht - bezeichnete Roussel als branchenüblich: «Die sich im Radsport auskennen, wissen: Diese Praktiken sind gebräuchlich.» Laut Roussel habe es auf dem Weg nach Courchevel «sieben Kilometer vor dem Ziel zwischen beiden Fahrern regelrechte Verhandlungen» gegeben.

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