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26.06.2001 -
Rom (dpa) - Marco Pantani holte zum großen Schlag gegen den zweifachen Tour de France-Sieger Lance Armstrong (USA) aus. Der italienische Rad-Profi, im vergangenen Jahr wegen «Sportbetrugs» zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt, stellte den Texaner unter Doping-Verdacht.
«Mich würde nicht wundern, wenn sich herausstellte, dass auch Armstrongs Blutwerte überhöht sind. Jetzt ist alles möglich», sagte der Italiener der Sportzeitung «La Gazzetta dello Sport», die die Pantani-Aussagen in einer Fernseh- Sendung vorab veröffentlichte. Nachträgliche Analysen eingefrorener Urin-Proben Armstrongs der vergangenen Tour hatten im April keinen Hinweis auf das Blut-Doping-Mittel EPO gegeben.
Das Interview des vor dem Karriereende stehenden Giro- und Tour- Siegers von 1998, dem ein zweites Gerichtsverfahren wegen Doping droht, wird im italienischen Pay-TV-Sender «Sport-Stream» ausgestrahlt. Darin äußerte sich Pantani generell zum Doping-Problem im Radsport und kommt trotz der Vorfälle 1998 bei der Tour und zuletzt beim Giro zu dem pessimistischen Schluss: «Es hat sich nichts geändert, alles läuft so weiter wie bisher.» Unter der Überschrift: «Pantani packt aus und zieht sogar Armstrong mit hinein» kommentierte die Sport-Tageszeitung «Gazzetta dello Sport» den «zynischen Redeschwall» des charismatischen Profis: «Jetzt hat er sich endgültig im Radsport isoliert.»
Pantani, der 1999 wegen erhöhter Blutwerte im Rosa Trikot beim Giro disqualifiziert wurde, erklärte, die Doping-Kontrolleure seien nicht auf der Höhe der Zeit. Im Radsport existiere keine Doping- Kultur, aber eine Kultur des ständigen Verbesserungswillens. Das bedeute laut Pantani, dass «man illegale Dinge tut, die erst bei Entdeckung illegal werden». Die Athleten kämpften so nicht mit gleichen Waffen. Pantani: «Jeder zweifelt am Kollegen. Du hast Angst vor allem und kannst niemandem mehr trauen.»
Pantani, von der diesjährigen Tour ausgeschlossen, beschrieb sich selbst als Unschuldslamm und empfahl weiter staatliches Vorgehen gegen Doping: «Der Staatsanwalt ist die letzte Rettung.» Bei der vergangenen Tour de France war der 31-jährige Italiener heftig mit Armstrong aneinander geraten, nachdem der Amerikaner dem Kletterspezialisten den Etappensieg auf dem Mont Ventoux überlassen hatte und sich danach den Vorwurf der Arroganz gefallen lassen musste. Seinen Tour-Ausschluss hat Pantani noch nicht verwunden: «Die Tour wird unter meiner Abwesenheit leiden, auch wenn das die Franzosen niemals zugeben würden.»
Die bei der Razzia während des Giro d`Italia am 6. Juni in San Remo sichergestellten rund 300 verschiedenen Medikamente seien bis Ende nächster Woche analysiert, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft Florenz mit. Am 5. Juli, zwei Tage vor dem Tourstart in Dünkirchen, soll mit den Verhören gegen 86 Personen - Fahrer, Ärzte, Betreuer - begonnen werden. Die Ausländer, gegen die ein formales Verfahren eingeleitet wird, sollen laut Staatsanwaltschaft von Interpol vernommen werden.
Das könnte theoretisch auch Jan Ullrich (Merdingen) blühen, bei dem während der Giro-Razzia ein Kortekoid haltiges Asthma-Spray gefunden wurde. Dafür hatte der Tour-Sieger von 1997 allerdings ein ärztliches Attest, so dass der Besitz des ansonsten verbotenen Medikaments nicht gegen die Anti-Doping-Regeln verstößt.
Das spanische Sport-Ministerium und der spanische Radsport-Verband beschlossen, ab sofort auch Doping-Kontrollen nach dem neuen Urin- Test-Verfahren des französischen Instituts Chatenay-Malabry vorzunehmen. Im Gegegensatz zu Italien und Frankreich galt Spanien bisher im Kampf gegen Doping weniger engagiert.
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