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05.03.2002 -
Berlin/Freiburg (dpa) - Jan Ullrich tritt - unfreiwillig - wieder einmal auf der Stelle. «Aqua-Jogging» anstatt Murcia-Rundfahrt: Das vom Physiotherapeuten wegen seines überlasteten Knies verschriebene Schon-Programm lässt den Olympiasieger in seiner Vorbereitung nach einer schweren Erkältung zum Jahreswechsel und ersten Beschwerden am Gelenk im Februar weiter Boden verlieren.
Sein großer Widersacher Lance Armstrong sagte die Murcia- Rundfahrt in Spanien wegen Magenproblemen zwar auch ab, aber das hilft Ullrich nicht viel weiter. Das große Ziel des Telekom-Kapitäns, die Tour de France nach 1997 ein zweites Mal zu gewinnen, scheint in weite Ferne gerückt.
Bei Team Telekom heißt die Devise: «Nur keine Panik» (Teamchef Rudy Pevenage). Der Belgier will auch mit Worten dafür sorgen, dass bei seinem sensiblen Schützling nicht etwa Unlust oder Resignation Platz greifen. «Jan darf jetzt erstmal vier Tage nicht auf`s Rad. Aber im Vergleich zu seinen ersten Beschwerden, die ihn im Februar zwangen, sein Trainingslager in Südafrika zu unterbrechen, geht es ihm schon besser. Ich hoffe, dass er Ende März bei der Katalanischen Woche anfangen kann», sagt Pevenage. Zum Trost verweist er auf den Überraschungs-Fahrer der vergangenen Tour: «Oscar Sevilla fährt erst im Mai seine ersten Rennen.»
Auch Teamarzt Lothar Heinrich sieht «im Augenblick keinen großen Nachteil gegenüber der Konkurrenz». Und Ullrich selbst meint: «Die Murcia-Rundfahrt ist für meinen Formaufbau nicht unbedingt notwendig.» Das Rennen wäre nur als «Abwechslung vom Trainingsalltag» willkommen gewesen. Auf seiner Homepage beruhigte der 28-Jährige seine Fans, die ihm nach seiner Rückkehr aus Südafrika im Gasthaus Keller in Merdingen einen besonders herzlichen Empfang bereitet hatten: «Kein Grund zur Sorge, denn ich habe bisher schon gut arbeiten können.»
Ullrichs Rückstand auf den als besonders eifrigen Trainierer bekannten Armstrong dürfte sich auf rund vier Wochen summiert haben. Weitere Fehltage kommen jetzt hinzu. Kaum anzunehmen, dass sich Ullrich beim frühen Saisonstart im Januar bei der Katar-Rundfahrt ein Polster geschaffen hat, von dem der Zeitfahr-Weltmeister jetzt zehren könnte. Unter Umständen ist er ein Opfer seiner Ansprüche geworden. Sein Berliner Trainer Peter Becker und Ullrich hatten nach Saisonende erklärt, im Kampf gegen Armstrong die eigenen Stärken noch ausbauen zu wollen. Also noch mehr Power gegen den leichtfüßigen Texaner. Im Krafttraining hat Ullrich jetzt offensichtlich übertrieben.
«Er leidet an einer Überlastung. Zuletzt hatte er beim Grundlagen- Training in Südafrika auch nach mehr als 200 Kilometer keine Probleme. Sobald er aber mal richtig draufgetreten hat, kamen die Beschwerden wieder», erklärt Heinrich. «Natürlich wären Valencia- und Murcia-Rundfahrt besser gewesen. Aber diese geplanten Rennen waren ja nur ein Teil seiner Vorbereitung», so Pevenage, der das Wort «Rückschlag» ausdrücklich vermeidet. Altmeister Rudi Altig glaubt das Rezept zu kennen, wie der dreifache Toursieger Armstrong dennoch zu bezwingen ist: «Jan muss richtige Lust am Radfahren haben - dann schlägt er ihn. Er ist das größere Talent.»
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