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19.07.2001 -
Chamrousse (dpa) - Jan Ullrich hat seinen Kampf gegen das Phänomen Lance Armstrong noch nicht aufgegeben. «Es besteht die Möglichkeit, Lance noch zu packen. Die Lage ist nicht so, dass ich aufgeben müsste», sagte der Tour-Sieger von 1997 im schmucklosen Hotel am Autobahn-Kreuz, nachdem er beim Bergzeitfahren in Chamrousse die zweite Niederlage innerhalb von 24 Stunden eingesteckt hatte.
3:34 Minuten Rückstand gegen den «Held der Alpen», wie der «Dauphine Libere» schwärmte, scheinen uneinholbar. Doch Ullrich vertraut seiner Form, seinem Team, hofft auf Allianzen mit den Once-Fahrern Beloki und Galdeano und auf das Gesetz der Serie.
Armstrong selbst gab dieser Hoffnung Nahrung: «Ich habe meine Anstrengungen immer bezahlen müssen, im Vorjahr in Joux-Plane, 1999 auf dem Soulor. Ich werde mit meinen Kräften auf den kommenden drei Pyrenäen-Etappen haushalten.» Aber Ullrich ist spätestens seit L`Alpe d`Huez gewarnt, dass Worte auch täuschen können: Der zweifache Tour-Sieger aus den USA liebt es, zu pokern, zu fintieren und zu schauspielern, obwohl er im «Herald Tribune», angesprochen auf seine Verbindungen mit dem umstrittenen Mediziner Michele Ferrari, gestand: «Wenn ich lüge, verliere ich. Warum sollte ich also lügen?»
Ullrich wirkt entschlossener als im Vorjahr. Für die Pyrenäen hat er sich einiges vorgenommen: «Wir müssen früh attackieren und Lance nicht mehr wie bei der L`Alpe d`Huez-Etappe mit zum letzten Berg schleppen.» Dabei erwartet der deutsche Meister aus Merdingen auch eine «Zusammenarbeit» mit dem Once-Team, das seine Spitzenfahrer auch auf das Treppchen in Paris bringen will. In L`Alpe d`Huez wartete der 27-jährige Olympiasieger, dem sein aus Berlin angereister Trainer Peter Becker den Rücken stärkte, allerdings vergeblich auf Unterstützung der Konkurrenz.
Auch Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, seit Jahren Ullrich-Intimus, scheint die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben: «Jan ist jetzt nicht so weit weg von seiner Form von 1997. Ich habe ihn noch nie bei einer Tour so ruhig erlebt - das ist ein gutes Zeichen.» Telekom will in den Pyrenäen ein Feuerwerk abbrennen. Ob es Armstrong beeindruckt, der gerade dort mit großen Leistungen seiner spanischen Bergspezialisten Jose-Luis Rubiera und Roberto Heras rechnet, wird sich zeigen. Selbst Pevenage musste zugeben, dass der Texaner im Moment in einer anderen Liga fährt: «Mit diesem Armstrong hätte auch ein Miguel Indurain Schwierigkeiten gehabt. In L`Alpe d`Huez wäre höchstens ein Pantani in Topform mitgekommen.»
Ullrich kennt die drei Etappen in den Pyrenäen in- und auswendig: «Im Training vor der Tour bin ich sie abgefahren, ich kenne jeden Meter. Das ist ein riesiger Vorteil.» Mit einem zweistündigen Training hat sich Ullrich am Ruhetag auf die bevorstehende Tour-Entscheidung eingestimmt. Das Teilstück am Samstag nach Saint-Lary-Soulain mit sechs Anstiegen verbreitet unter den Fahrern Angst und Schrecken. «Ich könnte mit dem zweiten Platz auch zufrieden sein. Aber ich bin gekommen, um die Tour zu gewinnen», gab sich Ullrich vor dem Abflug von Grenoble nach Perpignan wild entschlossen.
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