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19.07.2001 -
Chamrousse (dpa) - Gut, besser, Armstrong - der Auftritt des amerikanischen Radprofis bei der Tour de France lässt die Widersacher verzweifeln. Scheinbar mühelos kontrolliert der Vorjahressieger das Geschehen, wie selbstverständlich pariert er die Gegenwehr der Konkurrenten.
Trotz gewissenhafter Vorbereitung und starker Form muss auch Hauptgegner Jan Ullrich die Klasse von Armstrong neidlos anerkennen: «Was er leistet, ist phänomenal. Als er vor L`Alpe d`Huez angetreten ist, dachte ich, er hat oben zehn Minuten Vorsprung.»
Nur einen Tag nach seinem überlegenen Sieg im Radsport-Mekka gab Armstrong beim schweren Bergzeitfahren erneut eine Kostprobe seines Könnens. Ullrich kam nach der 32 Kilometer langen Schinderei hinauf nach Chamrousse eine Minute später ins Ziel, ein Klassemann wie Joseba Beloki (Spanien) büßte gar 1:35 Minuten ein. «Mit diesem Armstrong hätte selbst Indurain Probleme gehabt», urteilte Rudy Pevenage, Sportlicher Leiter beim Team Telekom.
Auch wenn sich der zweimalige Tour-Sieger anschickt, in die Fußstapfen von Radsport-Legenden wie Anquetil, Merckx, Hinault und Indurain zu treten, hält sich die Euphorie vor allem bei den Franzosen in Grenzen. «Zwischen Bewunderung und Ablehnung. Wie weit blufft er uns», titelte die Sportzeitung «L`Equipe» in Anspielung auf die von Armstrong erst spät zugegebene Verbindung zum umstrittenen Mediziner Michele Ferrari, auf den im September ein Doping-Prozess wartet.
Bereits die seit Januar anhaltenden Doping-Ermittlungen der Pariser Staatsanwaltschaft gegen Armstrong hatten die Tour-Gastgeber misstrauisch gestimmt. Seine erst vor wenigen Tagen bekannt gewordene Zusammenarbeit mit Ferrari verstärkte den Verdacht, dass bei Armstrong nicht alles mit rechten Dingen zugehen könnte. Die Tipps des italienischen Wissenschaftlers sollen dem 29-Jährigen im Herbst beim Angriff auf den von Chris Boardman gehaltenen Stundenweltrekord (49,441 km) nützlich sein.
Auch aus anderen Gründen sind die Franzosen nicht besonders gut auf Armstrong zu sprechen. Die Aussagen im Anschluss an den grandiosen Sieg in L`Alpe d`Huez, mit der Konkurrenz gespielt zu haben, empfanden viele als arrogant. Der Entschluss des Alleinherrschers von US Postal, bei der Tour auf die Hilfe seines französischen Teamgefährten Cedric Vasseur zu verzichten, trug ebenfalls nicht zu einer großen Wertschätzung in Frankreich bei.
Gleichwohl hegt niemand Zweifel, dass Armstrong zum dritten Mal in Folge den Tour-Thron besteigt. Spätestens nach den drei schweren Etappen in den Pyrenäen wird der von einer Krebserkrankung genesene Texaner, derzeit mit 13:07 Minuten Rückstand auf Francois Simon Dritter im Gesamtklassement, im Gelben Trikot erwartet. Trotz aller Dominanz hat Ullrich-Teamgefährte Udo Bölts die Hoffnungen auf einen Einbruch von Armstrong aber noch nicht aufgegeben: «Er ist momentan gut drauf. Aber nicht jeder Tag ist wie der andere.»
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