Profi-Radsport

Jaksche prophezeit Ullrich schwere Stunden in den Pyrenäen

20.07.2001 -

Perpignan (dpa) - Radprofi Jörg Jaksche prophezeit seinem früheren Chef Jan Ullrich schwere Stunden in den Pyrenäen. «Unsere Teamleiter Manolo Saiz hat einen guten Draht zu US Postal. Wenn es zu Allianzen kommt, dann eher wir mit Armstrong, als wir mit Telekom», sagte der 24-jährige Ansbacher vor den drei schweren Pyrenäen-Etappen, die die 88. Tour de France entscheiden werden.

«Ihr seid an der Reihe», forderte die L`Equipe» auf ihrer Titelseite die vier Armstrong-Herausforderer Ullrich, den Jaksche-Team-Kollegen Joseba Beloki (Spanien), den Franzosen Christophe Moreau und den Kasachen Andrej Kiwilew zum Angriff auf. 12 Anstiege an drei Tagen: Der Weg von Perpignan nach Luz-Ardiden ist beschwerlich.

Ullrich bildet im Kampf um Rang zwei für Beloki und seinen Helfer Igor Galdeano den Hauptangriffspunkt. Armstrong, der die Tour in den Alpen an sich gerissen hat, obwohl er immer noch nicht das Gelbe Trikot trägt, erscheint den Spaniern offensichtlich unantastbar. «Wenn ich es hinterher nicht noch ein Mal im Fernsehen gesehen hätte, hätte ich es nicht gelaubt, wie Armstrong auf dem Weg nach L`Alpe d`Huez abgegangen ist», staunte der Vorjahres-Dritte Beloki noch drei Tage später. «Beloki soll in Paris auf das Treppchen, dafür wird auch Galdeano alles geben. Er ist unser Mann», meinte Jaksche, der seinen Wechsel von Telekom zu Once im Vorjahr nicht bereut hat. Seinem ehemaligen Mannschafts-Kollegen Ullrich rät er: «Wenn er noch eine Chance haben will, muss er sofort angreifen. Das letzte Zeitfahren in Montlucon wird zwischen ihm und Armstrong, so oder so, nicht mehr viel ändern können.»

Den Kampf um seinen dritten Toursieg in Folge führt Armstrong mit starken Beinen und Köpfchen. Seine schauspielerische Einlage, als er auf der Königsetappe in den Alpen erst den Leidenden spielte und dann zuschlug, imponierte Jaksche: «Ich fand das stark, Oscar-verdächtig. Alle sportlichen Leiter denken doch jetzt mit Fernsehen im Begleitwagen und Verkabelung aller Fahrer, Radsport ist wie Schach. Armstrong hat alle geblufft.» Wahrscheinlich fiel auch seine herzliche Umarmung von Beloki und Galdeano beim Abflug von Grenoble nach Perpignan auf dem Flughafen eher ins Fach der Schauspielkunst.

Eine wahre Herzensangelegenheit ist dem vom Krebs geheilten Bestseller-Autor und Radprofi dagegen besonders die schwerste Pyrenäen-Etappe nach Saint Sary-Soulon, die Telekom-Teamchef Rudy Pevenage mit der Königsetappe nach L`Alpe d`Huez auf eine Stufe stellt. Armstrong und die anderen werden auf dem Col d`Aspet die Stelle passieren, an der sein damaliger Team-Kollege und Freund Fabio Casartelli bei einer rasenden Abfahrt tödlich verunglückte. Ein Gedenkstein erinnert an den tragischen Unfall vom 18. Juli 1995. «Armstrong wird an diesem Tag mit zwei Herzen in der Brust fahren. Ob er die braucht?» fragte die «L`Equipe».

Der Texaner scheint für die kommenden Tage vorbereitet, obwohl sein ohnehin um einen Fahrer reduziertes Team einer Krankenstation gleicht. «Hamilton hat noch Magenprobleme, Heras` Knie macht weiter Probleme. Rubiera ist der Schlüssel für die Pyrenäen», meinte US Postal-Teamchef Bruyneel. Wie Ullrich war auch Armstrong im Juni alle Tourpässe abgefahren. Bei einem Härtetest auf dem Tourmalet war der Texaner fünf Minuten vor fast allen Teamkollegen am Gipfel. Nur Heras, einer der ausgewiesen besten Kletterer der Welt, konnte einigermaßen mithalten.

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