Profi-Radsport

Armstrong überragend - Ullrich verliert - Cardenas siegt

20.07.2001 -

Ax-Les-Thermes (dpa) - Der Traum vom zweiten Toursieg rückt für Jan Ullrich in immer weitere Ferne. Dagegen ist Lance Armstrong seinem dritten Erfolg in Folge einen weiteren Schritt näher gekommen. Der erneut überragende zweifache Toursieger aus den USA ließ sich auf der ersten von drei Pyrenäen-Etappen von Perpignan nach Ax-Les-Thermes nicht aus dem Rhythmus bringen und vergrößerte seinen Vorsprung auf Ullrich dank einer erfolgreichen Attacke kurz vor dem Ziel auf 4:05 Minuten.

Der 29-jährige Armstrong verpasste seinen dritten Etappensieg in Folge auf Rang drei nur um 15 Sekunden. «Lance ist so überzeugt von sich, dass er wusste, wie gut seine Beine sind. Ich hatte mir zu Beginn des Schlussanstiegs vorgenommen, zu attackieren, aber heute war wieder nichts drin. Ich werde es weiter versuchen», sagte Ullrich. Am Samstag folgt die schwerste Pyrenäen-Etappe mit sechs Bergwertungen.

Beide Tourfavoriten hatten sich auf dem 9,1 km langen Schlussanstieg ins Ziel der 12. Etappe auf dem 1375 Meter hoch gelegenen Plateau de Bonascre einen großen Kampf geliefert. Ullrich, den Armstrong 1,5 km vor dem Ziel ähnlich wie auf dem Weg nach L`Alpe d`Huez mit einem Blick zurück stehen ließ, verlor weitere Sekunden auf den Texaner. Den Tagessieg nach 166,5 km holte sich der Kolumbianer Felix Cardenas im Alleingang. Der Franzose Francis Simon, seit L`Alpe D`Huez im Gelben Trikot, konnte seine führende Position im Gesamtklassement der 88. Tour de France noch ein Mal verteidigen.

Überschattet wurde die 12. Etappe vom schweren Sturz des Niederländers Bram de Groot, der mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Mit ihm war der Russe Sergej Iwanow bei der Abfahrt vom Col de Jau zu Fall gekommen und brach sich das Schlüsselbein. Der Zustand des 26-jährigen de Groot ist kritisch, er wird künstlich beatmet.

Alexander Winokurow sollte der Telekom-Joker sein. Der Olympia-Zweite aus Kasachstan wurde in einer Verfolgergruppe mitgeschickt. Zehn Fahrer waren dem Italiener Paulo Bettini, der alleine fuhr, und dem ehemaligen Träger des Gelben Trikots, Stuart O`Grady (Australien), auf den Fersen. 50 Kilometer und drei Steigungen vor Etappenende war die Winokurow-Gruppe aber vom Feld gestellt worden. Armstrongs US-Postal-Mannschaft hatte das Tempo forciert. Zu diesem Zeitpunkt machte das Team des Titelverteidigers, das auf manchen vorangegangenen Etappen Schwächen gezeigt hatte, einen starken Eindruck. Die Verfolgungsarbeit hatte Armstrong ohne Folgen weggesteckt.

O`Grady war es bei der Flucht, die er zusammen mit Bettini 98 km vor dem Ziel initiiert hatte, nur um die Punkte beim Zwischensprint in Belcaire 37 km vor dem Zielstrich gegangen. Der Träger des Grünen Trikots baute seinen Vorsprung in der Punktwertung aus und ist heißer Anwärter auf den Sieg in dieser Kategorie, die Erik Zabel (Unna) in den vergangenen fünf Jahren dominiert hatte. Nach Belcaire ließ sich der Australier ins Hauptfeld zurückfallen und verlor auch dort schnell den Kontakt.

Groot und Iwanow, Etappensieger von Aix-les-Bains, stürzten auf der Abfahrt vom 1506 Meter hohen Col de Jau schwer. Der Niederländer wurde mit einem Helikopter ins Krankenhaus geflogen. Nicht weit entfernt vom Unfallort ereignete sich am 18. Juli 1995 eines der größten Tour-Dramen in der 98-jährigen Geschichte, als der Italiener Fabio Casartelli auf der Abfahrt vom Portet d`Aspet zu Tode stürzte. Den Gedenkstein passiert die Tour-Karawane am Samstag.

Christophe Moreau, Sieger des Prologs in Dünkirchen, im Vorjahr Vierter und vor Etappenstart auf Rang sechs noch aussichtsreich im Rennen, gab wegen einer Gastritis auf. Der Franzose, am Freitag schon früh hoffnungslos zurückgefallen, hatte in diesem Jahr die ersten beiden Tage das Gelbe Trikot getragen.

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