Profi-Radsport

Teamchef Pevenage: «Klöden in zwei Jahren unter den ersten fünf»

25.07.2001 -

Castelsarrasin (dpa) - Nach seiner Erfolgsserie im Frühjahr 2000 wurde er in nächste Nähe zum einzigen deutschen Tour-Sieger gerückt. «Andreas Klöden ist Jan Ullrichs Bruder», schrieb die «L`Equipe», nachdem sich der Berliner durch Siege bei Paris-Nizza und in der Baskenland-Rundfahrt in die Weltspitze katapultiert hatte.

Wenn alles gut läuft, wird der in Cottbus lebende Klöden seine erste Tour de France in Paris als zweitbester deutscher Rad-Profi hinter seinem Chef und Freund Jan Ullrich beenden. Sein Frankreich-Debüt wurde von höchstem Lob begleitet. «Beim Mannschaft-Zeitfahren und auf dem Weg nach L`Alpe d`Huez war er sehr stark. Er hat das Potenzial, in ein, zwei Jahren bei der Tour unter die ersten fünf zu fahren - es liegt an ihm», sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage.

Klödens aktueller Orientierungspunkt ist der Spanier Oscar Sevilla, der als bester Nachwuchsfahrer der Tour im Moment Rang 7 belegt und zu einer der Tour-Entdeckungen wurde. «Mit Oscar bin ich schon viele Rennen gefahren. Was er bringt, traue ich mir auch zu. Ich sage nicht, dass ich irgendwann einmal wie Jan die Tour gewinnen kann. Aber wenn ich noch ein bisschen reifer und härter werde, könnte ich es sicher aufs Podium schaffen», sagte der 26-jährige, der im Team zu den Einkommens-Millionären gehört, nachdem Ullrich-Manager Wolfgang Strohband nach Klödens Großtaten im Frühjahr 2000 klug verhandelte und für seinen zweiten Schützling einen attraktiven Kontrakt mit Telekom bis 2003 abschloss.

Der Debütant - Spitzname: «Hilde» - zog fünf Tage vor Tour-Ende eine positive Bilanz. «Ich bin zufrieden. Wir haben uns als Team gut verkauft. Jan hatte optimale Form und kann sich von niemandem etwas vorwerfen lassen. Er ist an einem zum jetzigen Zeitpunkt wahrscheinlich unbezwingbaren Armstrong gescheitert. In L`Alpe d`Huez wollte ich mich beweisen», sagte Klöden, den das Gütesiegel, als zweitbester Deutscher geführt zu werden, «nicht interessiert» und der bei einer der schwersten Touren der vergangenen Jahre «noch keinen ganz schlimmen Moment» erlebte.

«Es ging bisher mit Ausnahme des Tourmalet ganz gut. Ich hatte ja vom Vorjahr die Erfahrung einer Drei-Wochen-Rundfahrt aus Spanien von der Vuelta, obwohl die Tour natürlich härter ist», meinte Klöden, der am Freitag befreit von taktischen Zwängen beim 61 km langen Einzelzeitfahren von Montlucon nach Saint-Amand-Montrond noch einmal aufdrehen will, «wenn die Beine noch mitmachen.» Wahrscheinlich zu bescheiden peilte er «Platz 15 bis 20» an.

Der im Vergleich zu Ullrich fast zerbrechlich wirkende Klöden (zurzeit 62 kg bei 1,83 m Körpergröße) beschäftigt sich zur körperlichen Ertüchtigung nicht nur mit Radfahren. Jeden zweiten Tag steht eine halbe Stunde Rückengymnastik auf seinem Programm: «Im Dezember in Südafrika habe ich mich beim Jetski-Fahren verletzt und erlitt einen Bandscheibenvorfall», berichtete Klöden, der bisher eine Operation verhindern konnte und sein Leiden konservativ behandelt.

«Nach schweren Bergetappen schmerzt der Rücken etwas, aber das geht schon», sagte Klöden, der zusammen mit seinem Team-Kollegen Kevin Livingston (USA) auf der zweiten Pyrenäen-Etappe gestürzt war.

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