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26.07.2001 -
Brive-La-Gaillarde (dpa) - Die zahlreichen Jubelfeiern der Tour de France hatten dem diesmal so erfolgreichen Sponsor arg zugesetzt. Nach dem Etappensieg in Sarran gratulierte die Privatbank Credit Agricole ihrem Angestellten Jens Voigt in Zeitungsanzeigen auch noch gleich zum Gewinn des Grünen Trikots.
Das trägt zwar seit längerem sein Team-Kollege Stuart O`Grady, aber Voigt sieht das alles nicht so eng, nachdem er in dem knapp 300-Seelen-Dorf Sarran am Nachmittag des 25. Juli zum «glücklichsten Menschen der Welt» geworden war. Auf diesen Moment hatte der 29-jährige Mecklenburger, der abwechselnd in Berlin und Labarthe-sur-Leze in Südfrankreich wohnt, 20 Jahre gewartet. Bei seiner vierten Tour-Teilnahme war es nach zahlreichen gescheiterten Versuchen in den Vorjahren endlich soweit.
«Ich fahre seit 20 Jahren Rad. Für die 20 Sekunden Glück habe ich die ganze Zeit gearbeitet», sagte Voigt im Ziel der 16. Etappe. 300 m vor dem Zielstrich sei ihm klar gewesen, dass nichts mehr seinen Triumph zerstören könnte. Der Australier Bradley McGee, mit dem der redegewandte Voigt 166 km allein - davon zuerst noch in Begleitung fünf weiterer Fahrer - unterwegs war, hatte deutliche Ermüdungserscheinungen gezeigt. Als wollte er die ganze Welt umarmen, breitete der 1,92 m lange Voigt schon weit vor der Ziellinie seine Arme zum Jubel aus. McGee hechelte fünf Sekunden hinterher. Das Feld mit den Top-Stars Lance Armstrong und Jan Ullrich hatte sich bei sengender Sonne 25:45 Minuten mehr Zeit als Voigt gelassen.
Der angriffslustige Blonde aus Berlin hat bei dieser Tour zur rechten Zeit ganz kräftig die Werbetrommel gerührt. In Colmar holte er sich für einen Tag das Gelbe Trikot, wurde vor seinem Hotel mit Blasmusik gefeiert und glänzte in Interviews in französisch und englisch. Bei der Sieger-Pressekonferenz übernahm Voigt gleich den Job des Dolmetschers mit und wurde nicht müde, alle Fragen mehrsprachig zu übersetzen. Sein Vertrag bei Credit Agricole läuft aus. Sein Teamchef Roger Legeay will ihn natürlich halten und bietet ihm und seiner Familie so viel Freiflüge, wie er benötigt. Allerdings könnte die Freude des Chefs über den Voigt-Erfolg geteilt sein, denn «l`Allemand», der Deutsche, wird immer teurer.
Sein Sohn soll im nächsten Jahr in Deutschland eingeschult werden, so dass ein neuer Arbeitgeber im eigenen Land bevorzugt werden könnte. Die zweite deutsche Erstliga-Mannschaft, Coast, bei der Tour nicht dabei, soll bei Voigt schon angeklopft haben, und auch Telekom zeigte Interesse. Team-Manager Walter Godefroot verhält sich aber - marktgerecht - noch zurückhaltend. «Wir wollten Jens schon vor zwei Jahren haben. Wenn er wechseln will, wird er auf uns zukommen. Ich glaube, es wird keine Frage des Geldes. Wenn Legeay ihn halten will, wird er seinen Wert kennen und da wird es zu uns keine großen Unterschiede geben. Wir wollen immer die besten deutschen Fahrer haben, und Jens ist ein sehr guter, aber er muss gerne kommen und zu uns passen - wir werden sehen.»
Das Objekt der Begierde kann in Ruhe sondieren. Ex-Profi Rolf Gölz, Teamchef bei Gerolsteiner, taxierte ihn schon vor dem Gewinn des Gelben Trikot auf «rund 800 000 Mark im Jahr». Voigts Wert ist weiter gestiegen. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Ich habe mich bei Credit Agricole immer wohl gefühlt, vielleicht bleibe ich auch», sagte Voigt, der sich vor der Tour gegen Kurzsichtigkeit an beiden Augen operieren ließ und nach dem Ende seiner Karriere in Berlin ein Cafe eröffnen will. «Sechs, sieben Jahre» könnte er sich aber noch vorstellen, zu fahren: «Bei meinem Abschiedsrennen werden sie mich ankündigen als: Jens Voigt, der in Sarran 2001 die 16. Etappe der Tour de France gewann.»
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