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27.07.2001 -
Saint-Amand-Montrond (dpa) - Lance Armstrong leistet sich weder eine Schwäche noch verteilt er Geschenke. Auch beim großen Einzelzeitfahren der 88. Tour de France konnte keiner der Konkurrenten den Giganten aus Texas auch nur annähernd gefährden - auch Jan Ullrich nicht, der als dritter hinter den Erwartungen blieb.
Der Zeitfahr-Weltmeister von 1999 hatte sich für die 18. Etappe über 61 km von Montlucon nach Saint-Amand-Montrond viel vorgenommen, zog aber auf Rang drei mit 1:39 Minuten Rückstand auf Armstrong wieder den kürzeren. Ullrich musste den zweiten Rang nach 1:15,55 Stunden sogar dem Spanier Igor Gonzalez (1:15,40) überlassen.
Armstrong, der ein Stundenmittel von 49,28 km fuhr, holte sich bei drückender Schwüle nach den Ankünften in L`Alpe d`Huez, Chamrousse und Saint-Lary-Soulan in 1:14,16 Stunden seinen vierten Etappensieg. Die restlichen beiden Abschnitte bis zum Finale in Paris sind für den jetzt mit 6:44 Minuten vor Ullrich führenden Armstrong nur noch Routine. Sein dritter Toursieg in Folge steht seit den Pyrenäen fast hundertprozentig fest. Der 29- jährige Texaner wird mit seinem Landsmann Greg LeMond gleichziehen, der die Tour 1986, 1989 und 1990 gewann. «Das Wort Enttäuschung will ich gar nicht hören. Ich habe gekämpft wie nie und meinen zweiten Platz gesichert», sagte Ullrich im Ziel.
Ein Sieg beim Zeitfahren hätte für den 27 Jahre alten Olympiasieger ein willkommenes und verdientes Trostpflaster für den erneut verpassten Toursieg sein können. Aber wie beim Bergzeitfahren in Chamrousse lag Ullrich schon bei der ersten Zwischenzeit nach 21,3 km 34 Sekunden hinter Armstrong, dem am Start noch Sohn und Gattin den Rücken gestärkt hatten. Der Texaner baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus. «Meine Konstanz im Tempo war heute entscheidend. Das war die richtige Taktik. Obwohl ich vielleicht nicht den Eindruck mache: Ich bin jetzt sehr müde und freue mich auf das Tour-Ende», sagte Armstrong.
Ullrich wirkte mit andauernder Distanz immer müder und angestrengter, rutschte aber auch zwei Mal aus der Pedale, «weil ich Sitzprobleme hatte», erklärte Ullrich nach dem Rennen. «Am Anfang hat Jan den Rhythmus nicht richtig gefunden und ist vielleicht eine etwas zu hohe Übersetzung gefahren. Ich hätte damit gerechnet, dass er etwa eine Minuter schneller fährt», sagte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage über Ullrich, der seine Beine nach dem Rennen noch auf der Rolle locker fuhr. Sein Team-Kollege Andreas Klöden (Cottbus) bestätigte seine starke Tour-Leistung mit einem guten Zeitfahren als zweitbester Deutscher in 1:17,33 Stunden auf Platz elf.
Neben dem Ringen um den Tagessieg herrschte die größte Spannung beim Kampf um Rang drei im Gesamtklassement. Joseba Beloki (Spanien), im Vorjahr in Paris hinter Armstrong und Ullrich in der Tour-Endabrechnung dritter, verdrängte Andrej Kiwilew (Kasachstan), bisher dritter, vom Siegerpodest. Damit wird es auf den ersten drei Plätzen in Paris denselben Einlauf wie im Vorjahr geben.
Beim letzten großen Tour-Zeitfahren im Vorjahr in Freiburg hatte Armstrong Ullrich vor dessen Haustür über 58,5 km 25 Sekunden abgenommen. Eine kleine Revanche war dem deutschen Meister danach beim olympischen Zeitfahren in Sydney geglückt, in dem er 24 Sekunden schneller als der Texaner war - mit dem kleinen «Schönheitsfehler». dass Gold an den Armstrong-Teamkollegen Wjatscheslaw Jekimow gegangen war.
Von Freiburg nach Mulhouse hatte Armstrong 2000 mit einem Durchschnitt von 53,986 km/h mit dem zweitschnellsten Tour-Zeitfahren aller Zeiten geglänzt. An diese Leistung kam er nicht heran. Ullrich hat bei der Tour seit 1996 vier Zeitfahren gewonnen.
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