Zabel: Dritter Etappensieg - O`Grady noch in Grün

28.07.2001  | 

Evry (dpa) - Erik Zabels langer Atem hat sich ausgezahlt: Auf der vorletzten Tour-Etappe feierte der 31-jährige Weltcup- Gewinner nach Boulogne-sur-Mer und Seraing seinen dritten diesjährigen Tageserfolg und kam dem Grünen Trikot mit nur noch zwei Punkten Rückstand auf Stuart O`Grady ganz nah.

Im Massensprint in Evry am Stadtrand von Paris ließ Zabel der Konkurrenz nach lediglich 149,5 km keine Chance. Mit dem insgesamt elften Tour-Etappensieg seit 1995 hätte der gebürtige Berliner O`Grady fast zum Striptease gezwungen. Doch der zweite Tagesrang bewahrte den Australier davor, das begehrte Trikot auszuziehen. Die Entscheidung in der Punktwertung fällt auf der letzten Etappe. Sven Teutenberg aus Mettmann wurde Vierter.

Der Kampf um das Grüne Trikot, das Zabel in den vergangenen fünf Jahren trug, bleibt spannend. O`Grady hatte Zabel den ganzen Tag über in Manndeckung. «Es ist nur noch klitzekleiner Vorsprung. Das gibt für die Zuschauer einen richtigen Showdown morgen in Paris», sagte Zabel, der schallend lachte, als ihm O`Grady vorschlug, ihm zu seinem Geburtstag in der nächsten Woche doch das Trikot als Geschenk zu überlassen. «Ich habe in vier Massensprints dieser Tour drei gewonnen. Das ist eine Quote von 75 Prozent. Damit hätte ich vorher nie gerechnet», freute sich Zabel über seinen dritten Erfolg, mit dem er seinen Tour-Rekord von 1997 einstellte.

Die Entscheidung in der Gesamtwertung der 88. Tour de France war bereits nach der letzten Pyrenäen- Etappe zu Gunsten des Texaners Lance Armstrong gefallen. Die 19. Etappe änderte nichts an der Reihenfolge der vorderen Plätze: Auf dem Weg zu seinem dritten Tour-Sieg trennen Armstrong vor den letzten 160,5 km dieser Tour weiter 6:44 Minuten vom zweitplatzierten Jan Ullrich (Merdingen), der sich von seinem enttäuschenden dritten Platz im Zeitfahren vom Vortag erholt hatte und sich sogar in die Mannschafts-Arbeit für Zabel einspannen ließ.

Mit seinem eindrucksvollen Sieg im Zeitfahren in Saint- Amand-Montrond war Armstrong am Vortag mit Zabel in Bezug auf die Zahl der Etappensiege gleichgezogen. An die Adresse Ullrichs hatte der Texaner danach wenig Aufmunterndes sagen können: «Im nächsten Jahr bin ich 30 und damit noch erfahrener. Vielleicht gibt es 2002 einen noch besseren Armstrong - man kann nie wissen. Bis auf geringe Änderungen im Team, werde ich auf dem Weg dort hin nicht viel anders machen.»

Sein treuer Helfer Tyler Hamilton (USA) fährt im nächsten Jahr bei Bjarne Riis für CSC Tiscali. Das dürfte Armstrong mehr stören als die Auszeichnung der 18 Fotografen, die jeden Tag auf ihren Motorrädern hautnahen Kontakt zu den Fahrern haben, zum unsympathischsten Tour-Starter. Dafür erhielt der Amerikaner die «Goldene Zitrone». Er sei kein Typ für gestellte Fotos und ständig fotogenes Lächeln und stellte den Fotografen auch in Aussicht, die üblichen Champagner-Fotos im Gelben Trikot nicht zu bieten: «Wenn sie mir den Rücken kratzen, tue ich das gleiche», sagte Armstrong in der Pressekonferenz nach dem Rennen.

Eine fünfköpfige Ausreißergruppe schien den Plan des Telekom-Teams, das Feld für einen Massensprint zusammenzuhalten, erst durchkreuzen zu können. Aber 30 km vor Evry waren die Flüchtlinge gestellt, Telekom und das französische Team Bonjour (für seinen Sprinter Damien Nazon) hatten die Hauptarbeit geleistet, das Feld wieder heranzuführen.

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