Profi-Radsport

Zabel: «Werde lange ans sechste Trikot denken»

29.07.2001 -

Paris (dpa) - Die Hierarchie im Team Telekom schien kurzfristig durcheinander geraten zu sein. Erik Zabel konnte sich in Paris nach dem Finale der 88. Tour de France als der wahre Sieger im Team Telekom fühlen, obwohl Jan Ullrich seinen vierten zweiten Rang seit 1996 zu Recht als großen Erfolg werten konnte.

Der 31-jährige Berliner, zum sechsten Mal in Folge im Grünen Trikot, hatte aus der Not eine Tugend gemacht und fuhr genau so eine erfolgreichste Tour wie 1997. Auch wenn ihm das Sahnehäubchen in Form eines vierten Etappensieges auf den Champs Elysees verwehrt blieb. In der Endabrechnung der Punktwertung trennten ihn an der Spitze acht Punkte von Stuart O`Grady (Australien). «Wenn man in den Tour-Annalen sechs Mal den Namen Zabel liest, das ist Wahnsinn», meinte Zabel.

Nachdem ihm ein persönlicher Helfer aus Rücksicht auf Ullrich versagt worden war, und die Ausmusterung Gian-Matteo Fagninis vor dem Tour-Start für böses Blut gesorgt hatte, war aller Streit vergessen. Zabel strahlte auf dem Siegerpodest im Schatten Lance Armstrongs über das ganze Gesicht, auch wenn ihn das Gewicht seines achtjährigen Sohnes auf den Schultern fast in die Knie zwang.

«An mein sechstes Grünes Trikot werde ich noch lange denken. Das war ein richtiger Showdown für die Zuschauer. Im nächsten Jahr werde ich wieder versuchen, endlich ein Mal auf den Champs Elysees zu gewinnen», sagte Zabel. Danach rüstete er mit seinen Team-Kollegen zu zwei Telekom-Feiern in Paris. Die erste fand im mehr offiziellen Rahmen im feinen Palais Gabriel an den Champs Elysees statt. Die zweite sollte am Abend auf einem gemieteten Schiff auf der Seine im engsten Kreis stattfinden. «Seine Konstanz ist Wahnsinn», freute sich Zabel-Vater Detlef, früher Rad-Amateur, der seinem Filius versprach: «Wenn er nach Hause kommt, macht ihm seine Mutter sein Lieblingsessen, Kartoffelpuffer.»

Nicht nur wegen des Erfolges konnte Telekom-Chef Ron Sommer im feinen Gabriel-Palais an der Champs Elysees eine positive Bilanz ziehen: «Das Team war fantastisch. Alles, was wir erreichen wollten, haben wir erreicht. Wir haben Erik alle die Daumen gedrückt», sagte Telekom-Chef Ron Sommer. «Wir sind ganz schön angefressen, dass es für O`Grady nicht gereicht hat. Aber Erik war einfache besser. Am Tag sind wir Konkurrenten, am Abend feiern wir zusammen», gratulierte O`Gradys Team-Kollege Jens Voigt seinem Freund aus Berliner Tagen.

O`Grady und Zabel hatten sich ein ähnlich packendes Duell wie Jan Ullrich und Lance Armstrong auf anderer Ebene geliefert. Mit einem Unterschied: Zabel sorgte für ein Happyend aus deutscher Sicht.

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