Profi-Radsport

Großer Bahnhof für müde Tour-Helden

30.07.2001 -

Paris/Bonn (dpa) - Begeisterte Fans, Lobreden zuhauf und ein Lächeln der müden Hauptdarsteller - die Tour de France endete für die Profis des Team Telekom einmal mehr mit einem Triumphzug durch Bonn. Einen Tag nach der letzten Etappe der 88. Frankreich-Rundfahrt in Paris gab es für die abgekämpften und ausgemergelten Radsportler den Lohn für ihre gut dreiwöchige Schinderei.

Voller Freude über den zweiten Gesamtplatz von Jan Ullrich und dem Happy End für Sprintkönig Erik Zabel bereiteten die Telekom-Mitarbeiter den Rückkehrern einen herzlichen Empfang. «Danke für die spannendsten 23 Tage des Jahres. Danke, Jan! Danke, Erik! Danke, Jungs!», stand auf den in der Firmenzentrale angebrachten Plakaten zu lesen.

Der anschließenden Autokorso zum Bonner Marktplatz durch das Spalier tausender Fans, die Glückwünsche durch Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Bonn gingen selbst dem ansonsten kühlen Jan Ullrich nahe: «Wenn wir Euch hier alle in Bonn sehen, dann bekommen wir eine Gänsehaut wie auf den Champs Elysees», sagte der Telekom-Star und kündigte überschwänglich einen erneuten Angriff auf das Gelbe Trikot von Sieger Lance Armstrong an. «Für Euch fahren wir auch nächstes Jahr wieder eine tolle Tour, das verspreche ich.»

Bereits einen Tag nach Tour-Ende ging der Blick der Telekom-Profis bereits nach vorn. So bleibt Ullrich, von der französischen Zeitung «Le Parisien» als «tapferer Zweiter» gewürdigt, zum kurzen Verschnaufen lediglich ein Tag Zeit. Danach begibt sich der Merdinger wieder in die Tretmühle, in der sich der 27-jährige Olympiasieger vielleicht noch bis Oktober drehen wird. «Ob ich die WM im Oktober in Lissabon fahre, werde ich noch entscheiden. Wenn das der Fall sein sollte, bereite ich mich in kleineren Rennen darauf vor. Die Spanien-Rundfahrt bestreite ich nicht», kündigte Ullrich an.

Sein zweimaliger Bezwinger Lance Armstrong (USA), der die Tour zum dritten Mal in Folge gewann, verzichtet wie im Vorjahr auf einen Weltmeisterschafts-Start. Allerdings steht der Texaner schon am 11. August beim Weltcup-Rennen in San Sebastian wieder am Start.

Für Ullrich geht es zunächst mit zwei Kriterien in den Niederlanden weiter. Dann folgen das Paarzeitfahren in Karlsruhe (mit seinem Team-Kollegen Andreas Klöden) und Rennen in Hannover, Nürnberg und Italien. Die Weltcup-Rennen in Hamburg (19. August) und vor allem Zürich (26. August) - dort wurde Ullrich im Vorjahr nur um Zentimeter bezwungen - hat sich der deutsche Meister im Kalender rot angestrichen. «Zürich liegt mir. Jetzt geht es so gut wie nie im Jahr, ich muss die Form ausnutzen», sagte Ullrich, dem eigentlich nur noch die Straßen-WM am 11. und 14. Oktober bleibt, um mit einem möglichen Sieg 2001 groß heraus zu kommen.

Eine starke Vorstellung der Telekom-Mannschaft bei der Tour, der mit fliegenden Fahnen untergegangene Ullrich und der mit drei Etappen-Siegen und dem sechsten Grünen Trikot in Folge erfolgreiche Erik Zabel ließen die Telekom-Offiziellen eine positive Bilanz der 88. Tour ziehen. Auch wenn Teamchef Rudy Pevenage eine Träne im Knopfloch hatte, weil er nicht weiß, ob er Ullrich noch ein Mal so motiviert an den Tourstart bringen wird. Auch wenn sein Topfahrer beteuert, es 2002 noch ein Mal «hundertprozentig» versuchen zu wollen. Ullrich: «Die Tour bleibt mein großes Ziel.»

Bei Telekom wird es in der nächsten Saison einige Veränderungen geben, nicht nur, weil das Junior-Team unter Ullrich-Tainer Peter Becker umstrukturiert wird, so dass der Coach sicher wieder mehr Zeit für den gebürtigen Rostocker hat. Alberto Elli, Roberto Sgambelluri und Giovanni Lombardi (alle Italien) werden das Team verlassen, dazu Gerhard Trampusch (Österreich) und Andrej Misurow (Kasachstan). Als mögliche Verstärkungen wurden in der Gerüchte-Küche in Frankreich der Tour-Vierte Andrej Kiwilew (Kasachstan) und der beste Tour-Neuling Oscar Sevilla (Spanien) gehandelt.

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