Mit Silber wird Kupfernagel zum BDR-Darling

26.09.2000  |  Sydney (dpa) - Für Funktionäre waren sie jahrelang «das Horror- Paar». Hanka Kupfernagel und Ehemann Torsten Wittig, in Personalunion ihr Trainer, passten mit ihrem Individualismus nicht ins strenge Schema des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR). Mit der Silbermedaille um den Hals wurde die 26-jährige Berlinerin am Dienstag in Sydney aber schnell zum BDR-Darling. Ihr Aufstieg könnte am Samstag noch fortgesetzt werden.

«Auf das Zeitfahren habe ich mich speziell vorbereitet, der Kurs mit seinen vielen Kurven liegt mir und das war heute eine prima Einstimmung», sagte Hanka Kupfernagel, die sich zum Auftakt der Straßen-Wettbewerbe nach 119,7 km nur der überragenden Niederländerin Leontien Zijlaard, die schon auf der Bahn Gold in der Einzelverfolgung und Silber im Punktefahren geholt hatte, beugen musste. Bronze ging an die Litauerin Diana Ziliute.

Die 18fache deutsche Meisterin, die diesmal taktisch alles richtig machte, trat am Dienstag die Nachfolge der bisher einzigen mit Medaillen dekorierten Straßenrad-Amazonen Sandra Schumacher (Bronze 1984) und Jutta Niehaus (Silber 1988) an. Diesmal hielt die Cross-Weltmeisterin ihr Temperament im Zaum, wartete den richtigen Moment ab und setzte alles auf den Schlussspurt, obwohl sie nicht als überragende Sprinterin gilt. «Ich habe mich gefreut, als es zu regnen begann, ich hatte gute Reifen», sagte sie.

Natürlich machte auch ihr ungestümer Ehemann wieder etwas von sich reden. Erst hatte er seine Gattin aus dem Olympischen Dorf geholt. Kupfernagel: «Ich konnte drei Tage nicht schlafen, weil mein Raum neben einer Bushaltestelle lag - wir sind jetzt im Hotel». Dann sprang Wittig vor dem Straßenrennen am Streckenrand wie ein Rumpelstilzchen hin und her, weil er keine offizielle Akkreditierung erhielt und nicht in die Fahrer-Boxen durfte.

Das Problem soll bis Samstag gelöst werden. «Es wäre sehr schlecht für mich, wenn Torsten beim Zeitfahren nicht im Begleitwagen sitzt», machte die Silbermedaillen-Gewinnerin Druck. Überhaupt wirkte sie nach ihrem größten internationalen Erfolg, mit dem sie Erik Zabel und Jan Ullrich eine schöne Vorlage servierte, gelöster als sonst. Das scheint sich auszuzahlen: «Es meldeten sich in letzter Zeit viele Sponsoren».

Die beiden anderen deutschen Starterinnen hatten mit der Entscheidung am Dienstag nichts zu tun. Petra Roßner (Greiz) landete auf Rang 30 mit 2:46 Minuten Rückstand und Ina-Yoko Teutenberg (Mettmann) stieg nach der fünften von sieben Runden aus. Die fast 42-jährige Jeannie Longo, die an ihren fünften Olympischen Spielen teilnimmt und das Wort «Rücktritt» immer noch nicht in den Mund nimmt, konnte ihren Gold-Triumph von Atlanta nicht wiederholen. Die zwölffache Weltmeisterin aus Frankreich belegte Platz 26.

RADRENNEN HEUTE

    Radrennen Männer

  • Tour de Wallonie (2.HC, BEL)
  • Dookola Mazowsza (2.2, POL)
  • Coppa Agostoni - Giro delle (1.1, ITA)
DATENSCHUTZ    |    KONTAKT    |    IMPRESSUM