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19.08.2001 -
Hamburg/Florenz (dpa) - Dem Telekom-Team droht ein Image-Verlust. Die beiden Profis Alberto Elli (37) und Roberto Sgambelluri (27) müssen sich in Florenz wegen Dopings vor Gericht verantworten, wie italienische Zeitungen meldeten. Die Staatsanwaltschaft habe nach der größten Doping-Razzia in der Geschichte des Radsports beim 84. Giro d´Italia ein Verfahren gegen die italienischen Telekom-Fahrer und 50 weitere Personen eingeleitet.
Gegen den zunächst wegen seiner Asthma- Medikamente ebenfalls unter Dopingverdacht geratenen Telekom-Kapitän Jan Ullrich (Merdingen) werde nicht mehr ermittelt. Der «Corriere della Sera» schrieb sogar von 80 Personen, darunter 25 Ausländer, die sich einem Verfahren stellen müssten.
«Ich habe davon auch nur aus der Presse Kenntnis, wir haben nichts Offizielles von der Staatsanwaltschaft in der Hand und keine Mitteilung der beiden Fahrer, die jetzt bei der Burgos-Rundfahrt in Spanien im Einsatz sind», sagte Telekom-Manager Walter Godefroot am Rande des Hamburger Weltcup-Rennens. «Die UCI hat offiziell keine Meldung davon erhalten. Das ist eine private Angelegenheit zwischen den beschuldigten Fahrern und der Staatsanwaltschaft», sagte Enrico Carpani, der Pressechef des Rad-Weltverbandes UCI, der bestätigte, dass es sich bei den 160 konfiszierten Medikamenten «nur in zehn Prozent um gefährliche Mittel» gehandelt habe. Carpani: «EPO wurde nicht sicher gestellt.»
Eine Erklärung für die Informationslücken bei Telekom könnte die Praxis der Klage-Zustellung in Italien sein. Die staatsanwaltlichen Bescheide «Avviso die Garanzia» seinen unterwegs und hätten unter Umständen Fahrer zum Teil noch nicht erreicht, hieß es am Sonntag.
Neben Elli und Sgambelluri müssen sich nach Angaben der «La Gazzetta dello Sport» 38 weitere Radprofis sowie jeweils sechs sportliche Leiter und Teamärzte wegen Verstoßes gegen das Dopinggesetz und Sportbetrugs verantworten. Bei einer Verurteilung drohen den Dopingsündern Haftstrafen von drei Monaten bis zu drei Jahren. Elli wird, unabhängig von dem Verfahren, seine Karriere nach Abschluss der Saison beenden. Nach dem Giro-Ende hatte Team Telekom erklärt, es werde sich von Sgambelluri trennen, weil der Italiener die sportlichen Erwartungen nicht erfüllt habe.
Bei den unter Dopingverdacht geratenen Radprofis seien Wachstumshormone und Insulin gefunden worden. Das Blutdopingmittel Erythropoetin (EPO) sei bei der Untersuchung von 160 zunächst unidentifizierbaren Medikamenten, Spritzen und Ampullen jedoch nicht aufgetaucht, berichtete die «La Gazzetta dello Sport» unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft Florenz. «Der Einsatz von Insulin - es hat anabole Wirkung - bei Gesunden ist lebensgefährlich», erklärte Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich, bei dem die Polizei beim Giro Coffein-Tabletten zum Eigenbedarf gegen einen Jetlag gefunden hatte.
Nach der Dopingrazzia am 6. Juni in San Remo, bei der rund 200 Polizisten vor der ersten schweren Bergetappe des Giro alle Fahrerhotels durchsuchten, hatte der Florentiner Staatsanwalt Luigi Bocciolini zunächst gegen 86 Personen ermittelt. Zeitungsberichten zu Folge gehörte damals auch Ullrich zu den Verdächtigten, weil bei ihm Asthma-Präparate gefunden worden waren. Da das Team Telekom wegen Ullrichs Asthma-Erkrankung jedoch eine Genehmigung für die beschlagnahmten Medikamente vorlegen konnte, wurden die Ermittlungen eingestellt.
«Über einen möglichen Imageverlust für unser Team kann nur spekuliert werden. Wir können auch schwer dazu etwas sagen, weil nicht klar ist, was den Fahrern genau vorgeworfen wird. Man müsste mit der Staatsanwaltschaft eine Übereinkunft treffen, dass nur etwas an die Öffentlichkeit kommt, wenn konkrete Vorwürfe vorliegen. Bisher ist doch alles nur aus der Presse bekannt. Wenn klare Fakten auf dem Tisch liegen, kann dazu Stellung bezogen werden», sagte Telekom-Fahrer Rolf Aldag, der beim Giro nicht am Start war.
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