Zabel weiter auf Hochtouren - Ullrich peilt Sieg in Zürich an

20.08.2001  | 

Hamburg (dpa) - Erik Zabel hatte schon immer ein Gespür für den richtigen Augenblick. Mit seinem Sieg beim einzigen deutschen Weltcup-Rennen ließ der Berliner die Telekom-Aktie sportlich wieder steigen und steuerte gegen den drohenden Image-Verlust durch Doping- Verwicklungen der italienischen Fahrer Sgambelluri und Elli.

«Das ist toll, hier kam viel rüber vom Positiven des Radsports», schwärmte Sylvia Schenk, die Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer. Die neu gewählte BDR-Chefin war in Hamburg bei den HEW- Cyclassics Zeugin des 23. Saison-Erfolges Zabels, der die Konkurrenz clever getäuscht hatte.

«Viele dachten, ich habe in den vergangenen 14 Tagen in Mallorca nur in der Sonne gelegen und keine Lust mehr», sagte der glückliche Sieger, der sein Saison-Soll spätestens mit dem Gewinn des sechsten Grünen Trikots bei der Tour de France und den drei Etappensiegen in Frankreich voll erfüllt hatte. Nun kündigte Zabel sogar noch einen überraschenden Nachschlag und weiteren Beweis seiner Unermüdlichkeit an: «Vielleicht fahre ich im September noch die Vuelta», denn, so Zabel: «So lange der Motor warm ist, muss man ihn am Laufen halten.»

Der rastlose Familienvater ist Gold wert für seinen Arbeitgeber, der mit seinem Top-Angestellten im vierten Anlauf den ersten Sieg eines deutschen Profis feiern konnte, seit die HEW-Cyclassics Weltcup-Status besitzen. Noch dazu war der Erfolg - ganz im Sinne der Telekom-Firmen-Philosophie - das Ergebnis eines perfekten Teamworks. Als der stark fahrende Jan Ullrich gemerkt hatte, dass er mit einer Spitzengruppe nicht wegkommt, reihte er sich ins zweite Glied ein. «Als klar war, dass eine größere Gruppe ankommt, haben wir das As Zabel gespielt», erklärte Ullrich hinterher.

Der Trumpf stach - wie schon so oft in diesem Jahr. Aber obwohl Zabel dem im Weltcup führenden Erik Dekker, der in Hamburg Dritter wurde, bis auf 69 Punkte nahe rückte, besteht für den Niederländer wohl kaum Gefahr. «Man muss auch Mal abgeben können», meinte Zabel als Cup-Verteidiger und bekräftigte seinen Verzicht auf die Gesamtwertung: «Vielleicht fahre ich am 7. Oktober noch Paris-Tours, dann ist aber gut».

Selbst für den Fall seines dritten diesjährigen Weltcup-Erfolges dort - er gewann schon 1994 ein Mal in Tours - deutet fast alles auf einen Dekker-Gesamtsieg in der Jahreswertung hin. Der starke Niederländer («Für Erik war der Sieg in Hamburg wertvoller als eine Tour-Etappe») ist in Zürich, Tours und im Finale bei der Lombardei- Rundfahrt am 20. Oktober für vordere Platzierungen gut. «Weltmeister Vainsteins ist mein Hauptkonkurrent», sagte Dekker, der in diesem Jahr die Tour-Etappe in Pontarlier gewann.

In Zürich könnte Jan Ullrichs große Stunde schlagen, der in Hamburg über 251 km sehr ambitioniert gefahren war. «Das Rennen liegt mir mehr, weil es bedeutend schwerer ist, und ich dort schon zwei Mal Zweiter war. Zürich ist jetzt erst ein Mal mein großes Ziel», sagte der Olympiasieger, der noch nie ein Weltcup- Rennen gewann und in dieser Saison noch erfolgshungrig ist: «Das wäre eine große Sache für meine Karriere.»

Dass er bei einem Erfolg im achten von zehn Weltpokal-Rennen auch den dreifachen Toursieger Lance Armstrong (USA) bezwingen würde, der in der Schweiz seinen Saison-Ausstand geben will, wäre zudem ein angenehmer Nebeneffekt und sicher für das Selbstvertrauen nicht schlecht. Ullrich: «Lance kommt auch dort hin, um zu gewinnen.»

Das nächste große Ziel nach Zürich soll für den vierfachen Tour- Zweiten die WM in Lissabon am 11. (Zeitfahren) und 14. Oktober (Straßenrennen) sein. Aber hundertprozentig steht der Start noch nicht. «Ich fahre nur, wenn Form und Motivation noch reichen, dort zu gewinnen. Wenn ich spüre, dass es dazu nicht mehr reicht, bleibe ich lieber zu Hause. Heute würde ich sagen, ich fahre zu WM. Aber das sind ja noch sieben lange Wochen», meinte der Telekom-Kapitän. Erik Zabel hat die WM bereits abgesagt.

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