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29.09.2001 -
Antwerpen (dpa) - Mit einem fatalen «Stockfehler» hat sich der deutsche Bahnrad-Vierer in der Traditions-Disziplin selbst um den WM- Hattrick gebracht. Im Halbfinale der Mannschaftsverfolgung bei der Bahn-Weltmeisterschaft in Antwerpen wurden die Gold-Träume des Titelverteidigers abrupt gestoppt.
Drei Runden vor dem Ende des Rennens gegen die Niederlande lag das deutsche Quartett mit Guido Fulst (Berlin), Christian Bach (Erfurt), Jens Lehmann (Leipzig) und Sebastian Siedler (Gera) klar auf Siegkurs - dann passierte es: Bach touchierte beim Ausscheren fast einen abgefallenen Holländer und verpasste dadurch den Anschluss an den vor ihm rasenden Express, während Fulst gerade das Tempo forcierte.
Sofort riss ein Loch, der Vierer drohte zu «platzen». Bundestrainer Bernd Dittert, der als Weltmeister von 1989 solch eine Situation gut kennt, signalierte seinen Routiniers die Situation. Lehmann reihte sich sofort wieder an zweiter Position ein, Fulst nahm Tempo raus, bis der junge Bach wieder dran war. «Im Normalfall sieht Guido Fulst solch eine Sache sofort, der kann einen Vierer bis auf die Zehntelsekunde genau um die Bahn führen. Aber nicht, wenn er gerade beschleunigt», erklärte Dittert.
Als dann die Anzeigetafel im Ziel und der Hallensprecher trotz des Missgeschicks die Bestzeit und damit den Einzug ins Finale signalisierten, gab es nur verhaltenen Jubel. Zu Recht, wie sich zeigte, denn die Uhr war durch die kurz vor dem Einholen stehenden Niederländer zu früh angehalten worden, aus dem Lauf um Gold wurde der Kampf um Bronze. «Ich bin nur froh, dass so etwas jetzt und nicht bei Olympia passiert ist», kommentierte Dittert. WM-Gold gewann kurz vor Mitternacht die favorisierte Ukraine klar gegen die vom Deutschen Heiko Salzwedel gemanagten Briten.
Der Weltmeister der vergangenen zwei Jahre aus Deutschland holte sich Bronze mit einer Siegerzeit von 4:08,540 Minuten, die besser als die des neuen Weltmeisters Ukraine (4:09,699) war. «Für mich ist eine Super-WM zu Ende gegangen. Mit einmal Silber und einmal Bronze bin ich zweitbester Verfolger. Das war meine 17. WM-Medaille», betonte Jens Lehmann, der eigentlich im Finale Revanche an seinem ukrainischen Bezwinger im Einzelrennen, Alexander Simonenko, nehmen wollte. Der aber konnte sich über das zweite Gold freuen. «Das größte Problem habe ich nun mit meinem vierjährigen Söhnchen Florian, der das Rennen in der Halle miterlebt hat. Die Zahl drei kann er noch nicht richtig einordnen und denkt dann, Papa war ganz schlecht und weint», erklärte Oldie Jens Lehmann.
Trainer Dittert nahm seine Fahrer in Schutz: «Wir haben gezeigt, dass wir nach wie vor das Niveau in der Mannschaftsverfolgung bestimmen. Dieses Team muss erst noch richtig zusammenwachsen. Immerhin sind erst im vorigen Herbst nach dem Ausscheiden der beiden Olympiasieger Robert Bartko und Daniel Becke die beiden jungen Thüringer hereingekommen. Da kann man nicht von einer routinierten Mannschaft sprechen.»
Für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) sollte der Vierer eine besondere Tradition fortsetzen. In der Paradedisziplin der Deutschen gab es seit 1962 - damals stand der Vierer erstmals auf dem WM- Programm - schon 16 Siege bei Weltmeisterschaften.
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