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"Wir werden noch weiter um den Fortbestand des Teams kämpfen."
(Hans-Michael Holzcer, der noch keinen neuen Sponsor für sein Team gefunden hat)
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30.09.2000 - Sydney (dpa) - Jan Ullrich erklomm den Olymp und möchte sogar noch höher hinaus. «Am Samstag im Einzelzeitfahren will ich auch eine Medaille. Ich habe schon Gold - Lance Armstrong noch nicht, ich kann da jetzt locker rangehen», sagte der 26-Jährige, der am Mittwoch in Sydney als überragender Gewinner des Straßenrennens über 239,4 km wieder einmal zur rechten Zeit einen Trumpf aus dem Ärmel geholt hatte. Mit seinem umjubelten Solo im Eddy Merckx-Stil feierte der gebürtige Rostocker den größten Erfolg seiner sechsjährigen Profi-Karriere nach seinem Toursieg 1997.
Das Signal zum Triumph kam vom Straßenrand. Mit einem Funkspruch machte Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, ohne Akkreditierung eigentlich nur Olympia-Tourist, Ullrich im rechten Moment Beine. Dem Kapitän des Bonner Teams schienen auf dem vorletzten Anstieg Flügel zu wachsen, was sonst immer nur dem Gelben Trikot zugeschrieben wird.
In seinem Sog fuhren seine Telekom-Teamkollegen Alexander Winokurow, im Trikots Kasachstans, und Andreas Klöden (Berlin) zu Silber und Bronze. Eine bessere Werbung hätte sich das Haus, das mit seiner Führungsspitze, den Fahrern und ihren Begleiterinnen am Abend den Medaillensegen gebührend auf der MS Deutschland feierte, nicht wünschen können.
«Das ist heute einer der bedeutendsten Tage für Telekom», merkte Pevenage an, bevor er nachschenken ließ. Sogar die australische Nachrichtenagentur AAP staunte: «Durchmarsch für Deutsche Telekom». Zu feuchtfröhlich durfte die Feier auf dem Schiff, auf dem auch der Kanzler absteigt, nicht werden. «Wir feiern nur ein bisschen», beruhigte Ullrich, der in dieser Saison erst einen mageren Sieg bei der Coppa Agostini in Italien zu Buche stehen hatte. Er gab zu, dass der Sieg auch ihn selbst etwas überrascht habe.
Überbordende Freude war dem zurückhaltenden Ullrich nicht anzumerken. Bei der Pressekonferenz hatte er die Goldmedaille schon in der Trikotasche verstaut und kramte sie erst nach Aufforderung wieder hervor. «Ich weiß, was dieser Tag für ihn heute bedeutet», sagte Pevenage.
Das «Dreamteam» Telekom, das die Gesetze des Profi-Radsports auch in die Olympische Arena trug, harmonierte am Mittwoch auf allen Gebieten. Die Teamchefs Walter Godefroot und Pevenage unterstützten den als offiziellen Trainer des Verbandes fungierenden Mario Kummer (Arbeitgeber: Telekom). Mannschaftsarzt Lothar Heinrich saß auf der Pressetribüne und gab die Abstände durch.
Die Ehefrauen und Begleiterinnen der fünf deutschen Fahrer - nur der Berliner Jens Voigt ist nicht in Diensten der Bonner - standen am Straßenrand und gaben Fähnchen schwingend moralischen Beistand. Sie waren auf Telekom-Einladung nach Sydney geflogen. Ullrich fand sogar Zeit, auf den 14 Runden mehrmals hinüber zu winken.
Ullrich, der 27 km vor dem Ziel attackierte und genau die beiden richtigen Mitläufer fand, sprach von einem Erfolg in der «Königsklasse». Schon jetzt ist ihm dieses Gold mehr wert, als es ein Olympiasieg zum Abschluss der Rad-Wettbewerbe über die 46,8 Km des Zeitfahrens auf dem fast identischen Kurs sein könnte. «Dieses Gold könnte ihm für Samstag helfen», sagte Ullrichs diesjähriger Tour-Bezwinger Armstrong (USA), der das Rennen als 13. beendete und sich speziell für das Einzelzeitfahren vorbereitet hat.
«Schlechter olympischer Stil» mäkelten amerikanische Journalisten angesichts des Dreier-Mannschaftsfahrens, mit dem Ullrich, Klöden und Winokurow zum Erfolg kamen. Mit Ullrich meist an der Spitze fuhr das Terzett auf der letzten Runde ein Stundenmittel von über 47 km. Drei Kilometer vor dem Ziel setzte sich Ullrich von seinen beiden Begleitern ab, um den Sieg alleine auskosten zu können. Er jubelte schon lange vor der Ziellinie und bekreuzigte sich beim Passieren, obwohl er kein Katholik ist. Kollege Klöden, dessen Bronzemedaille genauso überraschte wie das Gold für Ullrich, resümierte: «Mit den Platzierungen zwei und drei hatten wir keine Probleme. Wir fahren alle in einem Team.»
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