Profi-Radsport

Ullrich peilt mit Zabels Hilfe WM-Titel an

08.10.2001 -

Lissabon (dpa) - Erik Zabel blickt zufrieden zurück, Jan Ullrich erwartungsfroh nach vorn. Die in Lissabon beginnende Straßen-Weltmeisterschaft bietet den beiden Superstars des deutschen Radsports verschiedene Perspektiven. Nach der erfolgreichsten Saison seiner Karriere verdingt sich Zabel in der portugiesischen Hauptstadt als Edelhelfer für Ullrich - ohne große eigene Ambitionen.

Der Olympiasieger aus Merdingen will es besonders zum WM-Abschluss im Straßen-Rennen über 254 km wissen. «Dieser Titel fehlt mir noch», sagte Ullrich, der in diesem Jahr auf das ganz große Erfolgserlebnis noch wartet und sich auch durch die Doping-Ermittlungen der italienischen Justiz nicht aus der Ruhe bringen lassen will. Erfolge in Sydney und beim Weltcup-Rennen in Hamburg sprechen für das Tandem Ullrich/Zabel.

Zabel, seit Februar erfolgreich im Dauereinsatz, muss noch eine Woche die Zähne zusammen beißen. Dann darf der 31-jährige Berliner, am Sonntag bei Paris-Tours Dritter hinter Überraschungssieger Richard Virenque (Frankreich) und Oscar Freire (Spanien), endlich in Urlaub gehen. Die Weltranglistenpunkte, die er in Tours mitnehmen konnte, erhöhten seine Chance, auf der Spitzenreiter-Position vor Davide Rebellin (Italien) zu überwintern. Auch deshalb war die Nummer zwei im Telekom-Team mit dem Ergebnis des vorletzten Weltcup- Rennens zufrieden: «Man kann nicht immer gewinnen.»

In Lissabon zählt für Ullrich, im Juli bei der Tour de France zum vierten Mal Zweiter, nur der Sieg. Anders als in Sydney ist die Reihenfolge der Wettbewerbe bei der WM wieder eine andere: Erst das Zeitfahren über 39 km, dann das Straßenrennen. Auch eine Umkehrung der Ergebnisse im Vergleich zu den Olympischen Spielen würde Ullrich am besten gefallen: Silber im Zeitfahren und Gold im Straßenrennen.

«Er ist in Super-Form. Er kann zwei Medaillen holen», sagte Telekom-Manager Walter Godefroot, der mit Wohlwollen Ullrichs zwei Siege in italienischen Vorbereitungs-Rennen in der vergangenen Woche registrierte. Zwei Mal auf dem WM-Treppchen - schon damit wäre die gesamte deutsche Ausbeute der vergangenen Straßen-WM in Plouay/Frankreich überboten, bei der Michael Rich Vize-Weltmeister im Zeitfahren wurde.

Mit Virenque, der erst bei der vor einer Woche beendeten Spanien- Rundfahrt nach neunmonatiger Doping-Sperre sein Comeback gefeiert hatte, ist Ullrich aber offensichtlich ein neuer Konkurrent erwachsen. Sein 242-km-Solo nach Tours machte viele sprachlos. Weitere Konkurrenz im Kampf um Straßen-Gold hat Verbands-Vize und Telekom-Team-Sprecher Olaf Ludwig in den Italienern Francesco Casagrande, Davide Rebellin und Paolo Bettini (Zabels Top-Favorit) sowie Oscar Freire (Spanien), Erik Dekker und Michael Boogerd (Niederlande) ausgemacht.

Aber nicht nur Ullrich, Zabel und der Berliner Jens Voigt (zweiter deutscher Zeitfahr-Starter neben Ullrich) bestreiten aus deutscher Sicht die WM. «Wir arbeiten daran, erfolgreicher als im Vorjahr abzuschneiden und sind optimistisch. Neben Ullrich und Voigt denke ich da besonders an unsere international zurzeit so starken Damen», sagte Burkhard Bremer, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR).

Die ehemalige Verfolgungs-Weltmeisterin auf der Bahn, Judith Arndt (Frankfurt/Oder), hat berechtigte Medaillenchancen und kann auf die Hilfe der Olympia-Zweiten Hanka Kupfernagel (Berlin) bauen, die selbstlos ankündigte: «Ich fahre für Judith».

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