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11.10.2001 -
Lissabon (dpa) - Jan Ullrich hat sich seinen WM-Traum bereits zur Hälfte erfüllt. Der 27 Jahre alte Olympiasieger aus Merdingen gewann in Lissabon das 38,2 km lange Zeitfahren in 51:49 Minuten und hofft jetzt zum Abschluss der Titelkämpfe beim Straßenrennen auf seine zweite Goldmedaille.
Ullrich verwies nach einer tollen Aufholjagd auf dem wahrscheinlich schwersten WM-Parcours seit der Einführung des Einzel-Zeitfahrens (1994) den Schotten David Millar (sieben Sekunden zurück) und den Kolumbianer Santiago Botero (12) auf die Medaillenränge.
«Ich habe in der letzten Runde alles gegeben, und gewonnen», sagte der strahlende Sieger, der nun im Straßenrennen auf das Doppel hofft: «Ich bin hier, um auch auf der Straße Weltmeister zu werden. Aber die Fahrt nach Lissabon hat sich schon jetzt gelohnt, egal was Sonntag wird.» Ullrich hat das Rennen gegen Millar quasi auf den letzten fünf Kilometer gewonnen, als er immer stärker wurde und den Schotten von der Spitze verdrängte. «Ich bin sehr enttäuscht», sagte Millar, der zuletzt bei der Spanien-Rundfahrt zwei Etappen gewonnen hatte und im Vorjahr den Tour-Prolog.
Ullrich, Toursieger von 1997, holte nach seinem Titel vor zwei Jahren in Treviso sein zweites WM-Gold im Zeitfahren. Titelverteidiger Sergej Gontschar aus der Ukraine hatte auf dem beinharten Kurs mit sechs Steigungen auf jeder der zwei Runden durch den Parque Florestal keine Chancen. «Ich habe in der ersten Runde nur 95 Prozent gegeben, weil ich von der Streckenbesichtigung wusste, wie schwer es wird. Ich hatte hier nicht unbedingt mir einer Medaille gerechnet», sagte Ullrich. Er hatte sich in seinem nahe gelegenen Hotelzimmer warm gefahren und war erst 20 Minuten vor seinem Start in der Box des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) erschienen.
Der neue Weltmeister, in Sydney Olympia-Zweiter im Zeitfahren, verzichtete auf seine spezielle Zeitfahr-Maschine. Er benutzte stattdessen ein etwa 900 Gramm leichteres «Bergrad» aus Aluminium. Die Wahl erwies sich als richtig. Auch seine Taktik: Er startete verhalten, war bei den ersten drei Zwischenzeiten nur Vierter und holte dann kontinuierlich auf. «Wir hatten immer die Zwischenzeiten zu den anderen. Er ist immer stärker geworden und super gefahren. Als er auf zehn Sekunden an Millar dran war, wusste ich, dass er es noch packen kann», freute sich sein Telekom-Teamleiter Rudy Pevenage im Begleitwagen.
Der zweite deutsche Starter Jens Voigt (Berlin), der als Sieger des schweren Zeitfahrens Grand Prix des Nations mit einigen Hoffnungen gestartet war, fand nicht den richtigen Tritt und landete mit 3:46 Minuten Rückstand nur auf Rang 27.
Das Streckenprofil ähnelte dem einer Bergetappe bei der Tour de France. Bei der Abfahrt vom höchsten Punkt der Strecke erreichten die Fahrer Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometer. «So eine schwere Zeitfahr-Strecke habe ich noch nie bei einer Weltmeisterschaft gesehen», sagte der deutsche U23-Trainer Peter Weibel.
Am Morgen mussten sich 34 Fahrer aus fünf Nationen - auch Ullrich - einer Blutkontrolle stellen. Alle Fahrer zeigten keine Auffälligkeiten in ihren Werten.
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