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"Ich schaue nicht zurück im Zorn. Es war alles in Ordnung."
(Erik Zabel nach dem Münsterland-Giro, seinem letzten Straßenrennen in Deutschland)
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12.10.2001 -
Lissabon (dpa) - Direkt nach der Zieldurchfahrt wusste Jan Ullrich noch nichts von seinem Glück. Erst als in der Mannschafts-Box der Deutschen Fotografen und Kameraleute heranstürzten, war ihm klar, dass er einen großen Sieg gelandet hatte.
Der zweite Weltmeister- Titel im Zeitfahren hatte für den Olympiasieger aus Merdingen aber nicht mehr die Bedeutung wie 1999, obwohl die Goldmedaille von Lissabon sein mit Abstand wertvollstes Ergebnis des Jahres 2001 darstellte - bisher. Ullrich will im Straßenrennen das Double. Unter Druck lässt er sich aber nicht setzen: «Ich bin total happy. Die Reise nach Lissabon hat sich schon gelohnt, egal was wird.»
Trotzdem war der Titel im 38,7 km langen Zeitfahren über einen superschweren Kurs durch den Parque Floral, die grüne Lunge Lissabons, nur so etwas wie ein Aperitif. «Mit dem Titel im Zeitfahren hatte ich nicht unbedingt gerechnet und dafür überhaupt nicht speziell trainiert. Ich hatte mich schon vor der WM auf das Straßenrennen festgelegt», sagte Ullrich. Eine bislang eher durchwachsene Saison kann er noch in eine außerordentlich erfolgreiche umwandeln.
Mit einem besonderen Finale hatte er noch die Wende geschafft. Nach den ersten drei Zwischenzeiten hatte Ullrich fast abgeschlagen immer auf dem vierten Platz gelegen. Nach 32,5 km hatte er nach verhaltenem Start zum ersten Mal einen Medaillenplatz - Bronze. Doch dann verdrängte der Telekom-Kapitän auf den letzten fünf Kilometern auch noch den bis dahin überraschend führenden David Millar aus Schottland («Ich bin stocksauer») und das Kraftpaket Santiago Botero aus Kolumbien. «In der letzten Runde habe ich richtig Gas gegeben, nachdem ich zuerst nur mit etwa 95 Prozent gefahren war, weil ich wusste, wie schwer es noch wird.»
Trotz des geplanten Szenarios wurde seinem Teamleiter Rudy Pevenage im Begleitwagen durch den Stadtpark nach bis zu 21 Sekunden Rückstand auf Millar etwas mulmig: «Na klar war ich etwas unruhig. Man kann das nicht alles vorausplanen. Aber als Jan auf zehn Sekunden heran war, war ich fast sicher, dass er es noch schafft.» Dann dachte sich der Belgier einen kleinen Trick aus, der Ullrich vielleicht noch ein Mal Beine machte: «Bei der letzten Zwischenzeit habe ich ihm gesagt, er liegt nur noch sechs Sekunden hinter Millar, obwohl es zehn waren.»
Die Besatzung des Begleitwagens machte die Brisanz des Unternehmens Lissabon für den größten deutschen Rennstall deutlich: Neben Pevenage in blau-weißer Trainingsjacke des BDR saßen der Kommunikations-Direktor der Telekom, Jürgen Kindervater, Manager Walter Godefroot und Teamarzt Lothar Heinrich. In diesem engsten «Familienkreis», erweitert um Ullrich-Trainer Peter Becker und Manager Wolfgang Strohband, wurde der Titel auch am Abend im Fahrer- Hotel gefeiert.
Am Sonntag zum WM-Abschluss über 254 km gilt Ullrich als Favorit. Allerdings ist ein Straßenrennen von viel mehr Unwägbarkeiten geprägt. Außerdem wird sich der Amateur-Weltmeister von 1993 womöglich an seinen Auftritt 1999 in Verona erinnern. Als Goldmedaillen-Gewinner im Zeitfahren war er auch als Top-Favorit ins Straßenrennen gegangen. Er fuhr stark, schielte aber vielleicht zu sehr auf Franck Vandenbroucke, ließ sich am Schluss von Oscar Freire überraschen und ging bei der Medaillenvergabe auf Rang acht leer aus. Neben den Italienern, die sich unter dem neuen Teamchef Franco Ballerini mehr Einigkeit erhoffen, zählt der Spanier Freire auch in Lissabon zu seinen Haupt-Konkurrenten.
In den Siegestaumel mischte sich auch eine Frage an Ullrich, die den juristischen Bereich streifte. Ein ausländischer Journalist erkundigte sich nach dem Fortgang der Ermittlungen der italienischen Behörden im Zusammenhang mit den Doping-Vorwürfen. «Die Frage passt nicht hier her, aber die Sache ist so gut wie beendet», meinte Ullrich. Vor einer Woche bei der Lucca-Rundfahrt in Italien habe er eine Unterschrift geleistet, so dass er nicht zur Vorladung zum Staatsanwalt nach Bologna müsse.
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