Profi-Radsport

Die Ullrichs «fahren» für Deutschland

13.10.2001 - Lissabon (dpa) - Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) präsentiert sich bei den Weltmeisterschaften in Lissabon auch als kleines Familien-Unternehmen: Die Ullrichs «fahren» für Deutschland.

Stefan Ullrich, drei Jahre älterer Bruder des Olympiasiegers und frisch gekürten Zeitfahr-Weltmeisters Jan Ullrich (27), betreut den deutschen Nachwuchs als Mechaniker. Der gebürtige Rostocker, der jetzt in Berlin lebt, kam von dem im kommenden Jahr nicht mehr existierenden Telekom-Junior-Team. «Ich bin Selbstständiger», sagte Stefan Ullrich, der auch äußerlich Verwandtschaft mit dem Star nicht verleugnen kann. Sogar der dekorative Ohrring erinnert bei seinem WM-Debüt an den prominenten Bruder.

Zu DDR-Zeiten war Stefan Ullrich auch ein erfolgreicher Sportler. «Ich war Junioren-Meister über 1500 und 3000 Meter. Dann habe ich es mit dem Radfahren versucht und habe Jan damit animiert. Ich hatte aber keine nennenswerten Erfolge und habe dann aufgehört», erzählte er in Lissabon. Von 1983 bis 1989 war er Mitglied des SC Dynamo Berlin, in dem sich auch Jan Ullrich die ersten Sporen verdiente. Der dritte der vier Ullrich-Brüder, Thomas (23), galt im Gegensatz zu Stefan als großes Rad-Talent, musste aber wegen eines Knorpelschadens im Knie umsatteln. «Er hat mindestens genau so viel Talent wie Jan», schwärmte einst Ullrich-Trainer Peter Becker.

Der berühmte Nachname färbt ab und bringt, so Stefan Ullrich, auch ihm «Unannehmlichkeiten», zum Beispiel «wenn die Presse kommt». Aber der Rad-Fachmann, der «in Nürnberg zehn Geschäfte aufgebaut hat», lässt die Nachfragen mit Gleichmut über sich ergehen. In Lissabon hatte er sogar Gelegenheit, sich direkt in den Dienst seines Bruders zu stellen, als er die Zeitfahr-Maschinen für dessen großen Auftritt zusammenbaute: «Die Räder waren eher da als die belgischen Mechaniker von Telekom.» Sonst ist Stefan Ullrichs Betätigungsfeld aber auf den von Bundestrainer Peter Weibel betreuten Nachwuchs-Sektor beschränkt.

Seine Trophäen-Sammlung zu Hause ließe eigentlich auf einen außerordentlich erfolgreichen Radsportler schließen. «Ich habe alle Trikots, das Gelbe von der Tour und der Vuelta und das WM-Trikot - alles Geschenke von Jan», erzählte Stefan Ullrich, der seinen großen Bruder sonst nur bei Familienfeiern trifft oder «wenn ich bei der Tour am Straßenrand stehe».

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