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20.10.2001 - Berlin (dpa) - Aufgeschoben heißt nicht aufgehoben: Thomas Liese ist bei seinem Versuch, den Stundenweltrekord zu brechen, gescheitert. Der Kapitän des Straßen-Teams Nürnberger stieg nach 121 Runden auf dem schnellen Holz des 250 m langen Berliner Velodroms vom Rad.
Zum Zeitpunkt des Abbruchs war er 37:20 Minuten unterwegs, das entspricht einem Schnitt von 48,5 km/h. Den Stundenweltrekord hält seit dem vergangenen Jahr der Brite Chris Boardman (49,441 km). Liese aber gibt nicht auf: «Ich versuche es erneut», kündigte der 33 Jahre alte Leipziger an.
«Auf den ersten 10 km hatte ich ein gutes Gefühl, es lief nach Plan», erklärte er nach dem Rennen. «Ich hatte ein Loch gegenüber dem Zeitplan, von dem ich sicher war, es wieder schließen zu können.» Als er nach 30 km allerdings bereits 30 Sekunden über der eigenen Tabelle lag, brach er den Versuch ab, kündigte aber einen erneuten Versuch für das kommende Jahr an. «Wenn dann der Rekord noch so besteht, wie er jetzt ist.»
Nur enge Freunde, Verwandte und Radsport-Experten waren in das Velodrom gekommen, um Liese zu unterstützen. Der ging recht schnell an. Nach 1000 m lag er bereits drei Sekunden über der Marschtabelle. «Ich bin ein großes Risiko eingegangen, habe mit 56:14 eine sehr große Übersetzung gewählt, um die Herzfrequenz niedrig zu halten. Am Ende verlor ich immer mehr Boden. Aber es war ein wichtiger Versuch.» In der seit 1893 geführten Rekordliste gibt es bislang nur 20 Namen, keiner hat es im ersten Versuch geschafft.
Liese war in seiner Vorbereitung bewusst bescheiden an dieses große Ziel herangegangen. Der eher ruhige Straßenfahrer hatte bereits im vergangenen Jahr im September bei einem Test in Frankfurt (Oder) ohne jede Vorbereitung 48,200 km/h erzielt. «Das war der entscheidende Punkt, auch wenn ich danach zwei Tage lang nicht laufen konnte.» Das «Projekt Stundenweltrekord» wurde ins Auge gefasst und mit Hilfe eines Teams um den Trainingswissenschaftler Dietmar Juncker (Leipzig) und Bundestrainer Bernd Dittert (Berlin) in die Tat umgesetzt. «Die Werte der letzten Tests entsprachen unseren Vorstellungen. Aber die Praxis ist anders.» Liese war bei seinem Abbruch zwar immer noch auf dem Weg zu einem deutschen Rekord, aber «ich wollte den Weltrekord, da ist dann die Motivation weg».
Seit der Franzose Henri Desgrange vor 108 Jahren in Paris 35,325 km/h vorlegte, wurde die Marke 35 Mal verbessert. Chris Boardman schaffte am 7. September 1994 sogar 56,375 km/h - allerdings mit einer High-Tech-Maschine aus dem Windkanal. Zeitfahr-Rekorde dürfen nach einer Entscheidung des Radsport-Weltverbandes UCI vom vergangenen Jahr aber nur mit herkömmlichen «klassischen» Fahrrädern erzielt werden. Die 49,432 km/h von Tour-de-France-Legende Eddy Merckx, erzielt am 25. Oktober 1972 in Mexiko-Stadt, wurden als Weltrekord festgeschrieben. Nur Boardman war bislang schneller.
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