Profi-Radsport

Tafi gewinnt Flandern-Rundfahrt - Wesemann gestürzt

07.04.2002 -

Meerbeke (dpa) - Der Italiener Andrea Tafi stahl den Belgiern bei der 86. Flandern-Rundfahrt nach 264 Km die Show und holte den insgesamt fünften Weltcup-Sieg seiner Karriere. Die beiden deutschen Mitfavoriten aus dem Telekom-Team, Erik Zabel (Unna) und Steffen Wesemann (Wolmirstedt), der am Koppenberg gestürzt war, hatten mit der Entscheidung im zweiten Weltcup-Rennen der Saison nichts zu tun.

Mario Cipollini (Italien), der Sieger des ersten Weltcup-Rennens vor 14 Tagen in San Remo, fuhr an der Seite Zabels als erster im Hauptfeld rund zweieinhalb Minuten nach Tafi über die Ziellinie und verteidigte die Führung in der Cup-Wertung. «Nach einem Sturz ging mein Schuh kaputt und mein Rad war hin. Ich kam danach nicht mehr nach vorne - für mich war alles gelaufen. Hoffentlich läuft es für mich bei Paris-Roubaix am Sonntag besser», sagte Wesemann, der im Vorjahr in Roubaix wegen Problemen an den Pedalen im Finale alle Sieg-Chancen eingebüßt hatte.

Tafi hatte sich drei Kilometer vor dem Ziel von einer fünfköpfigen Spitzengruppe abgesetzt und erreichte das Ziel nach 6:58:43 Stunden mit 22 Sekunden Vorsprung vor dem 36-jährigen Altmeister Johan Museeuw (Belgien), der knapp an seinem vierten Erfolg in Flandern vorbeigefahren war. Tafi hatte die Situation genutzt, dass mit Nardello ein zweiter Team-Kollege in der Fünfergruppe fuhr und sich die Topfavoriten Peter van Petegem, der Dritter wurde, und Museeuw argwöhnisch belauerten.

Die Vorentscheidung war bereits 45 Km vor dem Ziel gefallen, als sich vor den letzten der insgesamt 16 Steigungen eine hochkarätige Spitzengruppe gebildet hatte. Unter den acht Ausreißern befand sich kein deutscher Profi. Hinter dieser Gruppe hatten zunächst noch der Weltranglisten-Zweite Zabel und Wesemann versucht, Anschluss nach vorne zu schaffen - aber ohne Erfolg. Der bisher einzige deutsche Sieg bei der Flandern-Rundfahrt - 1964 durch Rudi Altig - kam nicht in Gefahr, die Exklusivität zu verlieren.

Ronny Scholz (Döbbrick) vom Team Gerolsteiner hatte sich mit drei weiteren Fahrern schon nach 30 Km ein Herz gefasst und angegriffen. Das Quartett schaffte den Absprung vom Feld und fuhr lange allein an der Spitze. An der Verpflegungsstelle hatten die Ausreißer fast 20 Minuten Vorsprung. Doch als im Feld zunächst vor allem das US-Postal- Team des dreifachen Toursiegers Lance Armstrong auf das Tempo drückte, schmolz der Abstand. Der Texaner bestritt die erste Flandern-Rundfahrt nach seiner Krebserkrankung 1996.

Als es bei strahlendem Sonnenschein richtig zur Sache ging, war der couragierte Ausflug beendet, und die Favoriten schoben sich ins Rampenlicht beim ausgelassenen Rad-Volksfest vor insgesamt mehreren Hunderttausend Zuschauern. Als letzter der Ausreißer hatte der Belgier Erwin Thijs dem Druck der Verfolger bis 18 km vor dem Ziel, kurz vor der gefürchteten Mauer von Geraardsbergen widerstanden. Dann flog die achtköpfige Spitzengruppe an dem 31-jährigen Thys, der über 200 Km allein fuhr, vorbei.

Am kommenden Sonntag findet das dritte Weltcup-Rennen im Rahmen eines großen Jubiläums statt. Paris-Roubaix geht zum 100. Mal über die Bühne. Der Cup-Wettbewerb geht am 19. Oktober mit der Lombardei- Rundfahrt zu Ende.