Profi-Radsport

Museeuw gewinnt 100. Paris-Roubaix - Wesemann 2.

14.04.2002 -

Roubaix (dpa) - Radprofi Johan Museeuw hat in der «Hölle des Nordens» ein besonderes Stück Sportgeschichte geschrieben. Der 36-jährige Belgier gewann die 100. Jubiläums-Ausgabe des Frühjahrs-Klassikers Paris-Roubaix und verwies Steffen Wesemann nach 261 Km mit 3:02 Minuten Rückstand auf den zweiten Platz.

Damit wiederholte der in der Schweiz lebende Telekomfahrer aus Wolmirstedt die Leistung Olaf Ludwigs von 1992. Museeuw feierte im dritten Weltcup-Rennen der Saison seinen dritten Sieg nach 1996 und 2000. Bei der Triumphfahrt des neuen Weltcup-Spitzenreiters, der sich 37 Km vor dem Ziel aus einer zwölfköpfigen Spitzengruppe abgesetzt hatte, blieb die gesamte Konkurrenz auf der Strecke. Museeuw feierte den insgesamt zehnten Weltcup-Sieg seiner Karriere, den Rekord in Roubaix mit vier Erfolgen hält weiter sein Landsmann Roger de Vlaeminck.

«Museeuw war heute unantastbar. Wesemann hat die beste Leistung seiner Laufbahn gezeigt und kann stolz sein. Bei der Verfolgung von Museeuw haben ihm erneut Probleme mit den Pedalen zu schaffen gemacht. Das kostete ihn eine halbe Minute - aber so ist Paris- Roubaix», sagte Telekom-Manager Walter Godefroot. «Nach meinem zweiten Platz vor einer Woche bei der Flandern-Rundfahrt wollte ich heute Revanche nehmen. Jetzt weiß ich nicht, ob ich im nächsten Jahr nicht vielleicht doch noch eine Saison dranhänge», sagte der Jubiläumssieger.

Der Weltranglisten-Erste Erik Zabel (Unna) kam bei der «Schlammschlacht» im französischen Kohle-Revier bei teilweise starken Regenfällen in einer vierten Gruppe ins Ziel. Trotz der starken Wesemann-Leistung wurde der Traum, 106 Jahre nach Josef Fischer (München) nationaler Nachfolger des ersten und einzigen deutschen Siegers in Roubaix zu werden, allerdings wieder nicht Wirklichkeit.

Der «Löwe von Flandern» leitete sein sagenhaftes Solo 42 Km vor dem Ziel ein, als sich eine entscheidende 12-köpfige Kopfgruppe gebildet hatte. In ihr fuhren fünf Team-Kollegen Museeuws, so dass die Kräfteverteilung zu Gunsten des Topfavoriten klar war. Er fühlte sich so stark, dass er 37 km vor dem Ziel allein davonstürmte. Im spannenden Finale kämpften direkt in seinem Rücken erst George Hincapie (USA) und dessen Teamkollege Tom Boonen (Belgien) um den Anschluss. Dann schloss Wesemann auf. Museeuw, der den 49. Erfolg eines Belgier perfekt machte, wehrte die Angriffe aber ab und fuhr als umjubelter Sieger ins Velodrom.

Lange hatte eine anfangs 16 köpfige Spitzengruppe mit Danilo Hondo (Cottbus) und Raphael Schweda (Rostock) das Rennen bestimmt. Dahinter lauerte eine Verfolgergruppe mit Museeuw und Hincapie, aber auch Wesemann, der im Vorjahr trotz zahlreicher Defekte Siebenter geworden war. 60 km vor dem Ziel attackierte Museeuw das erste Mal. Vorher waren Wesemann und Zabel, der in ein Feld stürzte, sich aber nicht ernstlich verletzte, zurückgefallen.

Ex-Weltmeister Museeuw, der zum Ende dieser Saison seine ruhmreiche Karriere eigentlich beenden will, gilt als unglaubliches Stehaufmännchen. Zwei Jahre nach seinem ersten Triumph in Roubaix stürzte er im berüchtigten Wald von Arenberg schwer, brach sich die Kniescheibe. Aber der eisenharte Belgier rappelte sich wieder auf und holte vor zwei Jahren seinen zweiten Sieg. Danach schien seine Laufbahn nach einem schweren Motorrad-Unfall wieder vor dem abrupten Ende. Er bescherte seinem Teamchef Patrick Lefevere den siebenten Sieg in Roubaix seit 1995.

24 Profis aus vier Teams mussten vor dem Start des großen Jubiläums in Compiegne zur Blutkontrolle. Da es keine Beanstandungen gab, konnten alle Getesteten ins Rennen gehen, das diesmal 26 Kopfsteinpflaster-Passagen in einer Gesamtlänge von 49,1 Km bereit hielt. Lüttich-Bastogne-Lüttich ist das vierte von insgesamt zehn Weltcup-Rennen.

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