Jan Ullrich: Im Touristen-Tempo zur Tour-Form

18.04.2002  | 

Merdingen (dpa) - Im Touristen-Tempo strampelt sich Jan Ullrich in Tour-Form. «Ich fahre zur Zeit zwei Mal am Tag jeweils zwei bis drei Stunden. Die erste Woche habe ich einen Stundendurchschnitt von 27 Kilometern geschafft - wie Touristenfahrer. Jetzt bin ich schon bei 31», beschrieb der rekonvaleszente Olympiasieger sein Aufbau-Training im heimischen Schwarzwald nach vierwöchiger Trainingspause, die ihm eine Reizung am rechten Knie eingetragen hatte.

«Er wollte es besonders gut machen und ging im Janaur im Trainingslager auf Mallorca ins Kraftstudio und hat dort wahrscheinlich übertrieben», nannte Trainer Peter Becker Gründe für Ullrichs Leiden.

«Der Start beim Giro d`Italia am 11. Mai ist mein großer Wunsch, aber die Zeit ist verdammt knapp. Als Alternative kämen die Deutschland-Rundfahrt und die Tour de Suisse als direkte Vorbereitung zur Tour de France in Frage», sagte Ullrich, der nach den ersten zehn Tagen vorsichtigem Trainings-Aufbau «ohne Schmerzen» ist. Wenn die Beschwerden kamen, war es oft so «als bekäme ich Messerstiche ins Knie». In den nächsten zwei Wochen will der 28 Jahre alte Toursieger von 1997 sein Pensum rund um Merdingen langsam steigern, aber noch keine Rennen bestreiten.

Ein Viererrat aus Telekom-Teamchef Rudy Pevenage, Mannschafts-Arzt Lothar Heinrich, Becker und Ullrich wollten am Donnerstag in Merdingen über das weitere Vorgehen beraten. «Anfang Mai werden wir wahrscheinlich entscheiden können, ob es mit dem Giro Zweck hat. Mir fehlen zur Zeit 5000 bis 6000 Kilometer», sagte Ullrich, der seinen großen Saisonplan nicht aus den Augen verloren hat: «Die Tour de France ist mein großes Ziel.»

Inaktivität war in den vergangenen Jahren beim Genussmenschen Ullrich oft der Auslöser für gewisse Gewichtsprobleme. Die plagen ihn zur Zeit am allerwenigsten. Er sieht zwar nicht asketisch wie zu Tour- oder WM-Zeiten aus, ist aber weit entfernt von manch bekannter Optik aus den Jahren 1999, 2000 oder 2001. «Das Gewicht ist okay. An den Oberschenkeln hat er natürlich etwas Muskelmasse verloren, aber das ist nach so langer Pause normal. Das holt er wieder auf», ist sich der Mediziner Heinrich sicher.

Damit die Tafelfreuden Spaß machen, aber keine unnötigen Spuren hinterlassen, wird Ullrich in seinem Heimatort Merdingen seit Montag wieder von seinem Leibkoch Walter Grözinger versorgt. Nach fünf Stunden auf dem Rad gab es am Mittwochabend frischen Spargel und Lachs, zum Frühstück am Donnerstag selbst gebackenes Dinkel-Brot von Grözinger, der auch schon die Industriellen-Familie Flick bekocht hat.

Ullrich begann im Dezember so früh mit dem Training wie nie zuvor und hatte seinen ersten Wettkampf bereits im Januar bei der Katar- Rundfahrt. Aber dann kamen die Knie-Probleme, die ihn sogar das Trainingslager in Südafrika unterbrechen ließen. Vorgesehene Starts wurden seit März immer wieder verschoben. Nachdem die Mediziner nach eingehenden Untersuchungen Grünes Licht gegeben hatten, befindet sich der Olympiasieger seit dem 8. April wieder im Training auf dem Rad.

Sein großer Widersacher Lance Armstrong ist schon längst voll bei der Sache. Der dreifache Toursieger aus Texas fuhr bisher erfolgreich zwei der drei Weltcup-Rennen und gilt am übernächsten Sonntag beim Amstel Gold-Race als Topfavorit.

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