Profi-Radsport

BDR erhält Ullrich-Akte - 13 verdächtigte Italiener am Giro-Start

23.04.2002 - Rom/Berlin (dpa) - Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat die Ermittlungsakten des italienischen Olympischen Komitees CONI zum Fall Jan Ullrich und Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich erhalten. Das bestätigte Verbands-Vizepräsident Olaf Ludwig, der als Teamsprecher auch die Interessen von Telekom vertritt. Gegen den 28- jährigen Olympiasieger aus Merdingen und den Mediziner aus Freiburg wird seit dem vergangenen Giro d`Italia wegen Doping-Verdachts ermittelt.

«Wir haben die Akten erhalten, die jetzt übersetzt werden müssen. So schnell wie möglich werden wir entscheiden, wie es weitergeht, sobald wir die konkreten Vorwürfe kennen», sagte Ludwig.

Die Doping-Funde bei der Giro-Razzia am 6. Juni 2001 in San Remo bleiben für die unter Verdacht stehenden Radprofis vorerst ohne Folgen. 13 italienische Fahrer, gegen die die Justiz ermittelt, und die auf Geheiß des CONI zum Teil mehrjährig gesperrt werden sollten, dürfen beim kommenden Giro d`Italia am 11. Mai in Groningen an den Start gehen. Das bestätigte der italienische Radsport-Verband, der allerdings unter anderen vom Ex-Telekom-Profi Alberto Elli, dem Insulin-Doping vorgeworfen wird, weitere Informationen verlangt.

Die vom CONI an die zuständigen Landesverbände weitergeleiteten Ermittlungsergebnisse gegen ausländische Profis und Betreuer haben im Fall Ullrich/Heinrich den BDR in der Vorwoche erreicht. Ullrich muss sich bekanntlich für den Gebrauch von Kortekoiden verantworten, Heinrich für bei ihm gefundene Coffeintabletten. Bestrafungen oder Sperren dürften kaum zu erwarten sein. «Es liegt ja im Fall Ullrich kein positiver Doping-Befund vor», hatte BDR-Geschäftsführer Karsten erklärt, nachdem das CONI die Weiterleitung der Ermittlungs- Ergebnisse aus Italien angekündigt hatte.

Dem 28-jährigen Olympiasieger, zur Zeit im Aufbautraining nach Knie-Problemen, war der Einsatz eines Kortekoid haltigen Asthma- Sprays nach ärztlichem Attest gestattet. Heinrich hatte die Tabletten nach eigener Aussage selber benutzt, um die Folgen eines Jetlag zu bekämpfen.

Die Anhörung des italienischen Radprofis Marco Pantani, der in einem anderen Doping-Verfahren freigesprochen worden war, vor dem CONI ist am Dienstag auf den 29. April verlegt worden. Auch mit einem Pantani-Start beim 85. Giro - er will seinen Sieg von 1998 wiederholen - ist zu rechnen. Der österreichische Profi Arno Kaspret steht unter Doping-Verdacht, nachdem er der Einnahme von Ephedrin überführt worden ist, wie der Österreichische Verband bestätigte.

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