Profi-Radsport

Zeitfahren: Rich fehlten zehn Sekunden zum WM-Titel

13.10.2000 -

Plouay (dpa) - Der Ärger über das verpasste WM-Gold im Zeitfahren hielt bei Michael Rich nur zehn Sekunden. «Genau die Zeit, die mir Sergej Gontschar am Ende abgenommen hat. Ich stand hinter der Bühne mit dem Siegerpodest, als er über den Zielstrich fuhr, und dachte, jetzt hast du Gold verloren», so schilderte der 31- Jährige aus Waldkirch im Schwarzwald seine Gefühle nach dem dramatischen Weltmeisterschafts-Zeitfahren von Plouay.

«Aber schon diesen einen Moment später war mir klar: Nein, du hast Silber gewonnen», fügte Rich hinzu.

Der Sieg des kleinen Ukrainers in Diensten des italienischen Rennstalls Liquigas ging nach Meinung des kräftigen, groß gewachsenen Rich durchaus in Ordnung.

«Er fuhr weit hinter mir und hatte immer die Informationen über seinen Rückstand, das hilft bei so knappen Abständen enorm. Ich wüsste allerdings nicht, wo ich die Sekunden gegen ihn verloren habe, denn ich hatte das ganze Rennen über das Gefühl, es läuft rund. Ich fühlte immer, jetzt fahre ich schneller als die anderen.» Gontschar wusste allerdings bis zum Ende des Rennens nicht, wie er im Vergleich zur Konkurrenz liegt. «Ich hasse es, unterwegs mit Informationen belegt zu werden. Ich fahre nicht gegen die anderen, sondern gegen mich selbst», erklärte der 30-jährige Slawe.

Dass die Größen des Metiers wie Titelverteidiger Jan Ullrich (Merdingen), Tour-Sieger Lance Armstrong (USA) oder Olympiasieger Wjatscheslaw Jekimow (Russland) nicht dabei waren, störte ihn nicht. «Es tut mit leid für sie, aber ich war hier. Nach Platz zwei und drei in den letzten drei Jahren war ich mal dran», so Gontschar.

Auch Rich hat sich bei bislang sechs Weltmeisterschaften eine große Sammlung von Medaillen anlegen können. Je zwei Mal Silber und Bronze mit dem Straßenvierer, dazu noch der Olympiasieg 1992 mit der Mannschaft. Nun ist die erste Solo-Medaille dazu gekommen.

Zwei Jahre lang ist Rich im italienischen Saeco-Team von Mario Cipollini gefahren. Da aber glückte nie ein herausragendes Rennen gegen die Uhr. «Mein Job war dort einfach ein anderer.» Inzwischen fährt er längst wieder in Deutschland, und es stört ihn überhaupt nicht, dass sein Team Gerolsteiner nur der zweiten Kategorie von Rennställen angehört. «Ich habe gerade in der vorigen Woche für zwei weitere Jahre unterschrieben. Nicht das Geld macht es, das Umfeld muss stimmen, und die Teamgefährten müssen mehr als nur Arbeitskollegen sein.»

Das Team Gerolsteiner sorgt zumindest seit diesem Jahr mit dafür, dass im deutschen Radsport nicht nur von Telekom geredet wird. Die so genannten GS-II-Teams haben für einen großen Qualitätszuwachs im deutschen Radsport gesorgt. Rich: «Der wesentliche Unterschied zwischen beiden Kategorien ist im Moment das Geld. Von den Bedingungen, Training und Ausrüstung gibt es kaum noch Differenzen. Aber es ist eben ein Problem, ob ich einen Spitzenfahrer für eine halbe oder sogar eine Million Mark verpflichten kann, oder ob der Etat vielleicht nur 100 000 Mark im Jahr zulässt.

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